Digitaler Sportgipfel: Innovationsplattform Whatsgoal in Düsseldorf mit Stefan Reinartz

Sportgipfel von Whatsgoal in Düsseldorf : Digital sein ist alles

Der Markt für Technologie im Sport wächst rasant. Vereine und Sportler kommunzieren immer mehr über den eigenen Medienkanal. Die Digitalisierung fordert die Akteure heraus, neue Wege zu gehen – wie am Donnerstag in Düsseldorf.

Im Kern der Digitalisierung steht die Fairness. Ausgerechnet dieser uralte olympische Wert, den Sportfunktionär Pierre de Coubertin bereits im 19. Jahrhundert benutzt hat. Doch heute geht es nicht mehr nur um das Bemühen des Sportlers, „die sportlichen Regeln bewusst und konsequent“ einzuhalten. Wer heute von der Gerechtigkeit im Sport spricht, der nutzt Worte wie Blockchain, Virtual Reality und spricht vom „Sportbusiness“. Die allermeisten jener digitalen Ideen klingen kompliziert. Im Kern erheben sie aber alle den einen Anspruch: den Sport gerechter zu machen.

Das Messen von Leistungsdaten in Echtzeit, Videoassistenten oder Tor-Kameras sind im Profisport längst an der Tagesordnung. In der kommenden Saison wird es neue Technologien in der Fußball-Bundesliga geben, etwa die, dass sich Trainer per Funk mit Analysten auf der Tribüne beraten können. Björn Borgerding begreift solche Formen der Digitalisierung des klassischen Sports als Chance, aber auch als Herausforderung für Akteure des Sports.

Borgerding, der im Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf sitzt, hat deswegen 2017 zusammen mit seinem Partner Paolo Anania die Sport-Innovationsplattform „Whatsgoal“ gegründet. Das Ziel: „Wir wollen dem deutschen Sport Zugang zu Startups, innovativen Technologien und digitalen Vorreitern ermöglichen.“ Das gelingt ihm Donnerstag: Ins Düsseldorfer Stahlwerk laden die Unternehmer zum „Digital Sport Summit & Award“ ein. Sportler und Experten aus dem Sport sollen dort mit Startups und Interessierten „über das Sportbusiness von morgen diskutieren und die neuen Wege besprechen“, sagt Borgerding.

Wer sich bei Sportunternehmern umhört, begegnet schnell den Idealisten, die von Demokratisierung und Gleichberechtigung sprechen. Von fairen Auswahlverfahren auf der Basis valider Daten. Die Diskussionen um den Schwimmer Marco Koch, der trotz des deutschen Meistertitels nicht für die Schwimm-EM nominiert wurde, oder die Auswahl von Bundestrainer Jogi Löw, der 23 Spieler für die Fußball-WM nominierte, aber vier zu Hause ließ, sind Beispiele. Was wäre, wenn Leistungsdaten der Sportler erfasst, ausgewertet und analysiert würden, um dann per demokratischer Entscheidung aller Fans den idealen Kader zu bestimmen? Was, wenn bald künstliche Intelligenz den Schiedsrichter ersetzte? Das klingt noch stark nach Gedankenspielen, ist vielleicht aber schon näher, als der Zuschauer glaubt.

Zu den Referenten beim Treffen von „Whatsgoal“ gehören unter anderem Klemens Skibicki, Social-Media-Professor und digitaler Berater der Bundesregierung sowie Georg Nolte, Social-Media-Berater von Ex-Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg und Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng. Michael Bröcker, Chefredakteur der Rheinischen Post, diskutiert zum Thema „Digitale Transformation und die Anpassung etablierter Player“. Anders formuliert: Wie funktioniert Journalismus in der crossmedialen Welt?

Jonas Boldt (36), Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen, wird ebenfalls referieren. Boldt erklärt die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Scouting junger Spieler. „Früher hatte man deutlich mehr Zeit, Spieler zu entdecken. Heute schießt einer ein Tor, und wenige Sekunden später ist das im sozialen Netz zu sehen“, sagt Boldt. „Damals musste man warten, bis das Spiel auf VHS aufgezeichnet wurde.“ Bayers Sportdirektor sieht aber auch Grenzen und Schattenseiten der sozialen Medien: „Viele Spieler lassen sich blenden. Ob man am Ende wirklich profitiert, halte ich für fragwürdig. Am Ende muss ein Spieler seine Leistung auf dem Platz bringen, da kann er so viele Follower haben, wie er will, und bekommt trotzdem keinen neuen oder besseren Vertrag. Das ist eine Scheinwelt.“

Der Klub versuche nicht, die Spieler in ein Korsett zu zwängen, weder in den sozialen Medien noch auf dem Platz. „Es gibt aber Grundregeln, was zum Beispiel Werbung und Sponsoren angeht, weil die Spieler in erster Linie beim Klub angestellt sind. Was Spieler über Privates preisgeben, müssen sie selbst wissen.“

Ein ehemaliger Fußballprofi, der ebenfalls lange bei Bayer Leverkusen war, hat vor einigen Jahren schon den Wechsel vom Profi zum Unternehmer in der digitalen Fußballwelt vollzogen. Stefan Reinartz beendete mit 27 Jahren seine Karriere. Er gründete das Start-up „Impect“ und bewarb die Idee des „Packings“. Dahinter steckt die These, dass sich gute Fußballspieler auch dadurch auszeichnen, wenn sie mit einem Pass viele Gegenspieler überspielen können.

Reinartz war mit den Worten angetreten, mit der Datenanalyse „Erfolg messbar“ machen zu können. Und die Bewertung von Spielern gerechter. Im Stahlwerk dürfte er auf viele Gleichgesinnte treffen.