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Champions League Finale 2020: FC Bayern München kämpft gegen PSG ums Triple

Gigantenduell gegen Paris : FC Bayern kämpft im "Wahnsinnsfinale" um das Triple

Im Traumfinale von Lissabon will der FC Bayern seine Mission Triple krönen. Gegen die Stars von Paris St. Germain gilt vor allem in der Defensive besondere Vorsicht.

In weißen Buchstaben schrieben mehrere Flugzeuge ihre Botschaften in den wolkenlosen Himmel über München: "Mission Lis6on", "Mission Red", "Pack Mas". Auch der Olympiaturm erstrahlt an diesem Wochenende nach Einbruch der Dunkelheit in Bayern-Rot. Der deutsche Rekordmeister darf sich vor dem finalen Showdown der Königsklasse zumindest über die symbolische Unterstützung seiner Fans in der Heimat freuen, in Lissabon wird das Spiel des Jahres coronabedingt ja vor leeren Rängen stattfinden.

Am Sonntagabend (21.00 Uhr/ZDF, Sky und DAZN) müssen die Münchner eine letzte, besonders hohe Hürde vor der Krönung ihrer "Missao Tripla" noch überwinden: das offensivstarke Millionen-Ensemble von Paris St. Germain mit seinem deutschen Trainer Thomas Tuchel - und den beiden teuersten Spielern der Welt: Neymar und Kylian Mbappe.

Trainer Hansi Flick wirkte auch am Tag vor dem großen Highlight wie die Ruhe in Person. "Man kann sich die Krone aufsetzen, vielleicht reicht es für uns und da wären wir natürlich alle froh", sagte der 55-Jährige betont gelassen. Sein Team habe sich was vorgenommen, "wir haben einen Plan", ergänzte Flick.

"Paris ist eine verdammt gute Mannschaft", warnte "Kaiser" Franz Beckenbauer, zugleich prophezeite er seinem FC Bayern vor dem Duell der Giganten im "Stadion des Lichts": "Es wird das schwierigste Spiel in dieser Champions-League-Saison." Und es könnte für die siegeshungrigen Münchner nach einer bislang grandiosen und wegen Corona so außergewöhnlichen Saison mit dem zweiten Triple nach 2013 enden. Oder mit dem ersten für die mit Unsummen aus Katar finanzierten Franzosen.

Die Bayern sind jedenfalls gewarnt. In der Vorbereitung auf das "Wahnsinnsfinale", wie die spanische Sportzeitung Marca titelte, wird der Fokus nicht zuletzt auf das offensive Dreigestirn Neymar-Mbappe-Angel di Maria gelegt. Die drei Angreifer, aber auch ihre Mitspieler wie der deutsche Nationalspieler Thilo Kehrer, bringen Beckenbauer ins Schwärmen. "Mein lieber Mann, die spielen einen sehr guten Fußball. Sie gefallen mir. Sie haben keine Schwachstellen", sagte er bei Sport1.

Beckenbauer sieht im harmonischen Ensemble von Tuchel "keinen Spieler, der im Vergleich zu den ganz starken wie Neymar und Mbappe wirklich abfällt", PSG habe eine "ausgeglichene und komplette Super-Mannschaft". Flick stimmte zu, will aber dennoch an seinem offensiven Erfolgsrezept festhalten. "Wir haben unsere Philosophie in den letzten zehn Monaten durchgesetzt, das war unsere Erfolgsgarantie und da werden wir nicht groß was ändern", sagte er.

Auch gegen PSG wird wohl die eingespielte Startelf beginnen, bei Rechtsverteidiger Benjamin Pavard habe Flick "noch nicht vollstes Vertrauen", ihn "von Anfang an zu bringen". Die Bayern wollen wieder auf ihre Offensivstärke setzen: 42 Treffer haben sie in bislang zehn Champions-League-Spielen erzielt. Lewandowski (15 Tore) kann die Saisonbestmarke von Cristiano Ronaldo (17) einstellen - und sich zwei Tage nach seinem 32. Geburtstag erstmals mit dem Henkelpott beschenken.

Allerdings: Auch die Abwehr von PSG mit Rechtsverteidiger Kehrer hat offenkundig Weltklasse-Format. Nur fünf Gegentore ließ PSG in zehn Königsklassen-Partien zu, auch ein Verdienst von Neymar oder Mbappe, die sich zuletzt mannschaftsdienlicher zeigten. Eine Entwicklung, die sich Tuchel anrechnen darf. "Er macht einen sensationellen Job. Ich habe ihn mal besucht, die Mannschaft funktioniert sehr, sehr gut", sagte Flick über den Konkurrenten im Endspiel, dem zweiten deutschen Trainer-Duell um den Henkelpott nach 2013.

Auch die Bayern sind sich freilich ihrer Stärken bewusst. "Es greift alles ineinander, die Frische, die Spielfreude und wie man miteinander umgeht. Das spricht eine sehr gute Sprache", sagte Beckenbauer über die Mannschaft von Flick. Tatsächlich haben die Münchner einen außergewöhnlichen Lauf: im Jahr 2020 noch ungeschlagen, 20 Pflichtspielsiege in Serie, nur ein Unentschieden bei 28 Siegen in den 29 Spielen seit der letzten Niederlage - und jetzt das elfte Endspiel im Landesmeister-Wettbewerb.

Es könnte der erste große Triumph der jungen Generation der Münchner sein: Der Jahrgang 95 um Niklas Süle, Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder Serge Gnabry wird auch in der Nationalelf das Grundgerüst bilden, hinzu kommen die 96er Kingsley Coman, Benjamin Pavard und künftig Leroy Sane und Alexander Nübel. "Jetzt wollen wir das Ding auch holen", sagte Kimmich voller Motivation, "wir wollen es im ersten Anlauf schaffen."

Die Zukunft ist rosig. Auch die Gegenwart könnte es am Sonntag schon sein.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Paris: Navas - Kehrer, Thiago Silva, Kimpembe, Bernat - Marquinhos - Verratti, Herrera - di Maria, Mbappe, Neymar. - Trainer: Tuchel.

München: Neuer - Pavard, Boateng, Alaba, Davies - Goretzka, Kimmich - Gnabry, Müller, Perisic (Coman) - Lewandowski. - Trainer: Flick.

Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)

(ako/sid)