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Totti - Il Capitano: Serie über Francesco Totti vom AS Rom

„Totti – Il Capitano“ : Der schmerzhafte Abschied des Francesco Totti

Eine sehenswerte TV-Serie erzählt die Karriere der italienischen Fußball-Legende Francesco Totti. Im Mittelpunkt steht der schwere und späte Abschied vom AS Rom.

Die Szene, die den Ton dieser Serie am besten wiedergibt, ist die mit dem Papst. Johannes Paul II. schreitet bei einer Audienz eine Reihe von Menschen ab. Plötzlich bleibt er stehen. Er dreht sich um und geht zurück zu einem Jungen namens Francesco, auf den sogleich ein Lichtstrahl niedergeht. Der Papst segnet das Kind, und eine Stimme aus dem Off sagt, dass dieser Junge zwar wirklich mit einer „Superpower“ ausgestattet sei, aber das mit dem Licht sei dann vielleicht doch too much.

„Totti – Il Capitano“ heißt der Sechsteiler, der bei Sky die Karriere der italienischen Fußball-Legende Francesco Totti erzählt. Das ist eine stellenweise ziemlich schräge, bisweilen arg detaillierte, aber durchweg tolle Produktion. Sie basiert auf der Autobiographie des heute 45-jährigen gebürtigen Römers, der 27 Jahre für den AS Rom aufs Feld lief und in 619 Spielen 250 Tore schoss. Erzählt wird also allein Tottis Sicht der Dinge, das sollte man wissen, denn im Mittelpunkt steht ein Konflikt, der das Finale dieser außerordentlichen Karriere überschattete.

 Pietro Castellitto als Francesco Totti.
Pietro Castellitto als Francesco Totti. Foto: obs/MailaIacovelli-FabioZayed

AS Rom verpflichtete 2016 Luciano Spalletti als Trainer. Er hatte die Mannschaft schon einmal betreut, zwischen 2005 und 2009, und damals war Totti auf der Höhe seiner Fähigkeiten gewesen. Er wurde 2006 Weltmeister, im Jahr danach Europas bester Torschütze. Er war Roms Kapitän, und Trainer und Spieler bezeichneten einander als Freunde. Totti freute sich also über die Rückkehr Spallettis. Umso heftiger traf ihn, dass der seinen früheren Lieblingsspieler nun kritisierte, mit Missachtung strafte und kaum mehr aufstellte.

Totti war ein Denkmal, er hatte hochdotierte Angebote von Madrid, Manchester und Mailand abgelehnt. Es gibt auf diesem Niveau keinen Star, der so lange derselben Mannschaft treu geblieben ist. Aber er war inzwischen fast 40, hatte nach einer schweren Verletzung Schrauben im Fußgelenk und einen Kreuzbandriss überwunden. Er forderte, dennoch spielen zu dürfen: „Du verjagst mich aus meinem Haus?“ Spalletti blieb hart: „Ich trainiere Rom, nicht Totti.“

Die Serie zeigt die Schattenseite der Star-Kultur im Fußball. Natürlich ist das ein Luxusproblem, wenn einem Multi-Millionär der Weg auf den Platz verwehrt wird. Ihn packt es dennoch existenziell, weil es nun mal sein Leben ist. Totti hadert, fühlt sich schwach, er kann mit der Situation nicht umgehen. Und er begegnet ihr auf seine Weise: Wenn er kurz vor Schluss doch mal eingewechselt wird, glänzt er. Einmal dreht AS Rom innerhalb von zwei Minuten durch seine beiden Tore einen 1:2-Rückstand.

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Hauptdarsteller Pierre Castellitto sieht zwar zu null Prozent wie Totti aus. Dennoch lässt er das Publikum in den Kopf Tottis blicken. Und so wird klar, dass da einer einfach nicht aufhören mag, weil er sich davor fürchtet, dass seine Kindheit nun wirklich endet. Die aktive Zeit ist ein paradiesischer Zustand, den der zur Trägheit neigende Totti um jeden Preis erhalten möchte. Schön ist die Szene, in der er sich darüber aufregt, dass ein Mitspieler sich zur Ruhe setzt: „Er ist doch erst 35!“

Die Handlung wird durch Rückblenden zu den großen Momenten der Vergangenheit unterbrochen, etwa zur Meisterfeier 2001. Regisseur Luca Ribuoli spielt Dokumaterial zu, man sieht also oft den echten Totti, und auch Kollegen wie Pirlo und Del Piero geben Kommentare ab. Das macht die Produktion dynamisch, lässt sie als Hybrid zischen Doku und kommentierender Nacherzählung wirken. Von seiner Frau, der TV-Moderatorin Ilary Blasi, überzeugt, macht Totti schließlich doch Schluss. Den Anfang seiner Abschiedsrede schreibt sie.

Am 28. Mai 2017 gibt Totti seinen Abschied, 75.000 Fans sehen zu. „Ohne Totti fehlt Rom die Sonne“, kommentiert eine Reporterin, „Rom ist tot“ eine andere. Wer nun angefixt ist von der Geschichte Tottis von dieser stoischen Person, die so angenehm geradeaus ist, sollte sich die begleitende Dokumentation „Mein Name ist Francesco Totti“ bei Sky ansehen. Sie basiert ebenfalls auf der Autobiographie. Und der Charme dieser Sendung besteht darin, dass Totti die Bilder seiner Karriere offenbar ohne Drehbuch kommentiert. Dabei purzeln ihm großartige Sätze aus dem Mund: „Dieser Schuss ist ein Liebesbrief an meine Fans.“ Oder der über ein Spiel der Vereinsjugend, bei dem die Eltern ihre Kinder recht robust anfeuerten: „Sie riefen: Brecht ihnen die Beine.“

Beide Produktionen setzen sich angenehm ab von den Auftrags-Dokus über große Vereine und verdiente Spieler, die zuletzt von den Streaming-Diensten angeboten wurden. Bei Totti geht es nämlich durchaus selbstironisch zu. Ähnliche Spielserien sind in Planung, Ende Oktober erscheint die nächste über Maradona bei Amazon Prime.

Der echte Totti gründete nach dem Karriereende übrigens eine Spielerberatung. Soeben hat er Barcas 17 Jahre altes Talent Toni Caravaca unter Vertrag genommen.