FC Schalke 04 gegen Galatasaray Istanbul: Tausende Gästefans bei Rückspiel

Champions League : Galatasaray hat ein Heimspiel auf Schalke

Am Dienstag tritt Galatasaray Istanbul beim FC Schalke an. Die Veltins-Arena wird dann zu großen Teilen in türkischer Hand sein. Die Fans sind berüchtigt.

Mehr als 120 Dezibel sind im Stadion Türk Telekom Stadyumu in Istanbul bereits gemessen worden. Das muss man sich mal vorstellen: Knapp 50.000 Fans von Galatasaray, die bei Heimspielen im Stadion sind, können so ohrenbetäubend laut werden wie eine Kettensäge, ein Presslufthammer, ein Gewitterdonner. Im Auswärtsspiel in der Gruppenphase der Champions League hat der FC Schalke 04 das bereits unbeschadet überstanden (0:0). Nun gastiert der Rekordmeister der türkischen Süper Lig zum Rückspiel. Es sieht alles danach aus, dass Tausende Fans des türkischen Klubs das Duell in Gelsenkirchen zum Heimspiel für die „Aslanlar“ (die Löwen) machen.

Einen Vorgeschmack auf den Andrang, der am Dienstag (21 Uhr/Sky) droht, hat Schalke bereits Anfang September bekommen. Zunächst brach der Online-Ticketverkauf für das Spiel in Gelsenkirchen zusammen. Eine virtuelle Menschenmenge von mehr als 80.000 Personen hatte sich auf die Website geschaltet – trotz der Hinweise, dass der Vorverkauf S04-Mitgliedern vorbehalten war. Anschließend verlagerte sich der Run auf die Karten in die echte Welt: Vor der Arena in Gelsenkirchen hatten rund 1700 Galatasaray-Fans versucht, Karten zu kaufen. Einige hätten gar in Autos auf dem Vereinsgelände übernachtet, berichteten Medien. Drängeleien und Handgreiflichkeiten führten dazu, dass der Klub die Polizei rief. Mit 13 Einsatzwagen rückten die Beamten an. Auch deswegen hat die Polizei die Begegnung als Hochrisikospiel eingestuft.

Die Fans vom Bosporus sind berühmt-berüchtigt. Auf Schalke haben sie bereits 2013 einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vor knapp fünf Jahren hatte Galatasaray das CL-Rückspiel auf Schalke mit 3:2 gewonnen. Nach dem 1:1 im Hinspiel reichte das zum Weiterkommen. Pyrotechnik und laute Anfeuerungsrufe waren zu hören. Es kam einem gar so vor, als wäre die halbe Arena in Rot und Gelb gefärbt worden. Damals hatte es noch den unglaublichen Vorfall gegeben, dass Galatasaray-Fans versucht hatten, mit bloßen Händen einen Tunnel zu graben, um noch in die Arena zu kommen. Die Polizei verhinderte das.

Seckin Köse glaubt, dass es auch diesmal einige geben könnte, die noch ohne Karte sind, am Abend aber noch ins Stadion wollen. Der Vorsitzende des Galatasaray-Fanklubs Hohenlohe bei Stuttgart kennt sich in der Fanszene des Klubs bestens aus.

„Galatasaray hat 18 Fanklubs mit rund 30.000 Mitgliedern allein in Deutschland“, sagt Köse. Die größten Gruppen gebe es in Köln, Stuttgart und Hamburg. „Auf Schalke werden Fans aus ganz Europa mit dabei sein – aus Schweden, Rumänien, Belgien oder Luxemburg, sie kommen von überall her“, sagt Köse. Der 46-Jährige ist türkischer Abstammung, aber gebürtiger Deutscher. Seine Faszination für den Istanbuler Klub erklärt er unter anderem mit der Nähe, die die Klubführung ihren Anhängern gewährt. Vor anderthalb Wochen habe die Klubführung zu einem Treffen eingeladen. Die Vorstände sämtlicher Fanklubs in Europa waren eingeladen, „und alle sind der Einladung gefolgt“, berichtet Köse. In Istanbul habe er mit den Gleichgesinnten auch über die Treffpunkte in Gelsenkirchen gesprochen.

Köse war 2013 schon im Schalker Stadion. Auch diesmal erwartet er eine Heimspiel-Atmosphäre für das Team von Trainer Fatih Terim: „Ich denke, dass bis zu 20.000 rot-gelbe Löwen-Fans kommen.“

Köse wird in einem besonderen Block stehen. In dem mit der größten Ultra-Gruppierung, die es weltweit im Fußball gibt: Die „UltrAslan“ sind in 60 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten. Diese Ultras, sagt Köse, gehen nicht nur zum Fußball, sondern auch zu Volleyball,- Basketball- oder Wasserballspielen von Galatasaray.

Beim Ticketverkauf sei die Gruppe ebenfalls eine zentrale Anlaufstelle. Laut der Schalker Medienabteilung wurden knapp 3000 Karten an Gästefans verkauft. „Wir gehen aber natürlich davon aus, dass deutlich mehr Fans sowohl im Stadion als auch in der Stadt sein werden. Eine genaue Zahl zu nennen würde sich eindeutig im Bereich der Spekulation bewegen“, teilt die Pressestelle mit, die das auch mit den vielen im Ruhrgebiet lebenden türkischstämmigen Mitbürgern begründet. Auf dem Schwarzmarkt geht es ganz hoch her: Mehr als 300 Euro verlangen Verkäufer für Tickets, die regulär etwa 50 Euro kosten.

Der FC Schalke hat sowohl auf Türkisch als auch auf Deutsch in einem offenen Fanbrief auf besondere Sicherheitsvorkehrungen hingewiesen. Es gibt zentrale Treffpunkte für Gästefans und Service-Points der Polizei. Und es gibt den Hinweis, dass sowohl die Weitergabe und der Verkauf von Tickets an Fans der gegnerischen Mannschaft als auch ein überteuerter Weiterverkauf gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen.

Auf der Tribüne wird um die Hoheit gebuhlt, auf dem Fußballrasen sowieso. Schalke, aus dessen Sicht das 0:0 in Istanbul ärgerlich war, feierte in der Liga zuletzt zwei Siege und zog ins DFB-Pokalachtelfinale ein. Gala kam zwar am Wochenende nicht über ein 2:2 beim Erzrivalen Fenerbahce Istanbul hinaus, belegt aber Platz zwei der Liga.

In dem Fanbrief wiesen Klub und Polizei auch darauf hin, dass beim Mitführen von Pyrotechnik kein Einlass gewährt werde. Erst der Abend wird zeigen, ob das gelingt.

Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Version dieses Textes berichteten wir unter Berufung auf ein Video, dass Galatasaray-Anhänger in Gelsenkirchen Pyrotechnik abbrannten. Die Polizei teilte am Abend mit, dass es sich bei dem Video um eine Fälschung handelt. Wir haben den Text deshalb noch einmal geändert und bitten um Entschuldigung.

(ball)
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