Lizenzentscheidung: Was wird aus dem KFC Uerdingen?

Vier Szenarien für die Lizenzentscheidung : Was wird aus dem KFC?

Am Montag entscheidet der DFB in Frankfurt, ob der KFC Uerdingen die Lizenz für die Dritte Liga bekommt. Wir haben vier Mögliche Szenarien durchgespielt.

Über das, was in den vergangenen Tagen passiert ist, gibt es noch recht unterschiedliche Darstellungsformen. Immerhin gibt es Montag am frühen Abend Gewissheit. Gegen 17.30 Uhr verkündet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Person des 1. Vizepräsidenten Rainer Koch, ob der KFC Uerdingen in der kommenden Saison in der Dritten Liga spielen darf oder nicht. Sportlich und wirtschaftlich hat sich der Verein zwar qualifiziert, doch hat er möglicherweise, so formuliert es der DFB noch recht vorsichtig, eine Frist nicht eingehalten. Daher tagt in der DFB-Zentrale in Frankfurt der Zulassungsbeschwerdeausschuss. Dabei geht es um die Frage, ob der KFC Uerdingen die Frist versäumt hat, eine Liquiditätsreserve als Guthaben beim DFB zu erbringen.

Offenbar hat der KFC im vereinbarten Zeitrahmen eine Überweisung getätigt. Unter Umständen wurde aber ein Weg gewählt, der sich im Nachhinein als tückisch erwiesen hat. Möglicherweise hat es sich so zugetragen: Die erste Überweisung konnte von der Hausbank des DFB nicht angenommen werden, da sie über ein russisches Kreditinstitut getätigt wurde. Für dieses Unternehmen gibt es auf dem hiesigen Markt eine Transaktionssperre. Die Bank des DFB konnte das Geld also nicht gutschreiben und informierte darüber auch ihren Kunden. Warum überhaupt eine russische Bank? Beim KFC ist Mikhail Ponomarev der mächtige Mann. Ein Unternehmer, der schon mit 25 Jahren das russische Erdölunternehmen Tatneft leitete, er zog 2011 von Moskau nach Düsseldorf.

Der DFB versuchte nun, die Information von der geblockten Buchung weiterzugeben. Doch offenbar missglückte der Versuch, einen Verantwortlichen in Krefeld ans Telefon zu bekommen – erst mit deutlicher Verzögerung erfuhr man beim KFC von dem Problem. Die sofort angewiesene zweite Überweisung über ein anderes Konto in Deutschland ging dann deutlich nach der Frist beim DFB ein – die Rede ist von bis zu 90 Minuten. Beim DFB will man am Montag zunächst die Aussage des KFC einholen, bis man zu einer Entscheidung kommt. Am Sonntagmittag schaute sich Ponomarev in der Grotenburg die Partie der A-Junioren um den Aufstieg in die Niederrheinliga an. Der KFC unterlag 2:5 gegen die Spielvereinigung Solingen-Wald, und Ponomarev war nicht in der Stimmung für große Erklärungen. Nur so viel ließ er in Richtung DFB und des Urteils wissen: „Wir leben in Deutschland und nicht in Mosambik.“

Viele Anhänger fragen sich, wie es mit dem traditionsreichen Verein weitergeht, wenn ihm die Lizenz verweigert wird? Vier Szenarien.

Szenario 1 Der KFC zerbricht. Mikhail Ponomarev, Präsident, Gesellschafter und Hauptsponsor hat in einem ersten Schmerz gesagt, er sehe im Fall der Lizenzverweigerung nicht, wie er sein Engagement aufrecht erhalten könne. Zieht sich Ponomarev von jetzt auf gleich zurück, so stünde der KFC vor dem Aus. Die Verträge mit den Spielern kann der Verein ohne Ponomarev nicht einhalten. Sogar die Lizenz für die Regionalliga wäre ernsthaft in Gefahr, möglicherweise würde die Insolvenz drohen. Der Todesstoß für den KFC Uerdingen.

Szenario 2 Der KFC überlebt. Ponomarev zieht sich zwar zurück, kommt aber seinen Verpflichtungen nach und hält den Verein am Leben. Der Etat würde mehr als halbiert. Den Spielern würde es freigestellt zu bleiben oder sich trotz laufender Verträge einen neuen Klub zu suchen. Viele Leistungsträger würden sich einem anderen Verein anschließen. Die Uerdinger würden in der Regionalliga spielen, aber gegen den Abstieg kämpfen.

Szenario 3 Ein neuer Anlauf. Mikhail Ponomarev gibt nicht auf. Er hatte einen Vier-Jahres-Plan. In dieser Zeit wollte er mit dem Verein in die Zweite Liga aufsteigen. Deshalb haben bis auf vier Spieler allesamt Verträge bis 2019 oder länger. Schließlich konnte Ponomarev nicht davon ausgehen, dass der KFC von der Oberliga in die Dritte Liga durchmarschiert. So bitter die Lizenzverweigerung auch ist, sie wirft ihn nicht aus der Bahn. Mehr noch, der Verein kann die Zeit nutzen und sich noch professioneller aufstellen. Ähnliches gilt für die Stadt Krefeld, die die Sanierung des Stadions Grotenburg jetzt nicht durchpeitschen muss, sondern Zeit gewinnt. Bleibt allerdings die Frage, ob die Spieler zu einem abermaligen Kraftakt in der Lage wären und ob er auch von Erfolg gekrönt wäre. Schließlich wollen auch Viktoria Köln, Alemannia Aachen, der Wuppertaler SV oder RW Essen nach oben.

Szenario 4 Der Durchmarsch. Die Lizenzverweigerung hat den russischen Unternehmer enttäuscht, gekränkt, verletzt. Doch nach einigen Tagen schmerzender Emotionen geht der Geschäftsmann wieder rational und kühl an die Sache heran und kennt nur ein Ziel – den Erfolg. Ponomarev, der als Gesellschafter am Aufstieg des AFC Bournemouth in die englische Premier League beteiligt war, tut alles, um in der kommenden Saison Meister der Regionalliga zu werden. Er schockt die Konkurrenz, rüstet sogar nochmals auf. Der Siegeszug des KFC freut die Fans, sorgt aber für Langeweile in der Liga.

Einschätzung Mikhail Ponomarev, der in der vergangenen Saison rund 2,5 Millionen Euro in den KFC investiert hat, gibt trotz bitterer Enttäuschung nicht auf. Eine Lizenzverweigerung bremst ihn auf seinem Erfolgsweg, wirft ihn aber nicht aus der Bahn. Sein Vier-Jahres-Plan bleibt gültig.

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