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Der 14. DFB-Präsident Bernd Neuendorf im Porträt

Als Favorit durchgesetzt : Das ist DFB-Präsident Bernd Neuendorf

Bernd Neuendorf wurde am 11. März zum 14. DFB-Präsidenten gewählt. Der 60-Jährige galt als Favorit. Wie Neuendorf tickt und was seine Pläne sind.

Bernd Neuendorf hat nicht sofort Ja gesagt. Als er mit der Idee betraut wurde, für das Amt des DFB-Präsidenten zu kandidieren, bat der 60-Jährige um Bedenkzeit. „Ich wollte es von Anfang an seriös angehen und nicht reinstolpern“, sagte er im Gespräch mit der dpa: „So etwas muss gut überlegt und reflektiert sein. Man muss es wirklich wollen. Und man muss es auch können.“

Nach reiflicher Überlegung stand  für den Präsidenten des Fußball-Verbandes Mittelrhein (FVM) aber fest: er will. Trotz des Wissens, dass es für ihn einen Schritt ins Rampenlicht bedeutet. Denn die Aufgabe beim Deutschen Fußball-Bund würde ihn in die erste Reihe schieben. Neuland für Neuendorf, der nicht als Lautsprecher gilt und über sich selbst sagt, dass er eher im Hintergrund „für Ruhe und geordnete Abläufe sorgen“ kann. Das wird er nun beweisen müssen. Am 11. März wurde er zum 14. DFB-Präsidenten gewählt.

Als klassischer Fußball-Funktionär ist der zweifache Familienvater in der Tat noch neu im Geschäft. Zum alten System mit all seinen Intrigen und Machtspielchen gehört er nicht. Wenn es um Skandale, Streitigkeiten und Affären im DFB geht, fallen andere Namen.

Nach dem Abitur studierte Neuendorf in Bonn und Oxford Neue Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie. Später arbeitete er als Journalist in Frankfurt bei den Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press sowie ab 1992 in Bonn für verschiedene Tageszeitungen als Parlamentskorrespondent. Von 2001 bis 2003 war er stellvertretender Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung in Halle.

Nach seiner Zeit bei der Zeitung zog es Neuendorf in die Politik. Er war zunächst Sprecher des SPD-Parteivorstands in Berlin (2003-2004), ehe es ihn nach Nordrhein-Westfalen zurückzog. Ab 2004 fungierte er als Pressesprecher des SPD-Landesverbands NRW und von 2007 bis 2012 als Landesgeschäftsführer der SPD in NRW. Anschließend war er fünf Jahre Staatssekretär im NRW-Landesministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport.

Nun ist Neuendorf der nächste DFB-Präsident. Eine Aufgabe, die nicht sein „Lebensplan“ gewesen sei. Auch das Renommee des Amtes habe bei seiner Überlegung „keine Rolle gespielt“, wie Neuendorf versicherte. Vielmehr habe er seine Kandidatur „als eine Art Angebot“ gesehen. Er hoffe, dass er diese Aufgabe „ein bisschen unaufgeregter hinbekomme, als es sonst im Fußball üblich ist.“

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Bei der Wahl am 11. März trat der gebürtige Dürener gegen den aktuellen Interimschef Peter Peters an. Trotz seiner fehlenden Erfahrung galt Neuendorf als Favorit. Denn er hatte das mächtige Amateur-Lager hinter sich und konnte sich den Stimmen der 21 Landesverbände sicher sein. Sie stellen die Mehrheit der Stimmen auf dem Bundestag. Und auch bei den Klubs aus der Bundesliga und Zweiten Liga sowie den Regionalverbänden hatte er sich persönlich vorgestellt. Dies war ihm aus mehreren Gründen wichtig: „Ich wollte, dass auch alle Profivereine vor dem DFB-Bundestag einen persönlichen Eindruck von mir bekommen. Das ist aber keine Einbahnstraße. Ich möchte umgekehrt auch von den Vereinen wissen, welche Ideen sie haben, welche Veränderungen sie sich wünschen und was sie speziell vom DFB erwarten“, sagte er.

Prominente Fürsprecher wusste Neuendorf einige auf seiner Seite. So hoffte beispielsweise der frühere DFL-Spitzenfunktionär Andreas Rettig auf die Wahl des Amateurvertreters. „Ich kenne und schätze ihn. Er ist ein unbelasteter, integrer und verlässlicher Partner. Das hat er als Präsident meines Heimatverbandes Mittelrhein unter Beweis gestellt“, sagte Rettig in einem Interview der „Frankfurter Rundschau“. Mit der Wahl des neuen DFB-Chefs erwarte er einen Neuanfang, sagte Rettig.

Neuendorf will in seiner Rolle als DFB-Präsident mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund in Führungspositionen bringen. „Ich denke, dass sich das Bild unserer Gesellschaft im Verband besser abbilden muss“, sagte der 60-Jährige dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dazu solle „eine weitere Präsidiumsposition für den Bereich Diversität und Vielfalt" ins Leben gerufen werden. Ein weiteres Ziel sei es, „das Vertrauen der Menschen wieder zurückgewinnen.“ Laut Neuendorf sei in den letzten Jahren vorwiegend über Skandale und Auseinandersetzungen an der DFB-Spitz gesprochen worden. Man müsse daher endlich wieder zum Fußball zurückkehren.

Darüber hinaus plädiert er für neue Richtlinien bei der Vergabe von großen Turnieren. Zukünftig müsse dieser Prozess „zwingend an Kriterien wie Menschenrechtssituation und Nachhaltigkeit geknüpft werden“. Dafür seien bereits „klare Maßstäbe“ in der DFB-Satzung formuliert. Einen Boykott der Katar-WM im kommenden Winter lehnt er allerdings ab. „Er wäre auch falsch. In der Zukunft dürfen wir erst gar nicht in eine solche Situation kommen. Das muss das Ziel sein“, erklärte er.

Die jüngsten Sanktionen der Fifa und Uefa gegen Russland hält Neuendorf für richtig, wie er gegenüber Sport1 erklärte: „Ich persönlich habe hierzu eine klare Haltung: Angesichts von Putins Krieg in der Ukraine ist es für mich undenkbar, dass derzeit Fußballspiele gegen russische Mannschaften ausgetragen werden. Das gilt gleichermaßen für National- und Vereinsmannschaften. Das wäre für mich angesichts der Opfer, des Leids und der Flüchtlingsströme eine unerträgliche Vorstellung. Putin hat sich und sein Land isoliert. Er muss jetzt mit den Konsequenzen seiner aggressiven Politik leben.“

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(old )