1. Sport
  2. Fußball

Planung auf WM 2006 rollt an: DFB bangt um "schwarze Null" - Schwierige Sponsorensuche

Planung auf WM 2006 rollt an : DFB bangt um "schwarze Null" - Schwierige Sponsorensuche

Paris (dpa). Die Büroräume am Frankfurter Flughafen und in München sind bezogen, die ersten Arbeitsverträge unterschrieben, die vielsagende Telefonnummer 2006-0 freigeschaltet: Obwohl bis zum Anpfiff der Weltmeisterschaft 2006 die Zeit noch ewig scheint, laufen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Vorbereitungen auf vollen Touren.

"Wir haben ganz gut Tritt gefasst, aber bis zum Ende des Jahres auch noch viele Projekte zu verwirklichen", beschrieb Horst R. Schmidt, DFB-Generalsekretär und einer von drei Vizepräsidenten des Organisations-Komitees, am Dienstag in einem dpa-Gespräch die drängenden Aufgaben für dieses Jahr. Dabei geht es in erster Linie um die Auswahl der WM-Standorte, die Einstellung des Personals - und vor allem um die Finanzierung des Spektakels.

14 fest angestellte Kräfte haben bereits ihre Arbeit aufgenommen. Insgesamt soll der Personalstab auf etwa 300 Personen anwachsen, rund 1100 Bewerbungen liegen beim DFB für die vakanten Stellen vor. Für die richtige Wahl sind die drei OK-Vizepräsidenten verantwortlich: Schmidt, DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach und Fedor Radmann, Rechte Hand des ehrenamtlichen OK-Chef Franz Beckenbauer.

"Es geht nicht darum, bombastisch zu starten, sondern die richtigen Strukturen zu entwickeln", verdeutlichte Marketing-Experte Radmann. Vor allem geht es derzeit darum, einen Finanzierungsplan aufzustellen. Das ursprünglich bei der Bewerbung veranschlagte Gesamtbudget von 500 Millionen Mark wird, so viel ist den Machern jetzt schon deutlich, nicht ausreichen und vermutlich deutlich überschritten werden.

FIFA-Gelder stehen noch aus

Andererseits ist noch völlig unklar, mit welchem Zuschuss der DFB durch die FIFA rechnen darf. Rund 200 Millionen Mark erhielt Frankreich als Gastgeber der WM 1998, die kommenden WM-Gastgeber Japan und Südkorea bekommen gemeinsam 400 Millionen Mark. Irgendwo dazwischen dürfte die Summe liegen, mit der der DFB rechnen kann. "Ich gehe von einem Betrag von erheblicher Größe aus", formulierte Schmidt diplomatisch seine Erwartungen. Der Funktionär, der bereits seit 1974 alle WM-Turniere mitgestaltet hat, machte aber auch deutlich, dass die Höhe der Eintrittspreise maßgeblich vom FIFA- Zuschuss abhängig sein wird. "Unsere vergleichsweise moderaten Preise werden wir nur halten können, wenn die anderen Einnahmen stimmen."

Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen wäre der 59-Jährige schon heilfroh, wenn am Ende der WM "eine schwarze Null" stehen würde. Zumal sich die Suche nach nationalen Sponsoren auf Grund der FIFA-Auflagen als besonders problematisch gestaltet. Sechs lokale Geldgeber darf der DFB gewinnen, die aber nicht in Branchen tätig sein dürfen, in denen die zwölf internationalen FIFA-Sponsoren vertreten sind. Davon besonders betroffen ist ausgerechnet der DFB- Hauptsponsor Mercedes-Benz, denn einer der FIFA-Geldgeber ist Hyundai. Sollte der koreanische Automobilkonzern seine Option für 2006 wahrnehmen, wäre für die Stuttgarter kein Platz im Sponsoren- Pool. Von den internationalen FIFA-Geldgebern stehen für 2006 die Unternehmen adidas, Budweiser, Coca-Cola, Gilette und McDonald's fest.

"Es gibt viele Großunternehmen, die sich für die WM interessieren. Diese Maßnahmen müssen absolut jetzt gelöst und nach vorn gebracht werden", drängt Schmidt in der Sponsorenfrage nach schnellen Lösungen. Zumal auch der DFB, der bislang für alle Kosten in Vorlage tritt, endlich auch Einnahmen benötigt. Auch in anderen Bereichen gestaltet sich die Geldbeschaffung nicht so leicht, so beim Versuch, eine Lotterie zu initiieren. Auf den Weg gebracht ist gemeinsam mit staatlichen Stellen ein Münz- und Sonderbriefmarken-Programm. Dessen wirtschaftlicher Gewinn aber ist begrenzt.

(RPO Archiv)