Pokal-Debakel gegen Jena: Pleiten, Pech und Gomez

Pokal-Debakel gegen Jena : Pleiten, Pech und Gomez

Stuttgart (RPO). In der Meisterschaft dümpelt der VfB Stuttgart auf Rang acht der Tabelle im grauen Mittelfeld herum. Der Abstand auf den ersten Champions-League-Platz beträgt bereits neun Punkte. Als deutscher Meister sind die Schwaben in der Gruppenphase der "Königsklasse" hochkant rausgeflogen. Nun verspielte die Mannschaft von Trainer Armin Veh auch den dritten Titel. Im DFB-Pokal-Viertelfinale kassierte der VfB am Dienstag eine peinliche 6:7 (2:2, 1:1)-Niederlage gegen den abstiegsgefährdeten Zweitligisten Carl-Zeiss Jena.

Der amtierende deutsche Meister hat sein Titelgen verloren. Alles, was im vergangenen Jahr noch rund lief, ist in die Brüche gegangen. Alles, außer der Torgefahr von Mario Gomez. Abgesehen von dem Nationalstürmer spielen die Akteure des VfB alle unter ihren Möglichkeiten. Torhüter Raphael Schäfer wurde sogar zur Nummer zwei degradiert.

Nur Gomez nahm seine Form aus der Vorsaison mit ins neue Fußball-Jahr. 20 Tore markierte der Angreifer in 23 Pflichtspielen für die Schwaben. Damit weist Gomez sogar eine besser Quote auf als Luca Toni vom FC Bayern München. Der Italiener traf in 28 Spielen für den Rekordmeister 22 Mal ins Schwarze. Auch gegen Jena war Gomez erneut zweimal erfolgreich, wurde fünf Minuten vor dem Ende der Verlängerung aber unverständlicherweise ausgewechselt.

Ein Gomez alleine reicht nicht

Doch ein Gomez in Topform reicht eben nicht, um in der Bundesliga und vor allem auf internationaler Bühne an die Erfolge aus dem Vorjahr anknüpfen zu können. Im Sturmzentrum der Schwaben ist Gomez meist auf sich alleine gestellt. Der 22-Jährige erarbeitet sich seine Chancen selbst, von einem kongenialen Partner in der Mitte fehlt jede Spur. Ciprian Marica präsentierte sich beim VfB bislang als egoistischer Chancentod, Neuzugang Sergiu Radu ist noch nicht in Stuttgart angekommen. Und der in der Vorsaison bärenstarke Cacau ist weit entfernt von seiner Topform.

Auch in den anderen Mannschaftsteilen hakt es gewaltig. Die Abwehr im den portugiesischen Kapitän Fernando Meira hat in jedem Spiel gewaltige Probleme, im Tor zeigte Schäfer-Ersatz Sven Ulreich gegen Jena Schwächen beim Rauslaufen und verhinderte einen Sieg des Meisters. Die beiden Mexikaner Pavel Pardo und Ricardo Osorio ruhen sich offenbar auf den Leistungen des vergangenen Jahres aus. Das Stuttgarter Kollektiv bröckelt.

Trainer Armin Veh beteuert, im Training nichts anders zu machen als in der fantastischen Meistersaison. Aber vielleicht liegt genau hier das Problem. Die Schwaben sind vom Vorjahr verwöhnt, glauben möglicherweise, dass alles von selber läuft und arbeiten nicht wie gewohnt hart für den Erfolg.

Abgesehen von Gomez. Ohne die wöchentlichen Tore des Nationalstürmers würde der VfB in diesem Jahr gegen den Abstieg kämpfen. Aber ein Gomez alleine reicht eben nicht, um die sportlichen Ziele des Vereins verwirklichen zu können. Sollten sich die Schwaben in den kommenden Wochen wieder auf ihre Stärken besinnen und aus dem meisterlichen Dornröschenschlaf aufwachen, könnte es am Ende der Saison einen versöhnlichen Abschluss geben.