Eintracht Frankfurt: Reutershahn spricht über Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel

Der ewige Co-Trainer Armin Reutershahn : „Friedhelm Funkel und ich werden immer gute Freunde bleiben“

Armin Reutershahn ist seit knapp 30 Jahren im Trainergeschäft. Mittlerweile hat er über 1000 Pflichtspiele als Co-Trainer absolviert. Nach dem Chefposten strebte er nie. Auch deshalb, weil ihn sein guter Freund Friedhelm Funkel prägte.

Alte Liebe rostet nicht. Auch nicht im Fall von Armin Reutershahn und Friedhelm Funkel. 1991 ging die Liaison der beiden los. Damals wurde Funkel bei Bayer Uerdingen vom Co- zum Cheftrainer befördert. Die Stelle des Assistenten musste neu besetzt werden. So geriet Reutershahn zum ersten Mal in den Fokus. Für ihn und Funkel sollte es der Beginn einer engen Freundschaft werden. „Ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Eines ist bei ihm unantastbar: seine Menschlichkeit“, sagt Funkel. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht Reutershahn über seine größten Erfolge, die Entwicklung des Co-Trainer-Jobs und die Freundschaft mit Funkel.

Armin Reutershahn, welche Veränderungen haben Sie auf der Position des Co-Trainers in den vergangenen Jahren ausgemacht?

Reutershahn Das Prägnanteste ist, dass sich die Größe des Trainerteams und die Aufgabenverteilung völlig verändert haben. Früher gab es einen Cheftrainer und einen Co-Trainer, mit etwas Glück vielleicht noch ein Torwarttrainer. Oftmals mussten wir die Torhüter aber selbst trainieren. Es gab auch keinen Athletik- und Rehatrainer. Das lag alles in der Hand des Co-Trainers.

Das klingt nach viel Arbeit. Wie lief das damals ab?

Reutershahn Ich habe das Torwarttraining gemacht. Ich habe das Aufwärmtraining gemacht. Ich habe das Athletiktraining gemacht. Ich habe die Spielnachbereitung gemacht. Jede von diesen Aufgaben wird heutzutage von Fachleuten übernommen. Bei Eintracht Frankfurt haben wir drei Athletiktrainer, einen Torwarttrainer, vier Analysten und viel mehr Physiotherapeuten als früher. Die Veränderung im Staff im Vergleich zu früher ist schon gravierend.

Sie müssen nun sehr viel Zeit haben.

Reutershahn Genau (lacht). Man muss aber auch sagen, dass der Fußball viel diffiziler geworden ist. Zum Beispiel in Bezug auf das Taktiktraining oder auf die Spiel- und Trainingsformen. Früher musste man alle möglichen Dinge erledigen – da war es schwer, alles mit 100 Prozent anzugehen. Dabei ist meine Art viel eher, 110 Prozent zu geben.

Wofür werden denn nun die 110 Prozent aufgebracht?

Reutershahn Ich will es mal so sagen: Ich kann mich als Co-Trainer nun viel mehr auf die wesentlichen Details konzentrieren. Gegneranalyse, Eigenanalyse und Standardsituationen sind im modernen Fußball sehr wichtige Bestandteile der Trainerarbeit.

Hat der Co-Trainer mehr Eigenverantwortung als damals?

Reutershahn Das hängt in erster Linie mit dem Cheftrainer zusammen. Friedhelm Funkel hat mir damals immer sehr viel Eigenverantwortung übergeben. Sowohl bei Bayer Uerdingen als auch bei Eintracht Frankfurt. Er hat mir sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Auch unter Adi Hütter ist das der Fall. Christian Peintinger und ich bereiten sehr viel selbstständig vor und stimmen das dann im Anschluss mit dem Cheftrainer ab.

Ist es für Sie ein Vorteil alles von der Pike an gelernt zu haben?

Reutershahn Das ist definitiv ein riesiger Vorteil. Man hat einen großen Erfahrungsschatz und kann so einem Trainer seine Sicht der Dinge darlegen. Man kann ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das schwierige im Trainerleben sind ja die Situationen, in denen man nicht erfolgreich ist. Da tut es jedem Trainer gut, wenn man einen Assistenten an der Seite hat, der eine gewisse Erfahrung hat und Ruhe ausstrahlt. Der den Trainer in seinen Entscheidungen stärkt oder ihn darauf hinweist, dass es besser ist, gewisse Dinge zu überdenken.

Es ist kein Geheimnis, dass Sie und Friedhelm Funkel befreundet sind. Wie kam diese enge Verbindung zustande?

Reutershahn Menschlich haben wir uns schon immer super verstanden. Aber auch sportlich haben wir uns gepusht. Sowohl in Uerdingen als auch in Frankfurt haben wir Höhen und Tiefen erlebt. So etwas schweißt einfach zusammen. Wir werden für immer gute Freunde bleiben.

Wieso haben Sie dann keinen dauerhaften gemeinsamen Weg als Duo eingeschlagen?

Reutershahn Es war keine Entscheidung gegen Friedhelm. Das hat aus den jeweiligen Verträgen seinen Ursprung genommen. Nach sechs Jahren in Uerdingen ist Friedhelm zum MSV Duisburg gewechselt, ich hatte noch Vertrag in Krefeld. Und Friedhelm hatte dann beim MSV Seppo Eichkorn als Co-Trainer. Dann bin ich zum HSV gewechselt und war unter Frank Pagelsdorf Co-Trainer. Erst danach gab es wieder die Möglichkeit, dass Friedhelm und ich zusammenarbeiten. Dann sind wir zusammen zur Eintracht gegangen und haben dort fünf Jahre sehr erfolgreich gearbeitet. Dann wollte Friedhelm eine Pause einlegen. Für mich kam dann eine Anfrage vom 1. FC Nürnberg.

Fragt man ihn dann, ob man das Angebot annehmen soll?

Reutershahn Ich habe ihn damals gefragt, ja. Er hatte mir dann dazu geraten, nach Nürnberg zu wechseln. Auch weil er nicht wusste, wann er wieder bei einem Klub anfängt.

Während Ihrer Zeit in Nürnberg hatten Sie auch ein kurzes Intermezzo als Cheftrainer.

Reutershahn Stimmt, allerdings zusammen mit Michael Wiesinger. Das war ein ähnliches Konstrukt wie damals bei Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä bei Bayer Leverkusen.

Warum haben Sie ansonsten nie als Cheftrainer gearbeitet? Wollten Sie nicht oder gab es keine Anfragen?

Reutershahn Doch, die gab es. Als ich beispielsweise Co-Trainer beim HSV war, hat St. Pauli angefragt. Wir waren mit der Mannschaft zu der Zeit aber sehr erfolgreich. Deshalb war das kein Thema für mich. Es gab generell nie solch konkrete Gespräche, dass ich ins Grübeln gekommen bin. Das liegt auch daran, dass ich mich mit meiner Aufgabe sehr wohl fühle.

Und weil Sie jeder im Fußballgeschäft als Armin Reutershahn, der Co-Trainer von … kennt?

Reutershahn Vielleicht. Ich mache das jetzt knapp 30 Jahre. Da steckt man natürlich auch in einer Schublade. Mittlerweile würde wohl gar kein Verein mehr darauf kommen, mich zu fragen, ob ich Cheftrainer werden will.

Seit der gemeinsamen Zeit in Frankfurt haben Sie beruflich nichts mehr mit Friedhelm Funkel zu tun. Holt man sich untereinander dennoch weiterhin Ratschläge vom jeweils anderen ein?

Reutershahn Eigentlich nicht. Wie Sie schon sagten, ist es ja auch bereits zehn Jahre her, seitdem wir zuletzt zusammengearbeitet haben. Aber es ist ja auch klar, dass er mich manchmal um eine Einschätzung zu Spielern fragt, die ich gut kenne. So war es vor der Ausleihe von Aymane Barkok zum Beispiel. Ansonsten gehen wir da unseren eigenen Weg, telefonieren aber regelmäßig miteinander.

Hat Friedhelm Funkel Sie nie versucht zur Fortuna zu holen?

Reutershahn Nein.

Es hätte sich ja spätestens nach dem Abgang von Peter Hermann zum FC Bayern angeboten.

Reutershahn Friedhelm weiß, dass die Eintracht eine absolute Herzensangelegenheit für mich ist. Und damals hatte ich gerade erst meinen Vertrag in Frankfurt unterschrieben. Da war es klar, dass ich nicht nach Düsseldorf komme, außerdem hat er zwei sehr gute Co-Trainer.

Sie haben vor kurzem ihr 1000 Pflichtspiel als Co-Trainer absolviert. Welches Spiel ist Ihnen da besonders in Erinnerung geblieben?

Reutershahn Ich habe natürlich sehr viel erlebt. Das Herausragendste war aber sicherlich der Pokalsieg mit der Eintracht gegen Bayern München 2017. Aber es gab auch andere Highlights – so viel Platz haben Sie glaube ich nicht in der Zeitung (lacht). Da wären die Aufstiege mit Uerdingen 1992 und Frankfurt 2005. Ich stand mit der Eintracht insgesamt dreimal im Endspiel des DFB-Pokals. Als ich 2006 zum ersten Mal im Finale stand, da hatte ich beim Aufwärmen schon eine Gänsehaut. Da standen mir die Tränen in den Augen. Man träumt immer davon, mal bei einem Endspiel mit dabei zu sein – vor allem, wenn man als Spieler nie Profi war. Auch das Halbfinale bei Chelsea mit Verlängerung und Elfmeterschießen war so ein bleibendes Erlebnis.

Sie werden in wenigen Monaten 60 Jahre alt. Wie lange wollen Sie den Job noch ausüben? Wann machen Sie Schluss?

Reutershahn Solange ich gesund bin, werde ich dem Fußball sicherlich immer verbunden bleiben. Ich hoffe, dass ich auf dem Platz genauso lange wie Peter Hermann arbeiten kann. Ich will den Beruf solange ausüben, wie ich kann. Das Wichtigste ist doch, dass man mit Freude dabei ist. Wir haben in Frankfurt eine tolle Zusammenarbeit im Trainerteam. Ich bin sowohl körperlich als auch geistig voll auf der Höhe. Ich bin ja auch immer mit jungen Leuten zusammen, bin immer an der frischen Luft, das hält einen jung.