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DFB-Pokal-Finale 2018: Eintracht Frankfurt gelingt Sensation gegen den FC Bayern München

DFB-Pokal-Finale : Frankfurt gelingt Sensation gegen Bayern

Eintracht Frankfurt hat durch einen Sieg gegen den FC Bayern München den DFB-Pokal gewonnen. Die Mannschaft des künftigen Bayern-Trainers Niko Kovac setzte sich im Endspiel in Berlin überraschend mit 3:1 (1:1) durch.

Ein überwältigter Niko Kovac vergoss Freudentränen, Jupp Heynckes verfolgte die wilde Jubelparty der Frankfurter hingegen völlig konsterniert von der Seitenlinie. Nach einem dramatischen Pokalfinale verabschiedet sich Heynckes nach einer sensationellen 1:3 (0:1)-Niederlage von Bayern München gegen Eintracht Frankfurt im 75. Endspiel des DFB-Pokals ohne das erhoffte und fest eingeplante Double in den Ruhestand. Sein Nachfolger Kovac bescherte der Eintracht zum Abschied hingegen den ersten Titel seit 30 Jahren.

"Wir hätten die Tore machen müssen. Frankfurt hat versucht, unser Spiel zu zerstören und dann zu kontern", sagte Bayerns enttäuschter Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Als David Abraham und Alexander Meier um 22.23 Uhr den Pokal in die Höhe reckten, waren die Münchner schon in der Kabine verschwunden und haderten mit Schiedsrichter Felix Zwayer. In der Nachspielzeit beim Stand von 1:2 verwehrte Zwayer bei einem Foul von Kevin-Prince Boateng an Javi Martinez trotz des Videoassistenten einen Elfmeter. "Es ist ganz klar: Im Sechzehner haut er ihm die Füße weg", sagte Salihamidzic.

Den Hessen war es egal. Sie bejubelten den fünften Pokalsieg und den ersten seit 1998. Matchwinner war der goldene Doppel-Torschütze Ante Rebic (11./82.). Mijat Gacinovic (90.+6) sorgte für die Entscheidung. Robert Lewandowski (53.) hatte für schwache Bayern zwischenzeitlich ausgeglichen.

"Ein Kompliment an diese Mannschaft. Alle haben gesagt, dass wir aus dem Stadion geschossen werden. Aber wir haben Herz gezeigt und die Bayern aus dem Stadion geschossen", sagte Kevin-Prince Boateng. Es war das von Sportvorstand Fredi Bobic ersehnte "Hollywood-Ende" für Kovac nach etwas über zwei Jahren in Frankfurt. Zudem zogen die Hessen damit in die Europa League ein.

"Wenn du gegen die Bayern spielst, brauchst du auch ein bisschen Glück. Ich glaube, dass wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Unser Trainer hat eine taktische Meisterleistung vollbracht. Heute hat die Mannschaft ein Stück Geschichte geschrieben. Für Eintracht Frankfurt ist es etwas ganz Besonderes", sagte Sportdirektor Bruno Hübner.

Der große Heynckes dagegen verließ die große Bühne trotz der 28. Meisterschaft als Verlierer, wie zuvor bereits im Halbfinale der Champions League. Für die Bayern, die erstmals seit März 2010 gegen die Hessen verloren, war es im 22. Cup-Finale erst die vierte Niederlage nach 1985, 1999 und 2012.

Heynckes und Kovac, der von den Eintracht-Fans mit Pfiffen bedacht wurde, begrüßten sich vor 74.322 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion mit einer herzlichen Umarmung und kurzem Plausch. Auf dem Platz ging es weniger freundschaftlich zur Sache. Die Eintracht versuchte dem Favoriten mit giftiger Zweikampfführung den Schneid abzukaufen. Dazu überraschte Kovac mit seiner Aufstellung ohne echten Stürmer, Kevin-Prince Boateng gab wie Mitte April in Leverkusen (1:4) den "Neuner". Eine Mauertaktik war dies freilich nicht, der Underdog begann mutig.

Die erste große Chance aber hatten die Bayern, als Lewandowski mit einem Freistoß von der Strafraumgrenze die Latte traf (8.). Nur drei Minuten später der Schock für die Roten: Rebic, der schon im Vorjahresfinale gegen Dortmund (1:2) getroffen hatte, luchste dem schlampigen James den Ball ab und sprintete in Mittelstürmer-Position. Dort bediente ihn Boateng mustergültig, Bayern-Torwart Sven Ulreich war beim satten Abschluss ohne Abwehrchance.

Kapitän Manuel Neuer, der wie erwartet erstmals seit seinem Fußbruch im September auf der Bank saß, sah in der Folge machtlos zu, wie seine Kollegen anrannten. Spielführer Thomas Müller (17./33.), Joshua Kimmich (24.) und Lewandowski (25.) vergaben in einer zunehmend hitzigen Begegnung beste Gelegenheiten. Die cleveren Frankfurter Balldiebe verlegten sich auf Konter, ihre Nadelstiche saßen aber selten.

Kurz vor der zweiten Halbzeit brannten beide Fanlager umfangreich Pyrotechnik ab, der Anpfiff verzögerte sich dadurch um einige Minuten. Im Berliner Feuer-Nebel drängten die Bayern weiter auf das 1:1, bis Lewandowski sie nach Kimmichs Hereingabe und Müllers klugem Durchlassen erlöste. Der Pole hatte Glück, dass Omar Mascarell den Ball abfälschte.

Wer geglaubt hatte, dass die großen Bayern die Eintracht jetzt überrennen würden, sah sich getäuscht. Frankfurt steckte den Rückschlag schnell weg und traute sich weiter was zu, Ulreich hatte gut zu tun. Bei den Bayern köpfte Mats Hummels an die Latte (80.), dann schockte Rebic nach der ersten Videobeweis-Entscheidung in einem DFB-Pokalfinale mit seinem zweiten Treffer den Favoriten und schoss die Eintracht ins Glück.

In der Nachspielzeit verwehrte Zwayer den Münchnern erst den Elfmeter, dann sorgte Gacinovic für die Entscheidung, als Ulreich stürmte und sein Tor verlassen hatte.