Fußball-Devotionalien im Gasometer Oberhausen: "Der Ball ist rund"

Fußball-Devotionalien im Gasometer Oberhausen: "Der Ball ist rund"

Oberhausen (dpa). Ehrfürchtig erschauern dürfte so mancher Besucher angesichts dieser "Devotionalien" aus der Welt des Fußballs: Der Ball vom WM-Finale 1954, die mit Bronze überzogenen Fußballschuhe, mit denen Helmut Rahn gegen Ungarn das entscheidende dritte Tor zum 3:2 über Ungarn erzielte; "Rahn schießt, Tor, Tor, Tor, Tor, Tor", erschallt zugleich noch einmal die Stimme des Radio- Reporters Herbert Zimmermann. Fast 2 500 Exponate wurden für die von diesem Freitag an geöffnete Ausstellung "Der Ball ist rund" zum 100- jährigen Bestehen des DFB im Gasometer Oberhausen zusammengetragen.

"Sehr andächtig" sei er beim Eintritt gewesen, berichtete am Donnerstag DFB-Pressechef Wolfgang Niersbach, "da ich wusste, dass in diesem Moment die Latte von Wembley hereingetragen wird, noch verpackt." Die legendäre Querlatte aus dem Finale 1966 zwischen England und Deutschland stammt wie viele andere Ausstellungsstücke aus dem Football Museum in England. Aus deutschen Beständen kommt dagegen der gebrochene Torpfosten aus Mönchengladbach, der dem Spiel zwischen der Borussia und Werder Bremen 1971 ein vorzeitiges Ende bescherte.

Eine 40 Meter lange Glaswand füllen allein die Exponate aus dem Nachlass Sepp Herbergers, die die Frankfurter Stiftung in Oberhausen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: Notizbücher, Aktenordner, Reiseschreibmaschine, Briefwechsel mit Spielern und Freunden. Zum "Universum Herberger" in Oberhausen gehört aber auch sein Auto, ein Opel Rekord B, Baujahr 1966. Daneben: Pokale, Pokale und nochmals Pokale. Der DFB hat seine Trophäen-Schatzkammer geöffnet und die errungenen Pokale der Nationalmannschaften bei Welt- und Europameisterschaften herausgerückt.

"Wenn man ein bisschen fußballverrückt ist", meinte der nordrhein- westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement, der am Donnerstag zu den Gästen der Ausstellung zählte, "dann ist eigentlich jedes Ausstellungsstück ein Grund stehen zu bleiben, es am liebsten in die Hand zu nehmen" - wäre das meiste nicht hinter Glas. Zur Ausstellung beigetragen hat auch Rudi Völler, Botschafter für die deutsche WM- Bewerbung 2006. Im Keller habe er noch ein paar alte Schuhe gefunden aus seiner Bremer Zeit. "Das waren damals noch ganz krumme Bananen, ich glaube, die hat der Günter Netzer schon angehabt." Das Schönste seien aber eigentlich die alten Bilder, "wenn man so an die alten Zeiten erinnert wird."

"Beim Fußball geht es nicht um Leben und Tod, es geht um mehr", lautet ins Deutsche übersetzt ein Spruch Bill Shanklys vom FC Liverpool, der eine Zitatenleiste im weiten Rund des fast 120 Meter hohen Gasometers ziert. Profaner ist da der Ausspruch Giovanni Trapattonis: "Sie haben gespielt wie Flasche leer." Den riesigen wöchentlichen Spielbetrieb des DFB und der Landesverbände soll die nach Angaben der Ausstellungsmacher "vielleicht größte Wandzeitung der Welt" verdeutlichen, die in der unteren der beiden Ausstellungsetagen auf knapp 700 Quadratmetern mehr als 35 000 Ergebnisse des letzten Spieltages des vergangenen Jahrtausends auflistet.

Clement gab sich überzeugt, dass die Ausstellung mehr Menschen anlocken werde als alle anderen, die bisher im Gasometer gezeigt wurden. Den Rekord mit 390 000 Besuchern halten Christo und Jeanne- Claude mit "The Wall", einer aus 13 000 Ölfässern bestehenden Mosaikwand. "Der Ball ist rund" kostete rund fünf Millionen Mark. Gesichert wurde die Finanzierung in erster Linie durch ein Turnier der Ruhrgebietsvereine am 29. Januar im Niederrhein-Stadion.

(Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.Informationen unter Hotline: 0208-80 37 45, www.derballistrund.de und info@derballistrund.de)

(RPO Archiv)
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