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Der Ex-Profi Clarence Seedorf könnte ein Vorbild für Joshua Kimmich sein

Engagierter Ex-Profi : Warum Clarence Seedorf ein Vorbild für Joshua Kimmich sein kann

Für manche Fußballer hört der Horizont nicht hinter der Torauslinie auf. Der Niederländer Clarence Seedorf ist einer von ihnen. Dafür erhält er jetzt einen Preis und könnte sogar Bayern-Profi Joshua Kimmich als Vorbild dienen.

Clarence Seedorf (45) hat diese Woche ein bemerkenswertes Wort zum Sonntag gesprochen. Vor der Auszeichnung mit dem Walther-Bensemann-Preis, mit dem die Deutsche Akademie für Fußballkultur Persönlichkeiten ehrt, die „im Sinne der Völkerverständigung Besonderes für den Fußball geleistet haben“, sagte der ehemalige niederländische Nationalspieler im „Kicker“: „Entweder baust du deine Fähigkeiten im Leben und im sozialen Verhalten aus oder du trittst einfach nur gegen den Ball, schießt Tore, bereitest welche vor, verteidigst und redest über das, was auf dem Spielfeld geschieht. Wo das Bewusstsein fehlt, können wir von keinem auf der Welt etwas erwarten.“

Das dürfen sich Kollegen und ehemalige Kollegen im Glitzergeschäft Profifußball gern ausgedruckt ins Wohnzimmer oder in die Kabine hängen. Es schadet nämlich nicht, wenn sich jemand, der durch sein sportliches Talent zu Geld und Ansehen gelangt ist, ein wenig von seiner sozialen Verantwortung spürt.

Seedorf belässt es nicht bei wohlgesetzten Reden, obwohl er dafür schon zu aktiven Zeiten nicht nur begeisterten Zuspruch erhielt. Wie alle, deren Horizont nicht hinter der Torauslinie endet und die daraus keinen Hehl machen, war er immer auch ein bisschen anstrengend. Trotz seiner fast 90 Länderspiele erfuhr der aus Surinam stammende Mittelfeldspieler deshalb in seiner Heimat nie die Anerkennung, die ihm zustand. Vier Champions-League-Titel mit drei verschiedenen Vereinen (zwei mit dem AC Mailand, je einer mit Real Madrid und Ajax Amsterdam) unterstreichen allerdings seine sportliche Größe.

Popularität ist ihm ein gesellschaftlicher Auftrag. Er setzt sich gegen Rassismus ein, gründete früh die Stiftung „Champion for Children“ und gibt seine Stimme Organisationen, die für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und die Rechte der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet eintreten. Er weiß, dass seine Prominenz ein Mittel ist, berechtigten Anliegen Nachdruck zu verleihen. Das ist nicht nur eine kluge Einsicht, sondern sie führt auch zu einer vorbildlichen Haltung.

Womit wir bei Joshua Kimmich wären. Der Nationalspieler von Bayern München hat seine vorbildliche Haltung zu Beginn der Corona-Pandemie durch die Gründung der Aktion „We kick Corona“ unterstrichen. Er steckte gemeinsam mit dem Kollegen Leon Goretzka beachtliche Anschub-Beträge in die Initiative, die viel bewirkte im Kampf gegen die Pandemie – auch weil sie eine nicht zu unterschätzende Öffentlichkeit herstellte.

Doch dann irritierte der sonst so kluge Mann mit dem Einser-Abitur das Land, als er sich im 20. Corona-Monat dazu bekannte, noch nicht geimpft zu sein. Er hätte wissen müssen, wem er damit in die Karten spielt. Und er stellte sich damit geradezu gegen die eigene Initiative. Prominente Stimmen helfen eben nicht nur der guten Sache.

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Sie werden jedenfalls gehört – weit mehr als schlaue Sätze von schlauen Menschen, die zufällig eben nicht so gut gegen den Ball treten können. Auch das hat Seedorf erkannt. Vielleicht gibt es einen nachsichtigen Menschen bei den Bayern oder in der Nationalmannschaft, der es Kimmich erklärt.