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Rot-Weiss Essen: Der schlafende Riese ist erwacht - Aufstieg in 3. Liga

Der schlafende Riese ist erwacht : Rot-Weiss Essen feiert eine rauschende Party nach dem Aufstieg

Nach elf Jahren Regionalliga ist Rot-Weiss Essen in die 3. Liga aufgestiegen. In der Stadt herrschte Ausnahmezustand, die Spieler feiern bis Mittwoch auf Mallorca. Was der Profifußball für die Stadt und den Verein bedeutet.

Felix Herzenbruch war es eindeutig zu leise. Der Abwehrspieler von Rot-Weiss Essen stand am Samstagnachmittag mit einer gelben Warnweste über seinem Aufsteiger-T-Shirt und brüllte in das Stadionmikrofon. „Spiel doch mal ein Lied, DJ!“ Wenige Sekunden später erklangen die ersten Töne des Stadion-Klassikers „You´ll never walk alone“, und auf dem sonst so grünen Rasen machte sich ein rot-weißes Schal-Meer breit. Tausende Fans feierten zusammen mit der Mannschaft den Aufstieg in die 3. Liga. Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet hat es endlich geschafft, verlässt die Regionalliga West nach elf Jahren und spielt dank eines nur drei Treffer besseren Torverhältnisses gegenüber Preußen Münster im kommenden Jahr wieder Profifußball.

„Ich bin so stolz, zu dieser Mannschaft zu gehören, die aus dieser Schweineliga rausgekommen ist“, sagte Herzenbruch nach dem Spiel, das Essen 2:0 gegen Rot-Weiss Ahlen gewann und nach dem Tausende Fans bereits auf das Spielfeld strömten und sich selbst und ihre Aufstiegshelden herzten. „Mir standen Fans gegenüber, die hatten die Tränen in den Augen“, sagte RWE-Spieler Oguzhan Kefkir mit brüchiger Stimme. „Da kann man sehen, welche Bedeutung das hier für die Fans hat.“

Beweise lieferten diese dann weit nach Schlusspfiff selbst, als 3000 von ihnen untermalt von vielen bengalischen Feuern mehrere Kilometer in einem Fanmarsch durch die Innenstadt zogen. „In Essen wird heute Ausnahmezustand sein“, kündigte zuvor schon RWE-Sportdirektor Jörn Nowak an.

Vor 15 Jahren stieg Rot-Weiss Essen aus der 2. Bundesliga ab und quälte sich seitdem durch die Niederungen des westdeutschen Fußballs. Sogar ein Jahr Oberliga war dabei, zwölf Jahre spielte der Verein von der Hafenstraße 97a in der Regionalliga. Für Fans und Verein fühlte es sich wie im Gefängnis an, aus dem man einfach nicht rauskommt. Jahr um Jahr verspielte der RWE am Ende einer Saison glänzende Ausgangspositionen. Im vergangenen Jahr der dramatische Höhepunkt: Essen holte zwar 90 Punkte in 40 Spielen – musste aber zusehen, wie Borussia Dortmund II den Aufstieg in die 3. Liga feierte. Noch ein Jahr Lippstadt statt Saarbrücken.

Anstatt zu verzweifeln, stand die Mannschaft von Rot-Weiss Essen wieder auf. Der Verein holte unter anderem die bundesligaerfahrenen Felix Bastians und Thomas Eisfeld, der im vergangenen Jahr noch mit dem VfL Bochum den Aufstieg in die Bundesliga schaffte. Es war ein Topkader, mit dem Essen lange an der Spitze der Tabelle stand. Bis im Februar 2022 ein lauter Knall den Traum vom Profifußball fast beendet hätte. Nach einem Böllerwurf und dem Spielabbruch gegen Aufstiegskonkurrent Preußen Münster mit anschließender Niederlage am grünen Tisch, taumelte der Gigant wieder einmal dem Saisonende entgegen. Aus einem komfortablen Vorsprung wurden zwei Punkte Rückstand auf Münster. Zwei Kapitäne wurden suspendiert, zwei Spieltage vor Schluss musste Trainer Christian Neidhardt gehen. Alles sah danach aus, als würde der Verein, der das Scheitern scheinbar in seiner DNA trägt, wieder nicht aufsteigen. Bis am vorletzten Spieltag die Preußen vollkommen unerwartet doch noch in Wiedenbrück patzten und Essen gegen Rödinghausen 3:0 gewann.

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„Wir haben hier zwei Jahre geackert. Jedes Spiel musst du gewinnen. Druck, Druck, Druck. Dann läuft das Ding so“, sagte Herzenbruch am Samstagabend. RWE war wieder Tabellenführer mit einem Zwei-Tore-Vorsprung gegenüber den punktgleichen Münsteranern. Und dieses Mal klappte es wirklich. Cedric Harenbrock und Simon Engelmann ließen am Samstag die Hafenstraße, wo das Erbe des alten, abgerockten Ruhrgebiets wie bei keinem anderen Verein bewahrt wird, mit ihren Toren beben.

Schon weit vor dem Anpfiff herrschte Ausnahmezustand. 16.500 Fans waren glückliche Kartenbesitzer für das Aufstiegsspiel, während sich draußen Hunderte an den Zäunen drängten. „Schon beim Rauskommen hatte ich Gänsehaut“, sagten RWE-Keeper Jakob Golz und Stürmer Engelmann später. Noch bewegter war Herzenbruch: „Ich komme raus zum Aufwärmen und habe schon Tränen in den Augen. Die Leute hier sind einfach geisteskrank.“

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In der nächsten Saison heißen die Gegner nun Duisburg, Osnabrück, 1860 München. Eine illustre Runde, in die sich der Deutsche Meister von 1955 nun einreiht. „Der schlafende Riese ist heute erwacht. Schauen wir mal, was daraus noch wird. Die 3. Liga bietet für Rot-Weiss Essen viel mehr Chancen als Risiken. Klar ist, dass wir diese 3. Liga nicht wieder verlassen wollen“, sagte RWE-Vorstandschef Marcus Uhlig. Und wenn es nach Felix Bastians geht, ist mit dem Verein sogar noch viel mehr möglich: „Das Stadion, diese Fans – das ist Bundesliga.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: So feiern die Fans von Rot-Weiss Essen den Aufstieg in die 3. Liga