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Bundesliga-Titelrennen: Der Vierkampf bleibt ein Zweikampf

Bundesliga-Titelrennen : Der Vierkampf bleibt ein Zweikampf

Eigentlich gab es vor Beginn der Rückrunde nur zwei Mannschaften, denen der Titel in der Bundesliga zugetraut wurde. Zum einen Herbstmeister Bayern München, klarer Favorit auf die Schale. Und Titelverteidiger Borussia Dortmund, Bayern-Jäger Nummer eins. Nach dem 18. Spieltag aber wurden aus Zwei plötzlich Vier – weil Borussia Mönchengladbach die Bayern besiegte und Schalke seine Hausaufgaben machte. Doch wer hat die besten Chancen auf den Titel?

Eigentlich gab es vor Beginn der Rückrunde nur zwei Mannschaften, denen der Titel in der Bundesliga zugetraut wurde. Zum einen Herbstmeister Bayern München, klarer Favorit auf die Schale. Und Titelverteidiger Borussia Dortmund, Bayern-Jäger Nummer eins. Nach dem 18. Spieltag aber wurden aus Zwei plötzlich Vier — weil Borussia Mönchengladbach die Bayern besiegte und Schalke seine Hausaufgaben machte. Doch wer hat die besten Chancen auf den Titel?

Bayern München

Das spricht dafür: Der deutsche Rekordmeister ist gereizt. Nach Niederlagen kommen die Bayern in der Regel wütend zurück. ARD-Experte und Ex-Bayern-Profi Mehmet Scholl mutmaßte deshalb bereits nach dem 1:3 in Mönchengladbach: "Dafür wird Wolfsburg in der kommenden Woche jetzt büßen." Jupp Heynckes und sein Trainerteam müssen die Fehler detailliert aufarbeiten und schnell abstellen. Die Bayern verfügen über den stärksten Kader in der Liga und gegen die "Wölfe" kehrt der in der Hinrunde überragende Franck Ribery nach seiner Sperre zurück. In der ersten Halbserie verlor der Rekordmeister auch gegen Gladbach und startete danach eine Serie mit sechs Siegen in Folge und acht Spielen ohne Gegentor. Mannschaft und Trainer verfügen zudem über viel Erfahrung im Titelkampf.

Das spricht dagegen: Mönchengladbach, Hannover, Mainz, Dortmund und nochmal Mönchengladbach — fünf Niederlagen stehen bereits auf dem Konto der Münchner, und alle ähneln sich sehr. Immer, wenn der Gegner mehr läuft und die Bayern-Stars Arjen Robben und Ribery auf den Außenbahnen doppeln, bekommt München Probleme. Mit dem schnellen Umschalten der spielstarken Mannschaften aus Gladbach oder Dortmund kommt die Bayern-Defensive nicht zurecht. Das Loch zwischen Abwehr und Mittelfeld ist oft zu groß, oft reicht ein schneller Pass in die Tiefe, um zu Chancen gegen München zu kommen. Wie es geht, haben nun auch die anderen Bundesligisten gesehen — und werden sich sicher ein bisschen was von Mönchengladbach abgucken. Sollten die Teams das umsetzen können, sind weitere Niederlagen der Bayern nicht ausgeschlossen — es sei denn, sie finden ein Gegenmittel. Negativ könnte sich auch die Dreifach-Belastung in Liga, Pokal und Champions League auswirken, da sich die direkte Konkurrenz unter der Woche ausruhen kann.

Borussia Dortmund

Das spricht dafür: Der BVB kann im Jahr nach der Meisterschaft befreit aufspielen, denn der Druck, den Titel zu gewinnen, liegt bei den Bayern. Was die Mannschaft kann, hat sie zum Beginn der Rückrunde beim eindrucksvollen 5:1 in Hamburg gezeigt — und das ohne den Shooting-Star Mario Götze. Dortmund spielte wie aus einem Guss und machte mit den Hamburgern, was sie wollten. Robert Lewandowski hat in der Winterpause seine Treffsicherheit nicht verloren, Shinji Kagawa scheint die kleine Krise aus der Hinrunde überwunden zu haben und der Meister ist nach einem eher durchwachsenen Saisonstart mit sieben Punkten aus sechs Spielen wieder gefestigt. Die letzte Niederlage gab es am 18. September beim 1:2 in Hannover, seitdem machen die Westfalen Jagd auf die Bayern — und sind seit Sonntag wieder punktgleich mit dem Spitzenreiter. Der BVB ist wieder in Fahrt und scheint die Form der Meistersaison wiederzufinden.

Das spricht dagegen: Zwar wurde Götze beim Auftritt in Hamburg im Dortmunder Spiel kaum vermisst, jedoch wird der Nationalspieler dem BVB auch in den kommenden sechs bis acht Wochen wegen einer Entzündung am Schambein fehlen. Fraglich, ob der BVB den Ausfall in jedem Spiel kompensieren kann. Die Hinrunde hat gezeigt: Dortmund kann das nicht immer. Im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern beispielsweise wurde der angeschlagene Götze erst in der 66. Minute eingewechselt, und erst dann wurde der BVB kreativ, auch wenn es am Ende nur zu einem 1:1 reichte. Die anderen Jungstars wie Kagawa, Kevin Großkreutz oder Sven Bender müssen auf Topniveau spielen, um Götze langfristig ersetzen zu können.

Schalke 04

Das spricht dafür: Die Arena auf Schalke ist eine Festung. Kein Team der Bundesliga hat in der laufenden Saison mehr Heimsiege (8) geholt als die "Knappen". Die eigenen Fans könnten die Mannschaft von Trainer Huub Stevens zur Schale brüllen. Während das Hauptaugenmerk im Titelkampf auf den Kontrahenten aus München und Dortmund liegt, geht Schalke als Außenseiter ins Rennen. In der Hinrunde und durch den Sieg über Stuttgart zum Rückrundenauftakt haben sich Stevens und seine Schützlinge heimlich in der Spitzengruppe etabliert und dabei teilweise guten Fußball gezeigt. Die beiden Stürmer Klaas-Jan Huntelaar (15 Tore) und Raul (10) sind in dieser Saison treffsicher und Garanten für den Schalker Höhenflug. In Chinedu Obasi holten die Königsblauen im Winter eine weitere offensive Option, die das Traumduo unterstützen kann und wird.

Das spricht dagegen: Mehr als 50 Jahre lang warten die Schalker Fans sehnlichst auf die Meisterschaft. Immer, wenn die Mannschaft nahe dran war, vergeigte sie es auf der Zielgeraden. So wie 2001, als Schalke am vorletzten Spieltag in Stuttgart verlor und die Tabellenführung an München abgab. Das Ende ist bekannt: Während Schalke beim Saisonfinale bereits den sicher geglaubten Titelgewinn feierte, traf in Hamburg ein gewisser Patrik Andersson in der Nachspielzeit und ließ die Bayern jubeln — der "Vier-Minuten-Meister" war geboren. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so dramatisch, verlief der Titelkampf 2007. Schalke verlor das Derby in Dortmund 0:2, der VfB Stuttgart zog durch einen Sieg in Bochum in der Tabelle vorbei und sicherte sich am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Cottbus den Titel. In der laufenden Saison heißen die beiden letzten Gegner Hertha BSC Berlin und Werder Bremen. Für die einen könnte es noch um den Klassenerhalt gehen, für die anderen um die Champions League. Und: Schalke muss die Defensiv-Probleme in den Griff bekommen, hat von den ersten Vier der Bundesliga die meisten Tore kassiert (23). Der Ausfall von Benedikt Höwedes (dreifacher Jochbeinbruch) ist dabei sicherlich nicht hilfreich.

Borussia Mönchengladbach

Das spricht dafür: Der Fast-Absteiger der vergangenen Saison ist das Sensationsteam der Bundesliga. 36 Punkte, erst zwölf Gegentore, und das nahezu mit dem gleichen Kader, der im Mai beinahe abgestiegen wäre. Trainer Lucien Favre formte mit den gleichen Mitteln, die seinem Vorgänger Michael Frontzeck zur Verfügung gestanden hatten, aus den "Fohlen" ein echtes Topteam. Taktisch bereitet Favre seine Mannschaft Woche für Woche perfekt auf den Gegner vor. Die Borussia hat durch die immense Laufarbeit im Mittelfeld stets Überzahl und verhindert dumme Fouls und damit die Chance für den Gegner, durch Standard-Situationen zum Erfolg zu kommen. Und wenn die Borussen den Ball haben, kommen sie durch die wendigen und spielintelligenten Marco Reus, Patrick Herrmann oder Juan Arango schnell vor das gegnerische Tor. Der Erfolg gegen die Bayern war ein perfektes Lehrvideo für das Spiel der Borussia. Gepaart mit einem großen Schuss Unbekümmertheit ist dies eine gefährliche Mischung für die Konkurrenten im Kampf um den Titel.

Das spricht dagegen: Was wäre die Borussia ohne Reus? Der Nationalspieler, der im Sommer zu Borussia Dortmund wechselt, besorgte elf der 28 Gladbacher Saisontore. Dahinter rangiert Herrmann mit fünf Treffern auf Platz zwei der internen Liste. Fällt Reus aus, haben die Gladbacher in der Offensive ein Problem. Und: In der Hinrunde gab es immer wieder Rückschläge gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel. Drei der vier Niederlagen, die Gladbach kassierte, gab es in Freiburg, in Augsburg und in Hoffenheim. Die vierte Pleite setzte es auf Schalke. Gladbach scheint noch nicht gefestigt genug, um bis zum Ende um die Meisterschaft mitspielen zu können.

Fazit: Gladbach macht viel Spaß, Gladbach spielt begeisterten Fußball — aber Gladbach wird am Ende ebenso wenig wie Schalke etwas mit dem Titelkampf zu tun haben. Die beiden Platzhirsche aus München und Dortmund werden den Titel unter sich ausspielen, die Qualität in beiden Mannschaften ist einfach zu groß. Aus dem derzeitigen Vier- wird in den nächsten Wochen wieder ein Zweikampf werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gladbach - Bayern: Einzelkritik

(seeg)