Champions League: FC Bayern will Rekord und „Erfolgserlebnis“

Angeschlagener Rekordmeister : FC Bayern will Rekord und „Erfolgserlebnis“

Nur 70 Tage nach der 7:2-Gala bei Tottenham Hotspur ist von der Euphorie beim Rekordmeister nichts mehr zu spüren. Eine weitere Pleite würde die Krise verschärfen, obwohl es eigentlich um nichts mehr geht.

Fußball-Europa schwärmte von einem "Wahnsinnsabend", von einer "Sternstunde" - doch 70 Tage nach der beeindruckenden 7:2-Gala bei Tottenham Hotspur stemmt sich Bayern München im eigentlich bedeutungslosen Rückspiel vehement gegen eine schwere Winterdepression. Nach zwei Liga-Pleiten kommt dem Champions-League-Duell gegen den exzentrischen Spurs-Coach Jose Mourinho plötzlich eine besondere Bedeutung zu. Die vorweihnachtliche Botschaft lautet: Verlieren verboten!

Thomas Müller erhofft sich vom Abschluss der Gruppe B am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky) für den Jahresendspurt eine "Initialzündung" für den angeschlagenen Rekordmeister. "Wir müssen uns wieder das Gefühl für Siege und Selbstvertrauen vor dem Tor holen", sagte der Routinier mit Nachdruck. Deshalb sei auch der Rekord - noch nie ist eine deutsche Mannschaft in der Königsklasse ohne Punktverlust durch die Gruppe marschiert - "sehr wichtig. Wenn wir das schaffen, heißt das ja auch, dass wir gewonnen haben."

Auch Trainer Hansi Flick unterstrich die Dringlichkeit der Mission: "Wir brauchen ein Erfolgserlebnis. Es ist ein wichtiger Schritt, um die Situation wieder positiv zu gestalten." Der FC Bayern müsse "in die Erfolgsspur zurück", betonte zudem Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Das Spiel gegen die seit kurzem von Starcoach Mourinho betreuten Spurs soll für den in der Liga auf Rang sieben abgestürzten FC Bayern den Weg für drei Siege vor der Winterpause gegen Werder Bremen, beim SC Freiburg und gegen den VfL Wolfsburg ebnen. "Da ist jeder Einzelne gefordert", sagte Flick. Sollte der Negativtrend jedoch anhalten, werde es "schattig", mutmaßte Müller - es droht Alarmstufe rot.

Dabei hatte es nach der Entlassung von Niko Kovac so ausgesehen, als würden die Münchner unter Flick in eine glorreiche Zukunft durchstarten. Der 54-Jährige wurde nach vier Siegen mit 16:0 Toren bereits irgendwo zwischen Wunderheiler und Lichtgestalt verortet. Jupp Heynckes lobte Flick in höchsten Tönen als "Juwel", das eine "Epoche prägen kann".

Und jetzt? Noch ist nicht einmal sicher, ob Flick über Weihnachten hinaus weitermachen darf. Man werde sich wie geplant nach dem Wolfsburg-Spiel "zusammensetzen", sagte Flick am Dienstag erneut. Es sei "alles möglich". Gleichzeitig weiß er aber auch, dass eine Weiterbeschäftigung "sicher auch mit unserem Erfolg zu tun hat".

Entsprechend wichtig ist nicht nur für Flick die Partie gegen die Spurs. Dass es nach der Entlassung von Mauricio Pochettino nun gegen Mourinho geht, ist für den Bayern-Coach deshalb allenfalls eine "Randnotiz". Es gehe einzig und allein darum, "dass wir unser Spiel machen" - und gewinnen.

Doch gerade vor dem Tor besteht Handlungsbedarf. Bei den Niederlagen gegen Leverkusen (1:2) und in Gladbach (1:2) zeigte sich einmal mehr die Abhängigkeit der Münchner von Torjäger Robert Lewandowski. Müller nahm deshalb sich und seine Kollegen in die Pflicht. "Da müssen auch die anderen Offensivspieler noch mehr in die Bresche springen, noch mehr Verantwortung übernehmen", sagte er.

Noch will Müller, der bei den Bayern schon viel erlebt hat, die Lage aber nicht dramatisieren. "Wir lassen uns nicht unterkriegen", sagte er und ergänzte schmunzelnd: "Wenn wir die vier Spiele nun gewinnen, dann weiß die Liga, dass mit uns zu rechnen ist."

(eh/sid)