Warum der DFB-Pokal für die Verein wieder an Bedeutung gewinnt

DFB-Pokal gewinnt an Bedeutung: Wenigstens Pokalsieger!

Der FC Bayern ist der Konkurrenz in der Bundesliga längst enteilt. Im Pokal dagegen sind die Chancen für die anderen zumindest deutlich größer, auch einmal zu triumphieren.

Es heißt, der DFB-Pokal habe seine eigenen Gesetze. Und er hat viele kuriose Geschichten geschrieben. Eine davon geht so: Als Bayer Uerdingen 1985 völlig überraschend gegen den scheinbar übermächtigen FC Bayern München im Finale im Berliner Olympiastadion triumphiert, genehmigen sich die Spieler hernach eine amtliche Sause durch die Stadt. Der Mannschaftsbus aus der Seidenweberstadt tuckert über den Kurfürstendamm. Der Krefelder Mittelfeldspieler Horst Feilzer zwängt sich durch die enge Dachluke und präsentiert stolz den Pott. Er lässt sich auch nicht davon irritieren, dass ihn verwirrte Touristen anblicken, die mit dem Schauspiel nichts anfangen können. Irgendwann in dieser Nacht kommt die Frage auf, wo eigentlich die Trophäe abgeblieben ist. Nach hektischer Fahndung kommt schließlich heraus: Torschütze Wolfgang Schäfer hat ihn mit ins Bett genommen. "Ich bin total besoffen, aber wer will mir das verübeln?", gibt er bei seiner Aussage vor den Arbeitskollegen zu Protokoll.

Solche Episoden machten den Fußball lange aus. Sie erklärten seine Einzigartigkeit, weit weg von einem Kunstprodukt. Die Momente werden indes immer seltener. Weil wenig dem Zufall überlassen und alles dem Erfolg untergeordnet wird. Es gibt nur noch wenige Sensationen und selten faustdicke Überraschungen. Die Verhältnisse im deutschen Fußball sind eindeutig. Fünfmal in Serie hat der FC Bayern die Schale geholt, und mit derzeit elf Punkten Vorsprung zur Saisonhalbzeit ist der sechste Titel am Stück absehbar. Meister zu werden, ist für alle anderen also nahezu eine Utopie. Weswegen der Wert des DFB-Pokals in den vergangenen Jahren wieder spürbar gestiegen ist. Wenigstens DFB-Pokalsieger!

Und es ist nach wie vor der "kürzeste Weg" nach Europa, für alle Klubs, die nicht der FC Bayern sind, ist es vermeintlich der einzige Weg, "Blechernes" einzusammeln, wie Mönchengladbachs Manager Max Eberl zu sagen pflegt. Es ist auch eine zunehmend wichtiger werdende Einnahmequelle.

Die Borussen haben sich für die aktuelle Pokalserie, in der heute und morgen das Achtelfinale ausgespielt wird, vorgenommen, mehr zu erreichen als in der vergangenen Spielzeit. Da scheiterte Gladbach im Halbfinale an Eintracht Frankfurt. Ergo: Das Ziel ist nun das Finale in Berlin. Auf dem Weg dahin gilt es allerdings noch ein paar "kleine" Hürden zu überwinden - morgen zum Beispiel im Heimspiel gegen die Werkself aus Leverkusen.

Da ergibt es durchaus Sinn, den einen oder anderen Experten in seinen Reihen zu haben. Trainer Dieter Hecking ist einer. 2015 holte er mit dem VfL Wolfsburg den Pokal. Es war das einzige Mal seit 2011, dass der Sieger nicht Bayern München oder Borussia Dortmund hieß. Und dann ist da Matthias Ginter. Der Nationalverteidiger, den Gladbach im Sommer aus Dortmund geholt hat, hat keines seiner letzten zwölf Pokalspiele verloren, einmal jedoch gab es ein verlorenes Elfmeterschießen, das war 2016 im Endspiel gegen die Bayern. 2017 gewann er den "Pott" mit dem BVB. Natürlich will er am liebsten auch 2018 nach Berlin reisen.

"So viele Spiele sind es ja nicht mehr. Aber erst mal müssen wir Leverkusen besiegen", sagt Ginter. Bayer ist nach Rot-Weiss Essen und Fortuna Düsseldorf der dritte Gegner aus dem Westen für die Gladbacher. In der Hinrunden-Tabelle der Liga gehören beide rheinischen Rivalen zum 28-Punkte-Klub auf den Europapokal-Plätzen. Im kuriosen Bundesligaspiel gewann Leverkusen 5:1 im Borussia-Park. "Es ist nun ein ganz anderer Wettbewerb. Aber wir haben trotzdem noch etwas gutzumachen", sagt Ginter.

Fünfmal trafen sich beide Klubs im Pokal, viermal kam Gladbach weiter. 1992, im Halbfinale, hielt der damalige Gladbach-Torwart Uwe Kamps vier Elfmeter, unter anderem den vom jetzigen Bayer-Trainer Heiko Herrlich. Der, der in diesem Spiel weiterkommt, dürfte dann zum Favoritenkreis gehören. Denn die Bayern und der BVB spielen schon in der Runde der letzten 16 gegeneinander - zuletzt 2011 (Schalke - Duisburg) stand keiner von beiden im Finale. Was die Chancen der anderen Klubs, in dieser Pokalsaison groß rauszukommen, extrem steigert

Bis 2020 ist das Finale fest nach Berlin vergeben. Danach ist vieles offen. Einige Vordenker von DFB und DFB können sich einen Umzug vorstellen. Und so gibt es tatsächlich recht fortgeschrittene Überlegungen, das Endspiel im Rahmen von eifrigen Expansionsplänen ins Ausland zu verlagern. Unterstützung bekommen sie aus dem Pool der durchaus einflussreichen Sponsoren. Der neue Adidas-Chef Kasper Rorstedt, vorher für weiße Wäsche bei Henkel in Düsseldorf verantwortlich, kann sich sehr gut vorstellen, dass das DFB-Pokalfinale zum Beispiel im nicht mehr als hipp eingestuften Berlin, sondern künftig im vermeintlich viel schickeren Shanghai ausgetragen wird. Schließlich winken fette Gewinne. Schon jetzt schüttet der DFB rund 50 Millionen Euro pro Saison aus. Die Achtelfinal-Teilnehmer kassieren jeweils 527.000 Euro - der Pokalsieger streicht rund 3,5 Millionen Euro ein.

Hier geht es zur Infostrecke: Diese Bundesligisten scheiterten in der 1. Runde

(RP)