Champions League: Emre Can will sich mit Titel vom FC Liverpool verabschieden

Nationalspieler verlässt wohl Liverpool : Emre Can - zum Abschied soll der Titel her

Die Zeit von Emre Can beim FC Liverpool geht wohl dem Ende entgegen. Can soll vor einem Wechsel zu Juventus Turin stehen, in den Tagen nach dem Champions-League-Finale wird mit einer Entscheidung gerechnet.

Der Rücken, dieser vermaledeite Rücken. Seit März plagten Emre Can hartnäckige Beschwerden, Besserung wollte und wollte sich nicht einstellen. Als die Genesung dann doch nahte, war es zu spät. Bundestrainer Joachim Löw entschied sich gegen eine WM-Nominierung des Mittelfeldspielers, der sich wenigstens mit dem Champions-League-Finale trösten durfte.

Für seinen Trainer Jürgen Klopp beim FC Liverpool war Can am Samstag überraschenderweise immerhin "eine Option" im Duell mit dem favorisierten Titelverteidiger Real Madrid. Beim Abschlusstraining im Nationalstadion von Kiew mischte der 24-Jährige mit, und einiges sah danach aus, als könne Can sich zumindest mit einem Teileinsatz von den Reds verabschieden - wenn es denn so kommt.

Seit Monaten schon wird Can mit Juventus Turin in Verbindung gebracht, sein Vertrag an der Anfield Road läuft Ende Juni aus. Ende April berichtete die Gazzetta dello Sport, dass der 20-malige Nationalspieler sich mit dem italienischen Meister auf einen Fünf-Jahres-Vertrag verständigt habe für ein Salär von sechs Millionen Euro pro Jahr. Das klang alles schon sehr konkret, und der Guardian in England bestätigte vor wenigen Tagen die Sachlage.

Offiziell ist allerdings noch nichts, und Klopp betonte, er habe "keine Ahnung", ob Can bereits anderswo unterschrieben habe. Für den Coach der Reds wäre der Abgang ein herber Verlust, nur Roberto Firmino und James Milner haben noch häufiger gespielt, seit Klopp in Liverpool das Sagen hat. Can ist oder vielleicht war mit seiner Präsenz, seiner Körperlichkeit und Wucht ein wichtiger Baustein im System des früheren Dortmunder Trainers.

Can hatte 2014 von Bayer Leverkusen aus den Sprung nach England gewagt, nachdem er zuvor bei Bayern München erste Profiluft geatmet hatte. Zweifel begleiteten ihn nach nur einer vollständigen Bundesligasaison. Doch der gebürtige Frankfurter mit türkischen Wurzeln biss sich durch. "Ich bin in Liverpool von einem Jugendlichen zu einem Mann gereift", sagte Can jüngst in einem Interview mit GQ. Er könne sich "an keinen Moment erinnern, wo ich Angst hatte, mich dort nicht durchzusetzen".

Dass Can im Gegensatz zu Mesut Özil und Ilkay Gündogan sich nicht mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ablichten ließ, kann man auch als ein Zeichen der Reife werten - wenn man möchte. Eine Einladung zu dem Treffen soll Can jedenfalls ebenso vorgelegen haben, hatte die Welt berichtet.

Wohin Cans Weg noch führen soll? Wenn es nach ihm geht in die Weltklasse. Er erhofft sich auf Sicht mehr Verantwortung auch in der Nationalmannschaft, die verpasste WM in Russland wäre demnach für ihn nur eine unglückliche Fügung und kein echter Rückschlag im Karriereplan. "Mein Ziel ist", sagte Can vor einer Weile in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, "noch viel, viel öfter zu spielen, Führung zu übernehmen".

(SID)