Superstar will FC Bayern stoppen: Rooney – Kraftwerk aus Manchester

Superstar will FC Bayern stoppen: Rooney – Kraftwerk aus Manchester

München (RP). Der Fußballstürmer mit dem bulligen Körper hat in der Premier League schon 26 Tore erzielt. Er bestreitet die Saison seines Lebens. Und um ihn dreht sich das Spiel des englischen Meisters, der heute Abend in Europas Königsklasse beim FC Bayern antritt.

Da sind diese hellblauen, wachen Augen. Ganz unschuldig können sie in die Gegend schauen, aber auch eiskalt. Alles Ansichtssache. Sie stecken in einem ziemlich kantigen Schädel, der auf einem breiten Nacken sitzt. Weiter südlich erstreckt sich ein Körper aus reiner Muskulatur. Wayne Rooney hat die Figur, die zum Beruf seines Vaters passen würde. Der war ein Preisboxer. Aber Rooney ist Fußballer. Nicht nur nach der Meinung von Carlo Ancelotti, der Michael Ballacks Klub FC Chelsea trainiert, "derzeit der beste Fußballer der Welt". Trotz Cristiano Ronaldo, der in Madrid sein Geld verdient, trotz Lionel Messi, der die Fans in Barcelona verzückt.

Heute Abend beim Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale bei Bayern München (20.45 Uhr/Live-Ticker) will der Stürmer von Manchester United gern beweisen, dass Ancelotti keiner Fehleinschätzung unterlegen ist.

Saison seines Lebens

Die Wahrscheinlichkeit, dass Ancelotti irrt, ist gering. Denn Rooney spielt die Saison seines Lebens. Seit es den Kollegen Ronaldo von Manchester zu den noch praller gefüllten Geldtöpfen bei Real gezogen hat, ist Rooney der Mann, um den sich das Spiel von United dreht. 26 Tore hat er in dieser Saison allein in der Premier League erzielt, in 28 Spielen, das ist sein ganz persönlicher Rekord. Und damit begeistert er auch seinen mit Lobeshymnen eher sparsamen Trainer Sir Alex Ferguson. "Rooney", sagt der knorrige Schotte, "ist der beste junge Spieler der vergangenen 30 Jahre."

Das hat der Angreifer auch seinem bulligen Körper zu verdanken. Er setzt ihn in den bei den britischen Fußballfreunden besonders beliebten Zweikämpfen ein, er behauptet sich damit im Strafraum, und es ist für keinen Abwehrspieler auf dem Globus das reine Vergnügen, an dieses Kraftwerk zu geraten. Begegnungen mit Rooney schmerzen. Körperlich manchmal, psychisch fast immer. Denn er gehört zu jenen Stürmern, die bei Verteidigern ein angestrengtes Grübeln darüber auslösen können, ob ihre Berufswahl denn die richtige gewesen sei. "Ist er auf etwas fokussiert, ist er einfach nicht zu stoppen", hat Gerard Piqué, der Defensivmann vom FC Barcelona, dem Fachblatt "Kicker" gesagt, "ich habe noch nie einen Spieler mit solcher Power gesehen."

"Ich war jung"

Es gab Zeiten, da hat Rooney seine Energie verschleudert. Er galt als Raufbold, als schwer erziehbarer Bruder im Geiste des nicht minder talentierten Paul Gascoigne. Rooney war leicht entflammbar, ein paar gezielte Provokationen reichten aus, und der Sohn eines Boxers bewies, dass er gewiss mit den Genen des Vaters gesegnet ist. "Ich war jung", sagt er heute, "ich bin reifer geworden."

Tatsächlich hat sich der Stürmer zu einer Fußball-Persönlichkeit entwickelt, wie sie gerade auf der Insel geschätzt wird – knallhart und erfolgsorientiert auf dem Platz, ohne Schauspieler-Allüren und völlig uneitel in der Selbstdarstellung. "Jeder weiß, dass ich ein fairer Spieler bin", erklärt Rooney, "natürlich freue ich mich über Tore, aber ich bin ein Teamplayer." Als nimmermüder Assistent der Ballerina Ronaldo hat er das bewiesen.

So erstaunlich schüchtern er außerhalb des Rasens auftritt, so erfolgsbesessen geht er auf dem Platz zur Sache. Vielleicht aus Angst. "Ich will gewinnen", hat er dem "Kicker" verraten, "weil sonst die Kabine kein Ort ist, an dem man mit Ferguson zusammen sein will." Das ist nicht so dahingesagt. Schließlich kennt jeder bei United die Geschichte, wie Ferguson einst aus Wut einen Schuh durch den Umkleideraum trat. Ergebnis war eine Platzwunde am Kopf von David Beckham. Darauf kann Rooney gern verzichten.

(RP)
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