DFB-Pokal: Bayern München feiert Titel und Manuel Neuer

Starke Leistung im Finale : München feiert den Pokalsieg und Manuel Neuer

Bayern München ist DFB-Pokalsieger 2019. Torhüter Manuel trug mit seiner Leistung maßgeblich zum Erfolg bei.

Draußen tanzten die Bayern mit ihren Fans vor der Kurve, drinnen im dicken Bauch des Berliner Olympiastadions breitete der Leipziger Fußballtrainer Ralf Rangnick seine ganz eigene Sicht der Dinge aus. "Wir hätten dieses Spiel nicht verlieren müssen", sagte er, "es fühlt sich schlecht an. Wir hatten fünf Großchancen. Wenn du die nicht nützt, dann kannst du gegen die Bayern nicht gewinnen." Das hatte seine Mannschaft auch nicht fertig gebracht. Mit einem 3:0-Sieg schickten die Bayern ihren Herausforderer in die Kabine. Und auch wenn Rangnicks Kollege Niko Kovac immer noch artig davon sprach, "Leipzig hat gezeigt, dass es der schwerste Gegner ist, den wir bekommen konnten", wird er die Ansicht seines Amtsbruders kaum teilen, dass es sich hier um einen glücklichen Erfolg handelte.

So weit wollten nicht einmal seine Spieler gehen. Torwart Peter Gulacsi fand: "Es war am Ende verdient. Wir hatten unsere kleinen Chancen." Das war wiederum freundlich ausgedrückt. Denn es gab entgegen der seltsamen Kalkulation seines Trainers zwei doch ziemlich herausragende Torgelegenheiten. Während Rangnick jede Spielsituation zu den klaren Chancen rechnete, die sich irgendwann im weiteren Verlauf zu einer Gelegenheit hätte entwickeln können, standen seine Jungs ganz am Anfang des Spiels und kurz nach der Pause tatsächlich vor Torerfolgen. Aber sie scheiterten an Münchens Schlussmann Manuel Neuer. Zunächst wehrte er mit einer Reflex-Bewegung einen wuchtigen Kopfball von Poulsen ab, dann lenkte er den Schuss von Emil Forsberg am Tor vorbei, der nach einem Konter allein auf das Bayern-Tor gelaufen war. "Neuer hat die Bayern im Spiel gehalten", urteilte Rangnick. Und Kovac sagte: "Ich muss Manuel Neuer von Herzen gratulieren." Solche Momente seien "das, was man auf dem Niveau braucht".

Neuer nahm die eigene Vorstellung recht pragmatisch zur Kenntnis. "Für die Mannschaft war es wichtig, dass ich in den beiden Situationen da war", sagte er. Der Torwart war erst unmittelbar vor dem letzten Spiel der Saison von den Folgen eines Muskelfaserrisses genesen. Er nannte es "eine Punktlandung". Und wenn es stimmt, dass die großen Spieler die großen Spiele gewinnen, dann hatten die Bayern an diesem kühlen Berliner Mai-Abend gleich drei große Männer: Neuer, Mats Hummels und Robert Lewandowski.

Während Neuers Paraden die Leipziger Führung und den möglichen Ausgleich verhinderten, bot Hummels eines der besten Spiele seit dem Wechsel von Dortmund nach München. Er trug die Bayern durch sein überragendes Stellungsspiel, sehenswerte Steilpässe und elegante Offensivaktionen. Damit bewies er, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört, wie es beispielsweise Bundestrainer Joachim Löw glaubt. Und er wird auch in der kommenden Saison trotz der Zukäufe der Innenverteidiger Lucas Hernandez und Benjamin Pavard nicht schon deshalb ein Kandidat für die Ersatzbank sein, weil für seine Konkurrenten zusammen über 100 Millionen Euro ausgegeben wurden.

Robert Lewandowski schließlich tat, was er immer tut, er schoss Tore. Diesmal waren es zwei, eines so schön wie das andere. Beim ersten köpfte er den Ball nach einer Flanke von David Alaba im Rückwärtsfallen gegen die Laufrichtung von Torwart Gulacsi ein. Beim 3:0 setzte er sich zunächst mit all seiner Zweikampfstärke im Laufduell mit Dayot Upamecano durch, nachdem Joshua Kimmich den Ball einfach mal rustikal nach vorn gekloppt hatte, und dann hob er die Kugel über den Leipziger Schlussmann ins Netz. Zwischendurch erzielte Kingsley Coman nach einem Kabinettstückchen im Strafraum mit wuchtigem Schuss unter die Torlatte das 2:0. Davor und danach verzeichnete der Pokalsieger einige dicke Torgelegenheiten, was nicht einmal Rangnick unterschlagen wollte. "Wir haben richtig gut gespielt", erklärte Lewandowski.

Dazu nickten alle gern. Auch Kovac, der aber ebenso bereitwillig darauf hinwies, "dass Leipzig uns 30 Minuten große Schwierigkeiten bereitet hat". Tatsächlich drückte der Herausforderer mit seinem schwungvollen Laufspiel zu Beginn heftig auf die Tube. Und die Bayern fanden erst allmählich zu den richtigen Werkzeugen gegen das, was die Sportlehrer heute Pressing nennen. Sie hatten es bald heraus. "Es wurde immer besser", sagte Kovac zu Recht. Schließlich überspielten die Münchner die anrennenden Gegner mal mit feinen Kurzpass-Kombinationen, bei denen Thiago mit seinem Gefühl für Ball und Raum die wesentlichen Beiträge lieferte, mal überbrückten sie das bevölkerte Mittelfeld mit dem guten alten langen Ball. Aus der Ruhe ließen sie sich jedenfalls nicht mehr bringen.

Dafür gab es Lob von höchster Stelle. "Die Mannschaft hat das großartig gemacht", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Und er mochte nicht einmal mehr so richtig an einem Treuebekenntnis für Trainer Kovac vorbeireden, der in seinem ersten Jahr in München das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg gewann. Der Trainer, erklärte Rummenigge, sei "nie in Frage gestellt worden". Und er wiederholte den Satz ein wenig ungelenk: "Es hat keiner in Frage gestellt, dass er mit einer Laufzeit bis 2021, die er hat, ganz einfach nicht mehr Trainer ist." Es geht auch weniger kompliziert. Er hätte sagen können, Kovac bleibt unser Mann. So wird es allen Eiertänzen der jüngeren Vergangenheit zum Trotz wohl auch sein.

Für Kovac spricht, dass er in einer schwierigen Umbauphase einer in die Jahre gekommenen Mannschaft seit dem Winter Schritt für Schritt Verbesserungen erzielt hat. In Berlin konnte er es sich sogar leisten, seinen scheidenden Altstars Arjen Robben und Franck Ribéry einen feinen Abschied zu bereiten. Als das Spiel entschieden war, bekamen sie ihren letzten Auftritt. Die Fans feierten vor allem Ribéry. Und der sagte ergriffen: "Ribéry und Bayern - das bleibt ein Leben lang." Geweint hat er natürlich auch. Nicht nur er.

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