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Eintracht-Präsident Peter Fischer: Ein Mann wie seine Stadt und sein Verein

Mann der klaren Worte : Darum spiegelt Präsident Fischer Eintracht Frankfurt perfekt wider

Kaum ein Präsident eines Profi-Fußball-Vereins äußert sich so direkt und unverhohlen zu Themen wie Peter Fischer. Damit trifft er perfekt den Nerv der Stadt und seines Vereins Eintracht Frankfurt – und ist auch irgendwie deshalb Teil des sportlichen Erfolgs.

Vergangene Woche hatte er wieder seinen großen Auftritt. Er stand vor der Kurve, in der die Fans von Eintracht Frankfurt sich bereits für das Hinspiel im Halbfinale der Europa League gegen West Ham United warm sangen, reckte seine Hände in den Londoner Abendhimmel, winkte und klopfte sich auf die Brust, während die Anhänger teilweise seinen Namen skandierten: „Peter Fischer“, hallte es da kurzzeitig durch das Olympiastadion von 2012, wo West Ham seine Heimspiele austrägt.

Peter Fischer, der Präsident des Vereins Eintracht Frankfurt, liebt diese Momente. Schließlich ist er doch ein Mann des Volkes, einer von ihnen, der zur Party vor dem Buckingham Palace aufgerufen hatte und schon beim Viertelfinale in Barcelona Dosenbier mit dem einen oder anderen Anhänger trank. Es ist für Fischer, den Lebemann, inzwischen zu einer wohligen Tradition geworden, dass er mit diesen Auftritten vor dem Spiel noch einmal die Verbindung zwischen Fans und Verein symbolisiert. Und so wird es dann auch am Donnerstag sein, wenn die Eintracht West Ham zum Rückspiel (21 Uhr/RTL) empfangen wird und den historischen Final-Einzug in der Europa League nach dem 2:1-Auswärtserfolg perfekt machen kann.

Wer in diesen Tagen die Erfolgsgeschichte von Eintracht Frankfurt nacherzählen will, kommt an dem Präsidenten, der das Amt seit 2000 innehat, kaum vorbei. Zwar ist Fischer in erster Linie der Vertreter des Gesamtvereins, kümmert sich dabei auch blendend um die Leichtathleten, schaut beim Tischtennis zu – oder als ehemaliger Basketballer – den Korbjägern. Doch er sitzt als Präsident eben auch im Aufsichtsrat der Profifußball AG und ist daher immer auf dem Laufenden, wenn es um die sportlichen Belange der Bundesliga-Mannschaft geht. An der Verpflichtung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Fredi Bobic, der die erfolgreiche Ära am Main mit eingeleitet hat und von der die Eintracht noch heute profitiert, soll Fischer maßgeblich beteiligt gewesen sein. Aber Fischer ist freilich kein ausgewiesener Fachmann im Profibusiness, was man ihm auch jahrelang in der Förderung der Jugendarbeit vorhalten musste. Inzwischen sind die U-Mannschaften in die Profi-AG eingegliedert und es funktioniert besser im Nachwuchs. Fischer muss aber auch nicht der Fußball-Fachmann sein, denn dafür hat die Eintracht andere Leute. Mit Axel Hellmann zum Beispiel, der neben Bobic und nun Markus Krösche die Geschichte der AG leitet.

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Fischer ist der Mann fürs Herz, kennt und vereint viele Leute rund um den Verein. „Er passt perfekt nach Frankfurt“, sagt einer, der es wissen muss. Basti Roth, in den vergangenen Jahren durch seine Podcast-Erfolge und Experten-Auftritte im Fernsehen zu einem bekannten Eintracht-Fan geworden, kennt Fischer, hat mit ihm auch schon das eine oder andere Bier zusammen getrunken. „Fischer lebt den Verein, ist in der Stadt verwurzelt. Mit seiner Art spiegelt er die Stadt und den Verein wider“, sagt Roth über einen Mann, der auf einem Bauernhof geboren wurde und zwischenzeitlich an Klubs auf Mallorca und Ibiza beteiligt war. Was Roth meint: Fischer vereint als Unternehmer die Internationalität der Stadt und des Vereins mit der Divenhaftigkeit und der leichten Proletenart, vergisst aber nicht, wo er herkommt, engagiert sich mit sozialen Projekten auch für die Benachteiligten der Gesellschaft. Fischer ist rau, nicht sexy, aber faszinierend. Stadt und Verein bilden in seiner Person die perfekte Symbiose. „Er ist ein Assi Deluxe“, sagt Roth – und meint es liebevoll.

Der Präsident wirkt gern mal arrogant, ist es vielleicht auch etwas. Aber Fischer ist ein Menschenfänger. Und er sagt, was ist, nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnete er jüngst im ZDF-Sportstudio als „Massenmörder“ und „asozialen Psychopathen“. Immer wieder stellt er sich massiv gegen jegliche Form des Rechtsextremismus und schießt gern scharf gegen die AfD. „90.000 Mitglieder in meinem Verein sind gegen diese scheiß Rassisten, gegen diese scheiß AfD, sie zeigen klare Kante: Wir wollen keine Nazis. Wir brauchen Euch braunen Sumpf nicht“, sagte er einmal in einer Rede.

Und auch während der Corona-Zeit fand er deutliche Worte gegen Impfgegner: „Wer nicht geimpft ist, gehört nicht dazu!“ Den Satz sagte er in einem Video, das offensichtlich im privaten Rahmen aufgenommen wurde und nicht unbedingt für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen war – zumindest aus Fischers Sicht. Es brachte Fischer in seiner so geliebten Fanszene einigen Unmut ein, warben doch die aktiven Fans in der Corona-Pandemie stets für die Gleichbehandlung aller. Fischer stand aber zu seinen Worten – wie er es immer tut. Er will klare Positionen und tritt damit immer mal wieder Menschen auf die Füße. Aber: er verbiegt sich nicht. Ähnlich wie die Eintracht selbst in den vergangenen Jahren. Trainer- und Spielerabgänge hat man stets hingenommen und ist den eingeschlagenen Weg einfach weitergegangen. Statt die Stars einzukaufen, hat man sie lieber selbst gemacht. Etwa einen Luka Jovic, Sebastien Haller oder Filip Kostic. Und dafür war das Umfeld maßgeblich – das eben von Fischer so mitgeschaffen wurde. Er zeigt auch den Spielern, mit denen sich Frankfurt beschäftigt, dass der Verein und die Stadt bunt sind, dass Spieler vom Verein geschützt werden. Fischer soll sogar gern mal mit ihnen um die Häuser ziehen.

Fischer vereint das, was auch seine Spieler am Donnerstag wieder auf dem Platz zeigen werden: Wenn sie den Adler auf der Brust tragen, sind sie stolz, Teil des Vereins zu sein. Und vielleicht reicht das schon aus, um eine rauschende Feier nach dem Finaleinzug zu zelebrieren. Einer wäre dann sicherlich ganz vorn mit dabei: Peter Fischer. Schließlich ist er nicht nur Präsident des Vereins, sondern auch riesiger Fan.