FC Liverpool: Fans ärgern sich über Aussagen von Campino

Kult oder Kommerz? : Fans ärgern sich über Aussagen von Campino zum FC Liverpool

Vor dem Achtelfinal-Hinspiel zwischen Liverpool und dem FC Bayern hat der „Tote Hosen“-Frontmann Campino einen Shitstorm ausgelöst. Für den bekennenden Liverpool-Fan haben die „Reds“ nichts mit Kommerz zu tun.

Wenige Minuten vor dem Anpfiff des Achtelfinal-Hinspiels in der Champions League zwischen Liverpool und dem FC Bayern (0:0) wurde der „Tote Hosen“-Frontmann Campino von Sky interviewt. Der 56-Jährige, bekennender Fan des FC Liverpool, schwärmte von der familiären Atmosphäre, die bei den „Reds“ herrsche. Für ihn sei Liverpool ein Premier-League-Klub, bei dem der ganz große Kommerz noch nicht Einzug erhalten habe, sagte Campino.

Diese Worte reichten aus, um bei den Fußball-Fans eine Welle der Empörung auszulösen. Bei Twitter entwickelte sich umgehend ein Shitstorm gegen den Musiker.

„Kein Kommerz bei Liverpool, hier ist alles eine große Familie. Ob der Vollpfosten sich auch mal selber hört?“, fragte sich ein aufgebrachter User. Ein weiterer meinte: „Liverpool und kein Kommerz? Wahrscheinlich sind die Toten Hosen auch noch echte Punks.“ Der nächste wollte ihm am liebsten gar nicht erst zuhören: „Bei Campino mach ich den Ton weg.“

Bayern-Fans protestieren in Liverpool gegen die Ticket-Preise. Foto: dpa/Peter Byrne

Die Fans haben in der Frage nach Kult oder Kommerz eine klare Meinung: An der Anfield Road hat demnach schon lange der Kommerz die Oberhand gewonnen.

Seit 2010 befindet sich der Klub im Besitz der „Fenway Sports Group" (FSG). US-Milliardär John W. Henry und der ehemalige TV-Produzent Tom Werner stehen an der Spitze des Unternehmens, welches rund 300 Millionen Pfund (etwa 400 Millionen Euro) für den Traditionsklub zahlte. Ein Schnäppchenpreis. Denn laut dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ ist der englische Topklub heute 1,72 Milliarden Euro wert.

Auch ein Blick auf die Transferausgaben des FC Liverpool genügt, um zu verstehen, warum die Fans die Aussagen von Campino nicht nachvollziehen können. Allein vor der Saison 18/19 gaben die „Reds“ für Alisson Becker (62,5 Millionen Euro), Fabinho (45 Mio.), Xherdan Shaqiri (14,7 Mio.) und Naby Keita (60 Mio.) 182,2 Millionen Euro aus - nur Juventus Turin war europaweit spendabler.

Selbst bei Trainer Jürgen Klopp, der sich im August 2016 noch vehement über die Verhältnismäßigkeit der immer weiter steigenden Ablösesummen ausgelassen hatte, scheint mittlerweile ein Umdenken stattgefunden zu haben. Nachdem Manchester United 2016 105 Millionen Euro für Franzosen Paul Pogba ausgegeben hatte, übte Klopp noch deutliche Kritik: „Muss ich das anders machen? Tatsächlich will ich das anders machen. Das würde ich sogar tun, wenn ich mehr Geld ausgeben könnte", hatte der 51-Jährige damals gesagt: „An dem Tag, an dem das Fußball ist, werde ich meinen Job nicht mehr machen.“ Aussagen, die im knapp zwei Jahre später einholen. Laut Klopp habe sich die Welt seitdem aber „komplett verändert“ - auch in Liverpool.

Das liegt zum einen an der immer stärker werdenden Konkurrenz, zum anderen an der Sehnsucht nach einem Titel. Liverpools letzte Meisterschaft liegt bereits 28 Jahre zurück. Der letzte Titel, der Triumph im Ligapokal, datiert aus dem Jahr 2012 Ein neues Erfolgserlebnis ist da längst überfällig - koste es, was es wolle. Das weiß auch Klopp, dem die Erwartungshaltung bewusst ist: „Es liegt in meiner Verantwortung, mit diesem Klub so erfolgreich wie möglich zu sein. Es geht nicht darum, meine Gedanken durchzusetzen und zu sagen, wir wollen keine teuren Spieler kaufen oder große Summen bezahlen, und am Ende ist Liverpool nicht erfolgreich. So funktioniert das nicht.“

(old)
Mehr von RP ONLINE