FC Bayern München hadert nach Aus bei Real Madrid mit seinem Unvermögen

FC Bayern scheitert am Unvermögen: "Mats, das habt ihr euch selber zuzuschreiben"

Nach dem erneuten Aus in der Champions League schwankte die Stimmung bei den Bayern zwischen Stolz, riesiger Enttäuschung und Wut auf eigenes Unvermögen.

Nach einer kurzen Nacht, die auch noch durch einen Feueralarm im Morgengrauen gestört wurde, schlichen die Stars von Bayern München mit hängenden Köpfen durch den Flughafen Barajas in Madrid. Anstatt die Heimreise als gefeierte Final-Helden anzutreten, stiegen Pechvogel Sven Ulreich und Co. am Mittwoch erneut als gefrustete Verlierer in den Sonderflieger nach München. Nach dem "Heldentod" gegen Real schwankte die Stimmung bei der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes zwischen riesiger Enttäuschung und Wut über eigene Unzulänglichkeiten.

"In den Spielen, in denen wir ausgeschieden sind, leisten wir uns zu viele individuelle Fehler", motzte ein frustrierter Kapitän Thomas Müller nach dem 2:2 (1:1) im Estadio Bernabeu mit finsterer Miene. Das sei im Gegensatz zu Titelverteidiger Real "die fehlende Qualität in den Details". Der FC Bayern müsse sich schon die Frage stellen, "warum es in diesen Spielen nicht reicht".

Thomas Müller kritisiert eklatante Fehler

Auch Mats Hummels gab sich selbstkritisch. "Da ist auch Unvermögen dabei, wenn man beide Tore zum 2:1 sieht. Auf diesem Niveau ist das eklatant", sagte der Weltmeister. Er zielte dabei auf den fatalen Patzer von Rafinha im Hinspiel ab und die "komödiantische Einlage" (AS) von Torhüter Ulreich in Madrid. Den folgenschweren Aussetzer des 29-Jährigen nur wenige Sekunden nach der Pause nutzte der zweifache Torschütze Karim Benzema (11. und 46.) eiskalt aus.

Hummels berichtete vom kurzen Wortwechsel mit Weltmeister-Kollege Kroos. "Toni hat nach dem Spiel zu mir gesagt, Mats, das Ding haben nicht wir gewonnen, das habt ihr euch selber zuzuschreiben, dass ihr nicht im Finale seid. Und da hat er leider recht damit."

Hinten patzten die Bayern fatal. Vorne fehlten in beiden Spielen zu häufig "Zentimeter", wie es Hummels ausdrückte. Heynckes nannte die Chancenverwertung einen "Kritikpunkt", den er akzeptieren müsse. Den seit sechs Meisterjahren national nicht geforderten Bayern fehlt im Bundesliga-Alltag anscheinend der Stressfaktor großer Spiele.

Auch im fünften Jahr seit dem historischen Triple 2013 unter Heynckes bleibt den Bayern nur die bittere Zuschauerrolle, wenn Real am 26. Mai beim Finale in Kiew zum dritten Mal in Folge nach dem Henkelpott greift. Dies, so Hummels, werde "auch in zehn Jahren noch weh tun". Es sei "extrem bitter", meinte Müller schon mit Blick auf die kommende Saison, "dass der ganz Schmarrn jetzt wieder von vorne los geht".

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Überschwängliches Lob von Rummenigge

Da nutzte es auch nichts, dass Heynckes von "Werbung für den Fußball" sprach und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Spieler sowie den Trainer nach dessen letztem Spiel auf der größten Bühne des europäischen Fußballs überschwänglich lobte. Er habe "das beste Spiel gesehen, das ich mit Bayern München in der Champions League seit fünf Jahren erlebt habe".

Die Fußball-Welt, behauptete Rummenigge bei seiner Bankettrede im noblen Hotel VP Plaza Espana Design, "wird unserer Mannschaft und Jupp Heynckes höchsten Respekt zollen". Er jedenfalls habe eine "unglaubliche Leidenschaft, aber auch Mut" gesehen: "Ich habe jetzt leider keinen Hut auf. Wenn ich einen hätte, würde ich ihn ziehen und mich vor der Mannschaft verneigen."

Die Edelfans klatschten bei so viel Pathos begeistert Applaus - die Stars blickten betreten zu Boden. Bei Rummenigges Worten wurde den Profis noch einmal deutlich vor Augen geführt, welch' große Chance sie im Bernabeu verpasst hatten. Umso mehr, als Rummenigge feststellte: "Wir hatten sie am Abgrund. Das einzig Traurige ist, dass wir Real nicht in den Abgrund hineingestürzt haben."

Genau da lag das Problem. Während Real sich nicht lange bitten ließ, obwohl Superstar Cristiano Ronaldo erneut enttäuschte, waren die Bayern in den entscheidenden Momenten nicht auf der Höhe. "Weltklasse-Niveau", wie Heynckes schwärmte, war das eben nicht.

Kroos erklärte den kleinen, aber feinen Unterschied. Real besitze nach zuletzt zwei Triumphen in der Königsklasse "ein Grundbewusstsein". Ja, "die Bayern waren die bessere Mannschaft, ich habe aber nie Zweifel gehabt. Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass wir auch noch ein Tor schießen können", sagte der Weltmeister. Bei den Bayern hatte man dieses Gefühl trotz der Treffer von Joshua Kimmich (3.) und James (63.) zu selten, weil auch Torjäger Robert Lewandowski sich zwar mühte, aber erneut nie richtig gefährlich wurde.

Als Trostpreis bleibt jetzt neben der deutschen Meisterschaft noch der DFB-Pokal. "Es ist unser Ziel, dass wir zumindest das Double gewinnen", betonte Rummenigge mit Blick auf das Endspiel am 19. Mai in Berlin. Da wolle man "eine Saison abrunden, die ihresgleichen sucht".

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(areh/sid/dpa)