Mayer-Vorfelder dementiert Rücktrittsabsicht: "Das sind reine Spekulationen"

Mayer-Vorfelder dementiert Rücktrittsabsicht : "Das sind reine Spekulationen"

Stuttgart (dpa). Entschieden dementiert hat Gerhard Mayer- Vorfelder Berichte, er wolle sein Amt als Präsident des VfB Stuttgart aufgeben und als Nachfolger von DFB-Chef Egidius Braun kandidieren. "Das sind reine Spekulationen", versicherte der Multi-Funktionär. "Eine Entscheidung kann erst getroffen werden, wenn meine Aufgabe, die Strukturreform beim DFB, erfüllt ist." Der nach seinen heftigen Attacken gegen Trainer Ralf Rangnick zunehmend in die Schusslinie geratene langjährige Alleinherrscher des schwäbischen Fußball- Bundesligisten versuchte am Donnerstag mit einem verbalen Befreiungsschlag, wieder das Heft in die Hand zu nehmen. "Selbst wenn ich mich zu einer DFB-Kandidatur entschließen sollte, würde ich natürlich meine Amtsperiode beim VfB zu Ende führen", schloss "MV" nach einem Vierteljahrhundert Regentschaft auf dem Wasen einen vorzeitigen Rücktritt definitiv aus.

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p class="text">Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") und das Fachmagazin "kicker" hatten übereinstimmend berichtet, Mayer-Vorfelder wolle im Herbst beim VfB nicht mehr zur Wiederwahl antreten. "Ich habe die Lust verloren", soll dieser bei einer Veranstaltung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Herzogenaurach gesagt haben. "Das Einzige, was daran zutrifft, ist, dass es mir derzeit wirklich keinen Spaß mehr macht", räumte der VfB-Vorsitzende nun in der Pressekonferenz ein. Aber das sei angesichts der momentanen Situation - die Schwaben schwächeln nach drei Niederlagen in Serie - auch verständlich.

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p class="text">Darüber hinaus berichtete die "FAZ", der 66-Jährige habe sich entschlossen, im Frühjahr 2001 als Nachfolger Brauns zu kandidieren. Der DFB-Präsident unterstrich in einem dpa-Gespräch Mayer-Vorfelders Chancen auf die Führungsposition im deutschen Fußball. "Ich halte ihn für den geeigneten Kandidaten", sagte Braun und wies auf dessen Jahrzehnte lange Erfahrung in den verschiedensten Gremien des Fußball und auch in der Politik hin. "Wenn sein Verein schlecht spielt und die Leute über ihn herfallen, ändert das keinen Deut an meinem Standpunkt."

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p class="text">Nach Mayer-Vorfelders Dementi sind die Spekulationen über einen Ämterwechsel zwar aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Der gewiefte Taktiker vermied es wohlweislich, den Rücktritt auf Vereinsebene und eine gleichzeitige Kandidatur für die Verbandsspitze auszuschließen. Der Ex-Politiker weiß genau, dass sein Schicksal als potenzieller DFB-Präsident wesentlich davon abhängt, ob er bei seiner momentanen Tour zu den Regionalverbänden auf Zustimmung in Sachen Strukturreform stößt. "Wenn meine Rundreise beendet ist, wird das Präsidium über das Ergebnis beraten. Dann geht es in den Beirat", nannte er den Ablauf.

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p class="text">Das Problem VfB-Präsident und/oder DFB-Präsident würde sich im Ernstfall laut Mayer-Vorfelder gar nicht stellen. "Wenn die Entscheidung für eine DFB-Kandidatur fallen sollte, wäre schon nach den Statuten eine weitere VfB-Präsidentschaft nicht möglich", verwies der Jurist auf das Regelwerk. Dass er generell gewillt sei, den formalen Rahmen einzuhalten, bekräftigte er auch für den Fall seiner Demission in Stuttgart. "Der Aufsichtsrat wäre das erste Gremium, das ich unterrichten würde", versicherte er. Aus der Reserve locken ließ sich der Reserve-Offizier auch nicht bei der Frage nach seinem potenziellen Nachfolger. "Ich schlage keinen vor. Das ist Sache des Aufsichtsrates."

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p class="text">Hansi Müller als ein heiß gehandelter Kandidat hielt sich vornehm zurück. "Wenn ich gefragt würde, würde ich verneinen. Das wäre absolut zu früh für mich", schloss der erst seit Oktober als Direktor für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit fungierende frühere VfB-Profi und 42-malige Nationalspieler entsprechende Ambitionen aus.

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p class="text">Klein beigegeben hat "MV" inzwischen auf ganzer Linie im Hauskrach um "Diva" Krassimir Balakow. Das anhaltende heftige Echo nach seiner wilden Attacke gegen Rangnick nach der 0:1-Niederlage in Leverkusen hat den Machtmenschen überrascht. "Ich ärgere mich, dass ich mich emotional so hinreißen ließ. Da dürfen keine Dinge hinein geheimnist werden", spielte Mayer-Vorfelder den Fall herunter. Er stehe voll hinter Rangnick. Zunehmend gerät der Präsident innerhalb und außerhalb des Vereins in Isolation. Selbst alte Weggefährten gehen immer stärker auf Distanz. Angeblich hat der Aufsichtsrat ohnehin längst entschieden, ihn nicht mehr zur Wiederwahl vorzuschlagen. "Die Kritik nehme ich zur Kenntnis. Aber das lasse ich mir nicht zu tief unter die Haut gehen", sagte "MV" mit stoischer Ruhe.

Doch würde Mayer-Vorfelder die - zu erwartende - Absage an den VfB nicht all zu schwer fallen. Die DFB-Präsidentschaft könnte nur einen weiterer Sprung auf der Karriere-Leiter bedeuten. Im Hintergrund bastelt Braun offenbar an dem Plan, seine Nummer zwei als Vizepräsidenten der Europäischen Fußball-Union (UEFA) zu installieren und ihr ein Comeback im Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA zu ermöglichen. Braun will auch den UEFA-Posten abgeben.

(RPO Archiv)
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