TV-Rechte in der Champions League: Kerner: Dann zeigen wir eben anderen Fußball

TV-Rechte in der Champions League : Kerner: Dann zeigen wir eben anderen Fußball

Köln (RPO). Die Ironie des Schicksals: Wenige Stunden nachdem Sat.1 die Champions-League-Rechte ab 2012 verloren hatte, zeigte der Sender das unfassbare 5:2 der Schalker in Mailand. Für Moderator Kerner war es das "verdiente Glück des Tüchtigen".

Das Schicksal muss einen echt miesen Tag gehabt haben. Erst ließ es Sat.1 bei der Neuvergabe der Champions-League-Rechte ins Leere laufen und als Zugabe, um das Messer nochmal genüsslich in der offenen Wunde zu drehen, gab's wenige Stunden später dieses 5:2 der Schalker in Mailand. Als ob die Königsklasse sagen wollte: "Das entgeht Euch demnächst. Warum habt Ihr nicht mehr für mich geboten?"

"Manchmal kriegt man ein kleines Geschenk"

Nach Mitternacht war die Sat.1-Crew essen. Große Runde. Franz Beckenbauer saß am Tisch, Moderator Johannes B. Kerner, Sportchef Sven Froberg. Rund 20 Mann. "Vor der Partie waren alle etwas bedröppelt wegen der Rechte-Entscheidung", berichtet Kerner: "Aber danach haben alle nur noch über dieses Spiel gesprochen. Sowas habe ich in 25 Jahren noch nicht erlebt. Das war das verdiente Glück des Tüchtigen. Manchmal kriegt man ein kleines Geschenk - dieses Mal haben wir ein großes bekommen."

Entsprechend groß zelebrierte Sat.1 das "Wunder von Mailand". Noch während des Spiels rief Sportchef Froberg vom Spielfeldrand aus Geschäftsführer Andreas Bartl an und feilschte um ein paar Minuten mehr Sendezeit für die Nachberichte. Er bekam 25 Minuten. Im Fernsehen eine Ewigkeit. Der Lohn: Gut neun Millionen Zuschauer in der Spitze. "Das zeigt, was für Enthusiasten hier am Werk sind und daher bin ich sicher, dass wir noch gute Übertragungen machen werden", so Kerner.

"Es ist Teil des Spiels"

22 Übertragungen noch, um genau zu sein. Ab 2012/13 überträgt dann Kerners ehemaliger Arbeitgeber ZDF die Champions League. "Es ist Teil des Spiels, dass Rechte wechseln", sagt Kerner heute sehr gelassen zu der momentan ungewissen Perspektive für Sat.1: "Ich habe aber das Gefühl, dass es Sat.1 sehr ernst mit der Marke ran und dem Wunsch nach Rechten meint. Dann müssen wir künftig eben anderen Fußball zeigen, und ich bin optimistisch, dass da was geht."

"Wir werden uns für Sat.1 jetzt um andere Spitzenfußballrechte bemühen", hat Andreas Bartl, TV-Vorstand der ProSiebenSat.1-Gruppe, bereits angekündigt. Die Europa League, an der Sat.1 ebenfalls noch bis Ende der Saison 2011/12 die Rechte hat, wird er damit kaum gemeint haben, eher den DFB-Pokal oder Länderspiele. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird beides in diesem Jahr noch ausschreiben.

Relativ leicht zu bekommen sind die Auswärts-Länderspiele des DFB, weil diese jeweils einzeln durch den gastgebenden Rechteinhaber verkauft werden. Zweimal hat Sat.1 solche Länderspiele schon übertragen: 1996 Niederlande gegen Deutschland mit dem jungen Johannes B. Kerner als Moderator und 2001 das WM-Qualifikationsspiel Ukraine gegen Deutschland. Mit 14,04 Millionen Zuschauern und 52,6 Prozent Marktanteil hält das bis heute den Senderrekord.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Johannes B. Kerner

(SID/can)