Chemnitzer FC: Daniel Frahn und Klaus Siemon verurteilen rassistische Beleidigungen

Rassismus beim Chemnitzer FC : „Die Fanszene hat total versagt“

Insolvenzverwalter Klaus Siemon vom Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC hat die jüngsten rassistischen und antisemitischen Beleidigungen einiger CFC-Fans scharf kritisiert. Auch der entlassene Ex-Kapitän Daniel Frahn äußerte sich.

Insolvenzverwalter Klaus Siemon vom Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC hat die jüngsten rassistischen und antisemitischen Beleidigungen einiger CFC-Fans scharf kritisiert. "Dies sind unglaubliche, unfaire Entgleisungen gegen das eigene Team. Die Fanszene, die versucht, dies zu relativieren, hat total versagt", sagte der 60-Jährige im Interview mit dem kicker.

Beim Auswärtsspiel am Samstag bei Bayern München II (2:2) waren aus dem Chemnitzer Fanlager Rufe wie "Thomas Sobotzik, du Judensau" oder "Daniel Frahn ist wenigstens kein Neger" zu hören gewesen.

Der Sportliche Leiter Sobotzik kämpft seit Monaten gegen die rassistischen Kräfte im Verein an, Ex-Kapitän Frahn wurde wegen seiner angeblichen Nähe zu rechtsextremen Fan-Gruppierungen suspendiert.

Die Mannschaft verzichtete auf den sonst üblichen Gang vor die Anhänger, der Klub bezeichnete die Äußerungen in einer Pressemitteilung als "widerlich". Sobotzik wollte am Montag Strafanzeige gegen Unbekannt stellen. Klubsprecher Steffen Wunderlich tat dies bereits bei der Polizei Chemnitz, nachdem er von einem Fan auch körperlich attackiert worden war.

Auch Frahn hielt sich strafrechtliche Schritte vor. Der entlassene Profi wehrte sich erneut dagegen, "als Sympathisant von rechtsradikalen Gruppierung dargestellt oder mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht zu werden", wie der 32-Jährige auf seiner Facebook-Seite schrieb. Er sei zuletzt "diffamiert, beleidigt und sonst unzutreffend dargestellt" worden. Zu den jüngsten Entgleisungen von einem Teil der CFC-Fans schrieb Frahn: „Diese unzumutbaren Äußerungen von Teilen des Fan-Anhangs, bei denen Spieler und Verantwortliche beleidigt, rassistisch oder antisemitisch verunglimpft werden, sind vollkommen inakzeptabel - diese Personen gehören vom Verein ausgeschlossen.“

"Natürlich geben mir all diese Ereignisse zu denken", sagte Siemon. Auch er sei "zum Ziel des Hasses in der Südkurve" geworden. Doch den Kampf für mehr Toleranz will die Klubführung nicht aufgeben. "Wir - und da meine ich das sportliche Führungsteam um Geschäftsführer Thomas Sobotzik, Chefcoach David Bergner, Co-Trainer Sreto Ristic und meine Person sowie die Gesellschafter - sind mit dem klaren Auftrag angetreten: Die GmbH ist ein Bollwerk gegen Rechtsradikalismus", sagte Siemon: "Dafür stehen und kämpfen wir. Gerade deshalb werden wir bekämpft!"

Auch Daniel Maaß, der seit Anfang Juni als Anti-Rassismus-Beauftragter im Klub arbeitet, gab zu: "Eine deutlich wahrnehmbare Reaktion aus der Fanszene gibt es zurzeit nicht, die Gegenbewegung konzipiert sich gerade erst. Eine schnelle Lösung wird es in Chemnitz nicht geben."

Der Verein sieht sich angesichts der brisanten gesellschaftspolitischen Gemengelage in Chemnitz, wo sich am Montag der gewaltsame Tod von Daniel H. beim Stadtfest mutmaßlich durch einen in erster Instanz zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilten Syrer jährte, teilweise überfordert. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verurteilte die Vorkommnisse zwar scharf und kündigte Ermittlungen an, doch manche wünschen sich ein noch aktiveres Engagement der Verbandes.

Der Chemnitzer FC muss derweil mit dem immensen Imageschaden leben, der Kampf ums finanzielle Überleben wird dadurch weiter erschwert. "Kurzfristig ist das eine Katastrophe für unser Image", sagte Maaß dem SID: "Entscheidungen können immer kontrovers gesehen werden. Aber hier richten sogenannte Fans einen massiven Schaden am Klub an und demaskieren sich selbst."

Der DFB hatte bereits am Sonntag angekündigt, Ermittlungen aufzunehmen. Dabei wollen die CFC-Verantwortlichen den Kontrollausschuss mit allen Kräften unterstützen. Eine Geldstrafe droht dem CFC dennoch, denn der Club ist laut Rechts- und Verfahrensordnung des DFB für das Verhalten seiner Anhänger verantwortlich. Möglich ist hier laut §9 eine Strafe zwischen 18 000 und 150 000 Euro.

(sid/dpa/cbo)
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