Braun kein Manager: DSC dementiert rechtsradikale Tendenzen

Braun kein Manager: DSC dementiert rechtsradikale Tendenzen

Dresden (dpa/lnw). Jens Löwe ist am Donnerstagnachmittag als Marketingchef des Dresdner SC zurückgetreten. Zuvor hatte bereits der designierte Manager Helmar Braun auf alle Ämter beim Fußball- Regionalligisten verzichtet. Beide zogen die Konsequenzen aus den gegen sie erhobenen Vorwürfen. Braun und Löwe waren in Zeitungsberichten als Anhänger der rechtsradikalen Szene enttarnt worden.

Demnach war Braun erster Vorsitzender der 1991 in Dresden gegründeten rechtsextremen Splittergruppe Sächsische Nationale Liste. Bislang hatte der 29-Jährige für den DSC hauptsächlich Sponsoren gewonnen und galt als erster Kandidat für den Manager-Posten. Von seiner aktiven Mitarbeit in der rechten Szene hatte Braun sich zwar distanziert. Jedoch marschierte er noch am 1. Mai dieses Jahres bei einer NPD-Demonstration in einem T-Shirt mit Jörg-Haider-Aufschrift durch Dresden. "Da ist man nicht drei Monate später geläutert", entrüstete sich DSC-Vizepräsident Bernd Engst. Laut Engst habe der Verein gewusst, dass Braun in der Nachwendezeit rechtsorientierten Ideen hinterhergelaufen sei. Jedoch sei man immer davon ausgegangen, dass Braun sich aus der Szene verabschiedet habe.

An der Seite von Braun wurde bei der Demonstration am 1. Mai auch Löwe ausgemacht. Löwe wollte zunächst im Amt bleiben, trat nach massivem öffentlichen Druck jedoch noch am Donnerstag zurück. Der DSC, der als deutscher Fußball-Meister von 1943 und 1944 von gegnerischen Fans oft als "Nazi-Meister" beschimpft wird, wollte indes in einer Pressemitteilung klarstellen, "dass der Verein bis zum heutigen Zeitpunkt keinerlei politischen, rechtsradikalen Tendenzen unterliegt und auch künftig nicht unterliegen wird".

In der Mannschaft des DSC sorgt die öffentliche Diskussionen für Unruhe. Trainer Matthias Schulz verwahrte sich gegen Vorwürfe, der Verein sei zum Sammelbecken rechtsradikaler Ideen geworden. "Es gab im Steyer-Stadion oder bei unseren Auswärtsspielen nie schwere Vorfälle oder Ausschreitungen in dieser Richtung. Natürlich war es ein Fehler, einen Mann wie Helmar Braun zu beschäftigen. Aber es sollte niemand vergessen, wie viele seriöse Geschäftsleute unseren Verein unterstützen und wie viel ehrenamtliche Arbeit beim DSC verrichtet wird."

Schulz hat alle Mühe, seine Mannschaft auf das Heimspiel am Samstag (14.00 Uhr) gegen den SV Babelsberg 03 einzustellen. "Ich habe meinen Spielern gesagt, dass sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren sollen", sagte der Trainer. Stürmer Hendryk Lau, der im Sommer aus Potsdam an die Elbe gewechselt war, wird gegen seinen Ex- Verein sein Debüt im DSC-Dress feiern. Der Torschützenkönig der Regionalliga Nordost in der vergangenen Saison (16 Treffer) hat seinen Fußbruch auskuriert und sitzt zunächst auf der Bank.

(RPO Archiv)
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