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Holstein Kiel wirft Bayern München aus dem Pokal: Kiels Trainer trifft nach Pokal-Coup „viele verwirrte Menschen“

Fans feiern mit Autokorso : Kiels Trainer trifft nach Pokal-Coup „viele verwirrte Menschen“

Kiel im Ausnahmezustand. Der Pokal-Coup gegen den FC Bayern München ist die vielleicht größte Sensation der jüngeren Historie des Zweitligisten Holstein Kiel. Wirklich begreifen konnte das nach dem Spiel aber offenbar niemand so recht.

15.000 Zuschauer fasst das Holstein-Stadion in Kiel. Und man mag sich gar nicht ausmalen, was an diesem kalten und später sogar verschneiten Diestagabend los gewesen wäre, wenn die Tribünen voll besetzt gewesen wären. So mussten sich die Anhänger der Störche, die wegen der Pokal-Corona-Pandemie nicht im Stadion zugelassen waren, nach dem Coup gegen den FC Bayern etwas anderes einfallen lassen. Und so feierte der Zweitligist begleitet von einem Hupkonzert der eigenen Fans, die vor dem Stadion eine Autokorso veranstalteten, den wohl größten Erfolg in der jüngeren Vereinsgeschichte, während die Spieler des Rekordmeisters frustriert vom Platz stampften. Laut Kieler Polizei verlief die spontane Open-Air-Party coronakonform und friedlich.

Mit einer Energieleistung und dem nötigen Glück hatten die Schleswig-Holsteiner den haushohen Favoriten aus München nach einem Pokal-Fight im Elfmeterschießen bezwungen. Nach 90 Minuten und der Verlängerung hatte es 2:2 (1:1) gestanden. Fin Bartels sicherte dem Zweitligisten mit seinem verwandelten Strafstoß gegen Manuel Neuer das letzte verbliebene Achtelfinal-Ticket im DFB-Pokal. Zuvor hatten sich auch alle seine Teamkollegen eiskalt vom Punkt gezeigt.

„Diesen Abend wird keiner in Kiel, kein Spieler, kein Fan, kein Mensch jemals vergessen", sagte Torhüter Ioannis Gelios. Der 28-Jährige, der beim 0:1 noch unglücklich aussah, wenngleich es ein Abseitstor war, war einer der großen Helden der Kieler. Im Elfmeterschießen hielt er den sechsten Schuss von Marc Roca. „Das war der wichtigste Elfmeter, den ich in meiner Karriere gehalten habe“, sagte Gelios, der anschlißend beim entscheidenden Versuch von Bartels „gar nicht hingeschaut, sondern nur auf den Jubel gewartet“ hatte, wie er bei Sky zugab.

Auch sein Trainer Ole Werner konnte die Pokal-Überraschung gar nicht richtig fassen - genau wie das Gros der Profis und Verantwortlichen: „Ich habe gerade in der Kabine ziemlich viele verwirrte Menschen getroffen“, sagte der 32-Jährige, der den Pokal-Coup als „ein außergewöhnliches Erlebnis“ bezeichnete - und damit nicht so falsch lag. Denn Pokalsensationen, gerade gegen die Bayern, hatte man ja kaum noch für möglich gehalten. Zuletzt waren die Münchner 2000 in der zweiten Runde ausgeschieden. Beim Oberligisten 1. FC Magdeburg war ebenfalls nach Elfmeterschießen Schluss. Die Niederlage in Kiel war auch die erste seit 17 Jahren gegen einen unterklassigen Verein. Zudem bedeutete sie das Ende einer Siegesserie nach 13 Pokal-Spielen. „Das ist etwas, an das man sich in vielen Jahren noch erinnert. Wir sind glücklich, dass wir mit einem guten Spiel und mit einem entsprechend historischen Ergebnis für Holstein Kiel unseren Teil zu guter Stimmung auf der Straße beitragen konnten“, sagte Werner.

Matchwinner Bartels, der bereits in der ersten Halbzeit der regulären Spielzeit das wichtige 1:1 erzielt hatte, erklärte, dass der Zweitligist immer dran geglaubt habe, „die Überraschung schaffen zu können.“ Der 33-Jährige, der in seiner gesamten Fußballer-Karriere Norddeutschland niemals verlassen hat (Holstein Kiel, Hansa Rostock, FC St. Pauli, Werder Bremen), konnte mit dem Coup gegen die Bayern auch seine persönliche Bilanz gegen den Rekordmeister ein wenig aufbessern. Bislang standen zwölf Niederlagen in zwölf Spielen zu Buche - mit einer Tordifferenz von 4:43. „Vorm Elfmeterschießen haben wir gesagt wir hauen die Dinger rein, mit der Überzeugung haben wir dann auch geschossen, natürlich ist dann immer auch ein bisschen Glück dabei, aber ich glaube, wir haben es uns heute über 120 Minuten auch verdient“, sagte Bartels. Zur Belohnung könne man jetzt „erst mal ein, zwei Bierchen trinken.“

Mit wem es Kiel oder der FC Bayern im Achtelfinale zu tun bekommen würde, stand schon vor Anpfiff fest. In der Runde der letzten Sechzehn treffen die Kieler nun auf den Ligarivalen Darmstadt 98. Wieder haben die Störche ein Heimspiel. Ausgetragen wird die Begegnung am 2. oder 3. Februar.

(mit dpa)

(old)