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Corona-Krise: Polizeigewerkschaften gegen Geisterspiele

Nach politischen Beschlüssen : Polizeigewerkschaften gegen Geisterspiele

Sorge herrscht vor allem wegen Fanansammlungen vor den Stadien. Doch seit Mittwoch ist klar: Die nahe Zukunft des Fußballs besteht aus Geisterspielen.

Ob, wann und wie die Fußball-Bundesliga den Spielbetrieb der Rückrunde wieder aufnehmen kann, bleibt weiter unklar. Auch nach dem Mittwoch, an dem sich so mancher Verantwortliche und Fan erhofft hatte, im Nachgang der Gespräche zwischen Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin mehr zu wissen. Doch das blieb aus. Gewiss sind im Prinzip nur zwei Dinge: Da die Kontaktsperre bundesweit bis 3. Mai verlängert wurde, wird die Bundesliga allerfrühestens Mitte Mai spielen können. Geisterspiele, wohl gemerkt. Und Geisterspiele werden auch den Beginn der neuen Saison dominieren, denn Großveranstaltungen untersagte die Politik erst einmal bis 31. August. So bleibt es auch erstmal bei den genehmigten Individuell- und Kleingruppen-Einheiten. Mannschaftstraining, das vor jedem Neustart der Liga stehen muss, ist vom Horizont am Mittwoch nicht näher gerückt.

„Die Bundesliga war kein Thema“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) während der gemeinsamen Pressekonferenz mit Angela Merkel und verwies auf die Gespräche bei der DFL. „Ob und in welcher Form Geisterspiele möglich sind“, werde „sicherlich demnächst“ zum Thema werden.

Dennoch beurteilte der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf die Aussagen der Politik eher positiv. „Dass bis Ende August keine Großveranstaltungen stattfinden können, überrascht mich überhaupt nicht und ist auch als mögliches Szenario in der Liga diskutiert worden“, sagte Thomas Röttgermann. „Das Ziel bleibt weiterhin, im Mai mit dem Spielbetrieb ohne Zuschauer wieder starten zu können. Und die jetzige Beschlusslage schließt erfreulicherweise ja nicht aus, dass ab September wieder Großveranstaltungen stattfinden könnten – und dies empfinde ich als ermutigend.“

Vorerst gilt für die Klubs: Geisterspiele sind zwar undankbar, man nimmt sie aber mit Kusshand. Weil dann die für manche Klubs offenbar überlebensnotwendigen Fernsehgelder gezahlt würden. Der Verein, der wie kein zweiter in diesen Wochen offen und in der Öffentlichkeit über seine Existenzängste Auskunft gibt, ist Schalke 04. So bekannte Finanzvorstand Peter Peters in dieser Woche via Facebook: „Wie alle anderen, mache auch ich mir Sorgen. Auf einmal stellen wir fest: Wenn der Fußball nicht mehr da ist, wenn die 22 Spieler nicht mehr gegen den Ball treten, dann bleibt uns wenig, dann bleibt uns vielleicht sogar nichts.“

Wie ernst die Lage für Königsblau ist, legt ein Bericht des „Kicker“ nahe. S04 fiebere, heißt es dort, dem 2. Mai entgegen, weil dann die vierte und letzte Rate dieser Saison aus den wichtigsten TV-Verträgen fließen soll. Für Schalke gehe es um 15,892 Millionen Euro. 15,892 Millionen, die über Wohl und Wehe entscheiden könnten.

Die beiden Polizeigewerkschaften in NRW stehen möglichen Geisterspielen der Bundesliga ab Mai derweil skeptisch gegenüber. „Derartige Veranstaltungen, welche auch mit gebündelten Anreisen von Fangruppen einhergehen, würden uns schon vor personelle Herausforderungen stellen“, sagte Erich Rettinghaus, NRW-Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), unserer Redaktion. Die Sorge vor Fans, die sich vor Stadien versammeln könnten, treibt ihn besonders um. „Sollte es zu Geisterspielen kommen, ist sicherzustellen – und da kann man nur an die Vernunft der Fans appellieren – dass diese sich nicht im öffentlichen Raum, zum Beispiel vor Stadien, treffen. Da sind die Vereine auch gefordert, das zu unterbinden und mit den Fans vorab in Kontakt treten.“

Michael Maatz, stellvertretender NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußert sich noch kritischer: „Für die Dauer der Kontaktsperre dürfen keine Geisterspiele stattfinden. Das Ansteckungsrisiko muss auch für Spieler und Schiedsrichter, aber auch für Mannschaftsbetreuer und Mitarbeiter der Stadien und Rundfunk- und Fernsehanstalten minimiert werden“, sagte er.

Auch der Essener Virologe Ulf Dittmer hält Geisterspiele für problematisch. So äußerte er Zweifel, ob die angeblich alle drei Tage geplanten Tests von Profis und Betreuern auf das Coronavirus „ethisch vertretbar“ sind: „Wir haben keine unendlichen Testkapazitäten. Wir müssen unsere Tests so vernünftig einsetzen, dass sie denjenigen Personen, die sie wirklich benötigen, zugute kommen. Das sehe ich sehr kritisch, wenn sich die Ressourcen für die Tests nicht deutlich verbessern“, sagte Dittmer. (mit dpa)