Champions League: Paris Saint-Germain oder Real Madrid - einer muss gehen

Champions-League-Achtelfinale: PSG oder Real Madrid - einer muss gehen

Paris und Madrid streiten heute um den Einzug ins Champions-League-Viertelfinale. Das bedeutet auch, dass eines der beiden Fußball-Imperien schon Anfang März aus dem Turnier fliegt. Und das ist auch gut so.

Vorgezogene Endspiele haben in der Regel eine negativ besetzte Bedeutung. Weil aus demjenigen, der ein solches Duell zu einem solchen ernennt, meist das Bedauern spricht, dass das Beste diesmal nicht zum Schluss kommt. Vor dem Armdrücken der beiden Kraftprotze Paris St. Germain und Real Madrid im Achtelfinal-Rückspiel (20.45 Uhr, Sky/Hinspiel: 3:1 für Real) zeigt sich auch Welttrainer Carlo Ancelotti ernüchtert. "Es ist schade, dass zwei so große Klubs schon im Achtelfinale aufeinanderprallen", sagt Ancelotti, der in beiden Klubs tätig war. Doch der ergraute Italiener liegt mit dieser Auslegung genauso falsch wie mit so mancher Bayern-Aufstellung im Spätsommer. Denn tatsächlich ist es ein Glücksfall, dass eines dieser Fußball-Imperien die Runde der letzten acht nur noch im Fernsehsessel erleben wird und die Saison zu einem Zeitpunkt für beendet erklären muss, an dem sie eigentlich erst richtig losgehen sollte.

Es scheint, als wolle die Champions League damit eine Lektion erteilen und sagen: Mich zu gewinnen, ist nicht planbar. Man kann sich mit einem üppigen Scheckheft zwar in eine aussichtsreiche Position bringen, aber selbst mit dem Zusammenballen einer Weltauswahl keine Garantie auf den Henkelpott erkaufen. Denn wo die Besten der Besten aufeinandertreffen, entscheiden Faktoren, auf die man keinen Einfluss mehr hat. Es braucht Spielglück. Es braucht Glück bei Schiedsrichterentscheidungen. Es braucht Losglück. Und es braucht Glück bei der Verletzungsprophylaxe. Zumindest Letzteres hatten Paris und Madrid nicht, was auch der Ausfall vom Pariser Unterschiedsspieler Neymar fürs Rückspiel deutlich macht.

Die Champions League verwandelt sich damit in einen schlecht gelaunten Rodeo-Stier, der sich nicht zähmen lässt und die Cowboys, die sich einbilden, ihn beherrschen zu können, überfrüh aus dem Sattel katapultiert. Nicht umsonst hat es seit der Modifizierung des früheren Landesmeister-Turniers 1992 ein Vierteljahrhundert gedauert, bis es mit Real zum ersten Mal überhaupt einer Mannschaft gelungen ist, zweimal hintereinander keinen anderen Mitstreiter an das Tafelsilber zu lassen. 13 verschiedene Titelträger in 25 Jahren belegen, wie umfangreich der Kreis an potenziellen Kandidaten ist - und wie absurd der Versuch, die Bewertung von Erfolg und Misserfolg allein nach dem Abschneiden in diesem Wettbewerb vorzunehmen.

Es ist jener Maßstab, den ebenso deutsche Experten (und irgendwie auch der FC Bayern selbst) bei Pep Guardiola und dessen Wirken in München angelegt hatten. Nach drei Halbfinal-Niederlagen in drei Jahren wurde das spanische Trainer-Genie trotz etlicher Bundesliga-Rekorde und schönheitspreisverdächtiger Spielweise zum Gescheiterten erklärt. Nach der bayerischen Stagnation unter Ancelotti und Guardiolas Galavorstellungen mit Manchester City wurde er wieder zurückgewünscht. Noch weiter drohen sie jetzt in Madrid zu gehen, wo in Zinedine Zidane just jener Trainer angezählt wird, der die Vereinsvitrine seit seinem Antritt vor zwei Jahren um acht Trophäen erweitert hat. Zidanes Nachfolger wäre der 15. Real-Trainer binnen 18 Jahren. Egal, ob Zidane in Madrid oder Unai Emery in Paris - der Trainer, der verliert, scheidet nicht nur aus dem Turnier aus, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit auch aus seinem Arbeitsverhältnis. Obgleich man an einem Schwergewicht des Weltfußballs gescheitert ist und nicht an Malmö, Maribor oder Moskau.

Es ist eine perfide Entwicklung, die sich auch in Deutschland Bahn gebrochen hat. Allein in der laufenden Saison hat es schon jetzt acht Trainerentlassungen in der Bundesliga gegeben, deren zehn in der 2. Bundesliga und nochmal elf in der 3. Liga. Von den 56 Profiklubs hat also im Schnitt jeder zweite seinen Trainer gefeuert. Real Madrid und Paris St. Germain sind zwei Gebilde, die das Leitbild für diese Kultur maßgeblich entwerfen und das Tempo vorgeben. Seit Fußballvereine nicht mehr einfach nur Vereine sind, sondern Unternehmen, sind aus Zielen Erwartungen geworden. Nur noch die wenigsten wollen verstehen, dass es im Sport kein Drehbuch gibt, in das man sich einfach ein Happy End basteln kann. Real und Paris wollen genau diese Botschaft nicht akzeptieren. Die Botschaft, dass man nicht alles haben kann, was man haben will. Die Botschaft, mit der jedes Kind konfrontiert wurde, als es im Alter von sechs Jahren im Toys"R"Us vor einem prall gefüllten Spielzeug-Regal stand.

Es wird Zeit, dass diese Botschaft auch unter den Privilegiertesten der Szene Schule macht. Und am besten nicht erst im Endspiel.

(RP)