Wie der KFC Uerdingen noch einmal in die 3. Liga aufstieg

Protokoll eines denkwürdigen Tages : Wie Uerdingen noch einmal aufstieg

Der DFB hat dem KFC Uerdingen die Lizenz für die Dritte Liga erteilt. Zuvor hatte ein Ausschuss überprüft, ob der Nachweis der Liquidität auch rechtzeitig auf seinem Konto eingegangen war. Protokoll eines denkwürdigen Tages.

Riesenerleichterung in Krefeld: Der KFC Uerdingen wird in der kommenden Fußball-Saison in der Dritten Liga spielen. Der Zulassungsbeschwerdeausschuss hat zwar eine verspäteten Eingang des Liquiditätsnachweises in Höhe von 1,2 Millionen Euro festgestellt, aber auch, dass dies kein Fehler des KFC Uerdingen gewesen ist, sondern eine Verzögerung bedingt durch die Abwicklung beim ausführenden Kreditinstitut. Das gab Dr. Rainer Koch, Vorsitzender des Zulassungsbeschwerdeausschusses, gestern nach einer mehrstündigen Beratung des Gremiums bekannt.

Gegen 15 Uhr treffen die KFC-Verantwortlichen mit ihren Anwälten in Frankfurt ein. Der gesamte Vereinsvorstand mit dem Vorsitzenden Mikhail Ponomarev, Nikolas Weinhart (Zweiter Vorsitzender und Geschäftsführer) sowie Frank Strüver (Dritter Vorsitzender) will Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Ihre Anwälte sind die beiden Sportrechtler Dr. Frank Bahners sowie Christoph Schickhardt. Letztgenannter gilt Deutschland-weit als einer der führenden Anwälte in diesem Fachgebiet. Sie alle warten im Eingangsbereich der DFB-Zentrale. „No comment“, sagt Ponomarev, als er angesprochen wird, kein Kommentar. Alle Beteiligten wirken nervös und blicken ziemlich düster drein.

Verhandelt und angehört wird im Hauptsitz des DFB, an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt im Raum „Jupp Derwall“, benannt nach dem ehemaligen Bundestrainer, der gleich neben dem Raum „Helmut Schön“ gelegen ist. Als Zeuge wartet ein Mitarbeiter der Commerzbank Frankfurt im Empfangsbereich, der um 15.55 Uhr in den Tagesraum gebeten wird und aus diesem eine Viertelstunde später wieder hinausgeht.

Um 16.25 verlässt Schickardt den Tagesraum, der vor der Verhandlung unserem Medium sagte: „Die Chancen stehen 50:50. Das hängt für mich alleine an der Überweisungs-Geschichte.“ Ab 16.25 Uhr berät sich das elfköpfige Gremium des DFB unter Vorsitz von Reiner Koch im Tagungsraum. Die Vertreter des KFC werden nebenan in den Tagesraum Helmut Schön gebeten. Von dort aus wird später auch der Livestream des DFB gesendet.

Um 16.55 Uhr werden die Uerdingen wieder in den Tagesraum Jupp Derwall gebeten. Als dort um 17.15 Uhr eine Mitarbeiterin des DFB die Türe öffnet, ist lautes und freudiges Gelächter zu hören.

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Während des Livestreams sind die Uerdinger im Raum Jupp Derwall. Dort berichtet Rainer Koch über die Untersuchung. Ihm zufolge habe der KFC am Montag, 28. Mai, um 15.57 Uhr die Überweisung auf normalem Weg veranlasst. Die 1,2 Millionen seien am Dienstag, 29. Mai, um 7.50 Uhr bei der Hausbank des DFB eingegangen, aber noch nicht dem Konto gutgeschrieben worden. Dies war dem DFB am gleichen Tag um 11 Uhr aufgefallen, daraufhin hatte er den KFC verständigt. Der KFC hatte daraufhin eine Blitz-Überweisung getätigt, die dann um 15:50 Uhr auf dem DFB-Konto einging – 20 Minuten nach Ablauf der Frist. „Diese wäre rechtlich nicht haltbar gewesen, die erste Überweisung hingegen schon“, sagt Koch.

Nach der Übertragung verlassen die Uerdinger den Tagungsraum. Die Bitte um einen spontanen Kommentar lehnen sie ab und verlassen das DFB-Gebäude durch einen Seitenausgang. Auch Anwalt Schickardt ist zunächst nicht zu einem Statement bereit.

Gegen 18.30 Uhr veröffentlicht der KFC eine Stellungnahme seines Vorsitzenden: „Wir sind sehr froh und glücklich über die Entscheidung des DFB. Wir konnten in der heutigen Sitzung alle offenen Fragen klären und umfassend beantworten. Zu den Inhalten der Entscheidung haben der DFB und unser Rechtsanwalt ja bereits ausführlich Stellung bezogen. Wir freuen uns, jetzt nach vorne zu schauen und das Thema Relegation und Lizenz mit dem heutigen Tag hinter uns zu lassen“,teilt Mikhail Ponomarev mit.

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