Champions-League-Halbfinale gegen Real: FC Bayern braucht Schweinsteiger

Champions-League-Halbfinale gegen Real : FC Bayern braucht Schweinsteiger

Im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid kommt es heute auch auf den Strategen im Mittelfeld an. Doch die Verletzungen der vergangenen Monate haben einen der besten Spieler der WM 2010 aus dem Tritt gebracht.

Ein paarmal hat der heimliche Kapitän von Bayern München jetzt den Ernstfall wieder geübt. Heute Abend (20.45 Uhr/Live-Ticker) muss er zeigen, ob er der Einschätzung seines Trainers gerecht wird. "Für mich", sagt Jupp Heynckes, "ist Bastian Schweinsteiger einer der besten Fußballer der Welt. Auf Augenhöhe mit Iniesta, Xavi und Busquets vom FC Barcelona." Auf die strategische Klasse seines Mittelfeldspielers setzt der Münchner Coach im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid. Er findet allerdings auch: "Schweinsteiger ist noch nicht wieder der Alte."

Das kann er auch nicht sein. Wie alle Mittelfeldspieler lebt Bastian Schweinsteiger nicht nur von seinem beachtlichen fußballerischen Vermögen, sondern ganz besonders von ausgeprägter Fitness. Die Verletzungspausen der jüngeren Vergangenheit haben einen der besten Akteure des WM-Turniers 2010 in Südafrika aus dem Tritt gebracht.

Deshalb war Heynckes auch nicht sonderlich begeistert, als der soeben Genesene sich im Viertelfinal-Hinspiel bei Olympique Marseille durch eine Verwarnung eine Gelbsperre fürs Rückspiel einhandelte. Was einige Experten für extrem schlau hielten, weil Schweinsteiger damit sein Gelbe-Karten-Konto vor dem Halbfinale wieder bereinigte, beurteilt sein Trainer so: "Das war gar nicht gut, er braucht Spielpraxis."

"Das war ein Schritt nach vorn"

In der Bundesliga hat er sie bekommen. Beim ernüchternden Gipfeltreffen in Dortmund (0:1) für eine halbe Stunde, beim ebenfalls nicht sehr überzeugenden torlosen Unentschieden am vergangenen Samstag gegen Mainz über die volle Distanz. "Das war ein Schritt nach vorn", meint Heynckes trotz des wenig erfreulichen Ergebnisses, "bis zum Dienstag wird er regeneriert haben."

Körperliche Frische ist nur eine wesentliche Voraussetzung im Treffen mit einer Mannschaft, deren kreatives Potenzial in Europa nur vom herzlich ungeliebten Rivalen Barcelona erreicht wird. Die Bayern brauchen darüber hinaus hohe taktische Disziplin, und es muss ihnen gelingen, die Rückschläge der vergangenen Woche aus den Köpfen zu bekommen.

Anspruchsvolle Aufgabengebiete. Schweinsteiger weiß das natürlich. Deshalb beginnt er die Vorbereitung auf die Begegnung mit Real mit einer sehr bewussten Beschwörung bayerischer Stärken. "Mit den Fans im Rücken", sagt er, "können wir viel erreichen. Ich hoffe, dass wir die Mentalität ausstrahlen, für die der FC Bayern steht."

Das vielzitierte "Mia-san-mia"-Gefühl hat zuletzt die Konkurrenz in der heimischen Liga, namentlich Borussia Dortmund, nicht so sehr erschrecken können. International sind die Münchner jedoch immer noch ziemlich hoch geschätzt — vor allem in Madrid. Die Spanier haben im Laufe ihrer ruhmreichen Geschichte gelegentlich ganz schlechte Erfahrungen mit den Bayern sammeln müssen. Und die Rede von der "Bestia Negra", der "schwarzen Bestie" steht sinnbildlich für die Furcht vor den Münchner Qualitäten.

Um auch auf dem Rasen nachhaltigen Eindruck auf das große Orchester des Dirigenten José Mourinho zu machen, muss der FC Bayern freilich schon bedeutend mehr machen, als unter Umständen mit schwarzen Trikots auf den Platz zu laufen oder die vergangenen Großtaten zu preisen. Die Münchner müssen sogar die gängigen Grenzen der Prozentrechnung neu definieren.

Schweinsteiger hat sich bereits an diese Aufgabe gemacht. "Am Dienstag geht es um alles oder nichts", erklärt der Nationalspieler, "man muss an die Substanz gehen, man muss nicht nur 100 Prozent geben, sondern darüber hinaus gehen gegen so eine Topmannschaft." Und wenn er es dann über 100 Prozent schafft, kann er sich zumindest fürs Guinness-Buch der Rekorde anmelden.

Hier geht es zur Infostrecke: Bayern gegen Real: Historie eines Klassikers

(RP/seeg)
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