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3. Liga: Klubs durch Corona in finanziellen Schwierigkeiten

Klubs wirtschaften nicht gut genug : Corona bringt 3. Liga in finanzielle Schwierigkeiten

Die 3. Liga kann ihre Attraktivität aus zahlreichen Traditionsclubs schöpfen, für viele Vereine aber bleibt es eine finanzielle Gratwanderung. Corona verschärft die Lage, da die Spielklasse auch auf Zuschauereinnahmen angewiesen ist.

Die finanziell ohnehin oft schlecht aufgestellten 20 Clubs der 3. Liga geraten in der Corona-Pandemie noch mehr unter Druck. Der Deutsche Fußball-Bund befürchtet für die laufende Spielzeit deutliche wirtschaftliche Konsequenzen. „Der Trend ist auf jeden Fall nicht der beste. Wir haben die Sorge, dass wir im nächsten Saisonreport eine Negativentwicklung verzeichnen müssen“, sagte Manuel Hartmann, Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen und Wettbewerbe, bei einer Videoschalte des DFB am Donnerstag.

Grund dafür sind vor allem die bisher wegen der Geisterspiele fehlenden Zuschauereinnahmen, die normalerweise 17 Prozent und damit mehr als in der 1. und 2. Bundesliga ausmachen. Dazu kommen Kosten für Corona-Tests und Hygienemaßnahmen. „Noch nicht ganz angekommen“, so Hartmann, sei die Konsequenz, dass die 20 Clubs ihre Personalkosten herunterfahren müssten.

Um den Spielbetrieb weiter zu gewährleisten, soll das Hygienekonzept angepasst werden. Unter anderem gehe es darum, die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern zu verbessern, damit Quarantänefälle reduziert werden können. Bislang gab es coronabedingt 21 Spielausfälle vor dem Start in die Rückrunde. „Wir müssen schauen, dass wir das in den Griff bekommen“, sagte Hartmann.

Die Drittligisten haben in der Saison 2019/2020 im Durchschnitt ein Minus von 1,6 Millionen Euro gemacht. Wegen der Pandemie mussten die letzten 110 der 380 Begegnungen in der vergangenen Spielzeit ohne Publikum ausgetragen werden. Gleichzeitig erhöhten sich die Gesamterträge pro Verein auf einen neuen Höchststand - im Schnitt waren es 10,8 Millionen Euro. Zwölf von 19 Clubs - den FC Bayern München II nicht mitgezählt - verfügten immerhin über ein positives Eigenkapital. Auch deshalb sieht der DFB das Unterhaus der 1. und 2. Bundesliga auf Wachstumskurs, aber das wird sich angesichts der Corona-Krise wohl ändern.

Etwa die Hälfte der Vereine musste in der laufenden Saison einen Liquiditätsnachweis erbringen, was laut Hartmann allerdings nicht unüblich ist. Auch wegen der deutlich geringeren TV-Einnahmen im Vergleich zur 2. Liga kämpfen manche Clubs schon seit längerem ums Überleben. So hat der frühere deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern ein Insolvenzverfahren hinter sich, um sich Schulden in Höhe von etwa 20 Millionen Euro zu entledigen. Der MSV Duisburg konnte durch eine Kapitalerhöhung eines Vereinspartners seine dringlichsten Finanzprobleme vorerst beseitigen.

Im vergangenen November hat die Task Force „Wirtschaftliche Stabilität 3. Liga“ ihre Arbeit aufgenommen. „Ich glaube, dass Corona noch mal ein bisschen was an die Oberfläche gebracht hat“, sagte Manfred Schwabl, Präsident der SpVgg Unterhaching und Mitglied der Task Force. Er sehe es als „Brennpunkt“, dass die Clubs von ihren hohen Personalkosten herunterkommen. „Wir werden gnadenlos auf den Nachwuchs bauen“, kündigte er an. 4,24 Millionen Euro gaben die Clubs nach DFB-Angaben 2019/2020 durchschnittlich für Personalkosten aus.

„Die 3. Liga ist eine super Liga und hat sich als eingleisige Profispielklasse bewährt, das ist nach zwölf Jahren klar festzuhalten“, sagte Tom Eilers als Vorsitzender des Ausschusses 3. Liga, betonte aber auch: „Wirtschaftliche Unvernunft ist aktuell eine noch schlechtere Idee, als sie es sonst ohnehin schon ist.“

(ako/dpa)