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FC Bayern München: Immer weiter? Nicht gegen Real Madrid!

Champions-League-Halbfinale : Bayerns Hölle, das ist Real

Der Leberkäs-Verkäufer im Münchner Hauptbahnhof erwies seinem Fastfood-Kollegen einen großen Dienst, als er ihm am Spätnachmittag dringend davon abriet, noch schnell bei einem Wettanbieter einen hohen Geldbetrag aufs Weiterkommen des FC Bayern zu setzen. Denn nichts ist es geworden mit dem Einzug ins Finale der Champions League. Nicht einmal ein Sieg über Real Madrid ist herausgesprungen. Nach acht meist knappen Siegen und einem Unentschieden bezogen die Münchner beim 0:4 (0:3) ihre erste Heimniederlage überhaupt gegen Real. Und was für eine!

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte den Spaniern die Hölle von Fröttmaning versprochen. Die Stadionregie untermalte diesen arg simplen Spruch mit AC/DCs "Highway to hell" und Wolle Petrys Schlagerklassiker über "Wahnsinn" und "Hölle, Hölle, Hölle". Doch es war nicht mehr als Theaterdonner, was die Münchner boten. Es war eher Wahnsinn, was sie brachten. Und das Olli-Kahn-Mantra "Immer weiter", das zur aufwändigen Choreografie vor dem Anpfiff gehörte, blieb eine leere Phrase angesichts der rätselhaft schwachen Vorstellung auf dem Platz.

Die Spieler steckten sich mit ihrer Unsicherheit gegenseitig an. Von den so wichtigen Automatismen war nicht viel zu sehen. Toni Kroos, die Innenverteidiger Dante und Jerome Boateng wirkten verkrampft. Sogar Torhüter Manuel Neuer leistete sich Fehler um Fehler. Angebote, wie sie die Münchner in der ersten halben Stunde zuhauf machten, schlagen die Madrilenen ungern aus. Gerade die guten, alten Standardsituationen, die sie auf dem Silbertablett serviert bekamen, wussten sie zu nutzen. Nach einem schlichten Eckball und nach einem Freistoß gelangen Abwehrspieler Sergio Ramos per Kopfball die ersten beiden Tore (15./20.).

Angesichts der 0:1-Niederlage im Hinspiel hätten die Gastgeber damit schon vier Treffer erzielen müssen, um zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren ins Endspiel des wichtigsten Klubwettbewerbs der Welt einzuziehen. Sie steckten zwar nicht auf, doch Zwingendes brachten sie kaum zu Stande. Die Qualitäten der Spanier bei Kontern sind hinlänglich bekannt. Doch wie Gareth Bale und Cristiano Ronaldo, die beiden teuersten Spieler des Planeten, vor dem 3:0 des Portugiesen über den Platz fegten, das hat die Welt noch selten erlebt (34.).

Die Königlichen, die zwölf Jahre nach dem Finalsieg gegen Bayer Leverkusen endlich ihren zehnten Finalsieg im Landesmeistercup bzw. in der Champions League feiern wollen, präsentierten sich als ein von Carlo Ancelotti prächtig austariertes Ensemble. Der zartgliedrige Kroate Luka Modric gab ihrem Spiel als giftiger Mr. Überall den Takt. So ein Typ fehlte den Münchnern. Toni Kroos hatte zu viel mit sich selbst zu tun, und Bastian Schweinsteiger fand keinen rechten Zugriff auf die Partie. Franck Ribery hatte zuletzt in der Bundesliga deutliche Aufwärtstendenz gezeigt, gestern Abend aber fiel er im Wesentlichen durch Scharmützel mit seinen Gegenspielern auf.

Pep Guardiola lag mit seiner extrem offensiven Formation falsch. Erst zur Pause, als es zu spät war, korrigierte er sich — er nahm den wie im Hinspiel wirkungslosen Mario Mandzukic vom Feld, brachte den Defensivmann Javi Martinez als Stabilisator und schob Thomas Müller aus dem Mittelfeld in die vorderste Linie. Doch ein Ansatz, um das größte Comeback in der Geschichte der Champions League zu packen, konnte das auch nicht mehr sein. Fünf Tore hätten die Bayern zu diesem Zeitpunkt bereits erzielen müssen. Ein paar Fernschüsse, einige Strafraumszenen — mehr sprang nicht heraus.

Ronaldos Freistoß zum 4:0 in der 90.Minute bildete den passenden Schlusspunkt für einen denkwürdigen Fußballabend, der vor allem Guardiola noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten wird.

STATISTIK

München: Neuer - Lahm, Jerome Boateng, Dante, Alaba - Toni Kroos, Schweinsteiger - Robben, Thomas Müller (72. Pizarro), Ribery (72. Götze) - Mandzukic (46. Martinez).
- Trainer: Guardiola

Real: Casillas - Carvajal, Ramos (75. Varane), Pepe, Coentrao - Alonso - Modric, Di Maria (84. Casemiro) - Bale, Benzema (80. Isco), Ronaldo. - Trainer: Ancelotti

Schiedsrichter: Pedro Proenca (Portugal)

Tore: 0:1 Ramos (16.), 0:2 Ramos (20.), 0:3 Ronaldo (34.), 0:4 Ronaldo (90.)

Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)

Beste Spieler: - Alonso, Modric, Ramos

Gelbe Karten: Dante (4) - Alonso (3)

Torschüsse: 16:13

Ecken: 9:3

Ballbesitz: 65:35 Prozent

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bayern München - Real Madrid

(areh)