DFB-Pokal 2019: FC Bayern München gewinnt im Finale mit 3:0 gegen RB Leipzig

3:0-Sieg gegen Leipzig : Bayern München gewinnt auch den DFB-Pokal

Bayern München hat den aufmüpfigen Emporkömmling RB Leipzig in die Schranken gewiesen und eine keineswegs überragende Saison mit dem Double mehr als versöhnlich beendet.

Doch, sie durften noch einmal. Als alles entschieden war im 76. DFB-Pokalfinale, erhörte Bayern Münchens Trainer Niko Kovac das lautstarke Flehen aus der Fankurve. Er wechselte Franck Ribéry ein. Und weil er zuvor bereits Arjen Robben gebracht hatte, erlebte das große Bayern-Duo einen letzten gemeinsamen Auftritt auf dem Rasen. "Robbery" verabschiedeten sich mit Münchens 19. Pokalgewinn, das 3:0 gegen RB Leipzig sichert darüber hinaus Trainer Niko Kovac in seinem ersten Jahr das Double aus Meisterschaft und Cup. Ausgerechnet in seiner Heimatstadt Berlin. Das ging nicht nur ihm ans Herz. Dennoch soll erst nach einer eingehenden Saison-Analyse in dieser Woche entschieden werden, ob es weitergeht mit dem Meistertrainer. So hat es Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge noch am Freitag erklärt.

Die Hauptrollen beim letzten Auftritt der Saison spielten im Bayern-Team nicht Robben und Ribéry, sie boten dem Publikum allenfalls Anlass für nostalgische Gefühle. Die großen Männer des Münchner Spiels waren Manuel Neuer, Mats Hummels und Robert Lewandowski. Torhüter Neuer hatte sich nach einem Muskelfaserriss rechtzeitig zum Pokalfinale fit gemeldet. "Ich fühle mich gut", sagte er. Das unterstrich er auf dem Platz. Mit einem Reflex bewahrte er in der Anfangsphase seine Mannschaft nach einem wuchtigen Kopfball von Yussuf Poulsen vor einem Rückstand. Und unmittelbar nach der Pause wehrte er den Schuss von Emil Forsberg ab, der mit Anlauf völlig frei vor dem Bayern-Tor auftauchte. Er scheiterte an Hand und Fuß des Münchner Schlussmanns. "Neuer hat die Mannschaft im Spiel gehalten", sagte Leipzigs Trainer Ralf Rangnick. Und sein Kollege Kovac nickte dazu. "Ich muss Manuel Neuer von ganzem Herzen gratulieren. Das ist das, was man auf dem Niveau braucht", sagte er.

Hummels führte das Team aus der Abwehr mit sicherem Stellungsspiel, ganz starken Steilpässen und sehenswerten Offensivaktionen. Er bot eines der besten Spiele seit dem Wechsel aus Dortmund. Und er bewies damit, dass er weder zum alten Eisen gehört noch in der kommenden Saison nach den Zukäufen der Innenverteidiger Lucas Hernandez und Benjamin Pavard ein sicherer Kandidat für die Ersatzbank ist. Mit Hummels ist wieder zu rechnen.

Lewandowski schließlich tat, was er am liebsten tut. Er schoss Tore. Genau zwei und eines so spektakulär wie das andere. Beim 1:0 brachte er eine Flanke von David Alaba im Rückwärtsfallen noch mit dem Kopf gegen die Laufrichtung von Leipzigs Torwart Peter Gulacsi im Tor unter. Beim 3:0-Endstand setzte er sich zunächst im Laufduell mit Dayot Upamecano durch, nachdem Joshua Kimmich den Ball einfach mal resolut nach vorn gedroschen hatte, und löffelte die Kugel anschließend über Gulacsi hinweg ins Netz. Das 2:0 markierte Kingsley Coman, der ein technisches Kabinettstückchen im Strafraum mit einem Schuss ins Tordreieck krönte.

Mit Ausnahme der ersten halben Stunde dominierten die Münchner die Begegnung, und es gelang ihnen immer besser, sich gegen die mit viel Laufaufwand vorgetragenen Attacken der Leipziger zu behaupten. Die sogenannten Pressinglinien wurden entweder durch kühle Kombinationen ausgespielt, wobei sich vor allem Thiago durch sein überragendes Gefühl für Ball und Raum hervortat, oder durch den vielgerühmten langen Ball überwunden. Beleg dafür, dass die Bayern einen verdienten Erfolg einfuhren, waren zahlreiche gute Chancen gegen eine Leipziger Abwehr, die mit zunehmender Spieldauer immer löchriger wurde. Natürlich verwies Rangnick darauf, dass die Begegnung einen anderen Verlauf hätte nehmen können, wenn der Bundesliga-Dritte eine seiner beiden großen Torgelegenheiten genützt hätte. Aber die "Hätte, wäre, könnte"-Fraktion gewinnt eben keine Spiele.

Im richtigen Leben waren die Bayern in den Bereichen, die Spiele entscheiden, an diesem kühlen Mai-Abend in Berlin besser. Im geordneten Aufbau, in mannschaftlicher Harmonie, in Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und bei der Klasse der einzelnen Spieler. Rangnick hatte eine ganz eigene Sichtweise. Auf einem unsichtbaren Zettel hatte er "fünf Großchancen" notiert, "wenn du die nicht machst, kannst du gegen Bayern nicht gewinnen". Anders als viele Augenzeugen fand er, dass "es ein Spiel auf absoluter Augenhöhe war". Das deckt sich nicht unbedingt mit jeder einigermaßen objektiven Einschätzung. Immerhin wollte der Leipziger Coach "nicht unterschlagen, dass die Bayern auch noch große Möglichkeiten hatten. Ein 5:5 oder 6:6 war drin". Das gehört ebenfalls zu den exklusiven Erkenntnissen, zu denen die Fußball-Vordenker schon mal gelangen.

Die Bayern-Fraktion kam zu anderen Einsichten. "Wir haben uns das verdient", stellte Torwart Neuer fest. Und Kovac fand zu Recht: "Wir hatten 30 Minuten Schwierigkeiten mit dem Leipziger Pressing, aber dann wurde es immer besser. Und wir haben gezeigt, dass wir unseren Ballbesitzfußball spielen können." Die Tore seien "alle wunderschön herausgespielt worden". Das würde vielleicht sogar Rangnick einräumen.

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