Pokalfinale in Berlin: Endspiel für Thomas Doll

Pokalfinale in Berlin : Endspiel für Thomas Doll

Berlin (RPO). Thomas Doll hat's nicht leicht. Er ist Trainer bei Borussia Dortmund, die in der Bundesliga meilenweit hinter den eigenen Ansprüchen herkickt. Er soll heute Abend (20 Uhr, LIVE!-Ticker) ausgerechnet gegen die übermächtigen Bayern aus München gefälligst mit dem Gewinn des DFB-Pokals im Berliner Endspiel die völlig missratene Saison noch retten.

Hinter seinem Rücken rümpft man in der Umgebung des Klubs vernehmlich die Nase über den "Spieler-Kumpel Doll", den sie in Hamburger Zeiten für seine Einfühlsamkeit feierten. Und nun hat auch noch einer mal wieder nachgelesen, dass Doll sich für Buddhismus interessiert und sich schon entsprechende Literatur zugemutet hat.

Das geht natürlich nicht. Denn das allein macht ihn verdächtig in der Fußball-Szene, in der schon als feingeistiges Weichei gilt, wer über das tägliche inbrünstige Studium der Boulevardzeitungen oder des taktischen Zentralorgans "Kicker" hinauskommt.

Doll ist deshalb für die vielen internen Kritiker nicht nur ein Trainer, der auf der verzweifelten und bislang vergeblichen Suche nach dem Erfolg an Chaos grenzende Wechselspiele betreibt - allein 19 Mal schickte er eine andere Abwehrformation ins Pflichtspielrennen. Er wird auch gern als Hobby-Intellektueller geschmäht. Ganz schön böse. Und es stärkt seine Position im Klub selbstverständlich ebenso wenig wie die sportliche Bilanz, die sich im neudeutsch "unterirdischen" Bereich bewegt.

Es wird allgemein angenommen, dass der BVB sich im Falle einer (erwarteten) Niederlage im Berliner Finale noch vor dem Ende der Saison von Doll trennen wird - möglicherweise bereits vor dem nächsten Bundesliga-Spiel. Die Vertragsverlängerung im Winter scheint sich als ein weiteres Missverständnis herauszustellen. Laut einem Medienbericht wird Jürgen Klopp neuer Trainer bei den Westfalen.

Doll freut sich

Der Dortmunder Trainer setzt dazu sein freundlichstes Überzeugungsgesicht auf, leuchtet seine Gesprächspartner mit den Augen geradezu an, spricht von "einem tollen Erlebnis" und wischt die trübe jüngere Fußball-Vergangenheit wie im Seminar für "Positives Denken" einfach vom Tisch.

Er macht es in seinem typischen Vortragsstil: "In den letzten Tagen ist es nicht so gelaufen", räumt er ein, "wir haben das nicht so hinbekommen", dann macht er eine Pause, strahlt in die Runde, sagt "ja", macht noch mal eine Pause und schließt mit treuem Augenaufschlag: "Wenn man am Boden liegt, sollte man das hinbekommen, wieder aufzustehen. Auf alle Fälle läuft bei uns keiner mit gesenktem Kopf herum."

(RP)