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Champions-League-Finale in Paris mit Camilla Cabello wird zur Farce

Draußen Tränengas, drinnen Pop-Konzert : Das Finale der Königsklasse wird zur Farce

23 Minuten nach dem eigentlich geplanten Anpfiff des Endspiels in der Champions League schickt die Uefa Pop-Sängerin Camila Cabello auf den Rasen – nachdem vor dem Stadion mehr als 200 Menschen verletzt wurden. Ein Fiasko, das wohl ohne Lerneffekt bleiben wird.

Camila Cabello war noch nie bei einem Fußballspiel – und wird so schnell wahrscheinlich auch nicht mehr hingehen. Die Grammy-nominierte Pop-Sängerin wurde bei ihrem Auftritt vor dem Champions-League-Finale am Samstagabend gellend ausgepfiffen. Das lag aber nicht an ihrem Gesang an sich, sondern am Veranstalter, der Uefa.

Wegen Chaos beim Einlass und Tränengas-Einsatz gegen Fans durch die Polizei konnte das Endspiel der Königsklasse erst mit 37 Minuten Verspätung angepfiffen werden. Das hielt die Uefa aber nicht davon ab, im Stadion eine Show zu inszenieren. Draußen wurden mehr als 200 Menschen verletzt, drinnen tanzten bunt angezogene Menschen zu Liedzeilen wie „Havanna, oh la la“ über den Rasen. Das passt ins Bild einer Uefa, die sich seit Jahren vorwerfen lassen muss, den Fußball zu kommerzialisieren und zu einem Event hochzustilisieren, mit dem ein Großteil der Anhängerschaft quer durch Europa nichts mehr anfangen kann. Alles egal, Hauptsache die Eröffnungszeremonie mit internationalem Popstar läuft glatt über die Bühne - natürlich „präsentiert von Pepsi“. Das ist dem wichtigsten Finale im europäischen Fußball nicht würdig.

Im Stadion kam der Auftritt weniger gut an. Zurecht. Von den Fans beider Mannschaften gab es um 21.23 Uhr, als die Show begann, ein gellendes Pfeifkonzert. Die Anhänger des FC Liverpool konterten zudem mit eigenen Gesängen und übertönten die tapfer lächelnde Camilla Cabello selbst über die TV-Lautsprecher immer wieder. Im Stadion dürften sie noch lauter zu hören gewesen sein, dort kann die Uefa die Klänge aus den Fankurven nicht einfach wegregeln. Für die Sängerin persönlich schade, für die Uefa eine Blamage.

Es ist unverständlich, dass die Organisatoren den Auftritt trotz der großen Verspätung nicht einfach vorzogen, als noch nicht alle Zuschauer im Stadion waren. Es klang schließlich nicht so, als ob die Liverpool-Fans, die erst später eingelassen wurde, großen Wert drauf gelegt hätten, bei diesem Ereignis dabei zu sein. Auch eine Absage wäre aufgrund der Vorkommnisse vor dem Stadion durchaus vertretbar gewesen. So viel Fingerspitzengefühl darf man aber anscheinend nicht erwarten.

Bleibt die Frage, ob die Uefa aus dieser Final-Farce lernt. Andere Verbände waren dazu durchaus schon im Stande, etwa der DFB. Der versuchte sich beim Pokalfinale 2017 an einer Halbzeitshow nach Vorbild des Super Bowl. Doch Helene Fischer wurde bei ihrem Auftritt derart gnadenlos ausgebuht und ausgepfiffen, dass der Rasen im Berliner Olympiastadion seither nicht mehr zur Bühne wird. Der DFB war lernfähig. Der Uefa ist das eher nicht zuzutrauen.