Champions League 2018: DAZN startet ordentlich mit Übertragung

Kommentar zur Sender-Premiere in der Champions League : DAZN - unverbraucht und mit Tiefgang

Die Premiere als Champions-League-Sender ist geglückt: DAZN liefert einen grundsoliden Auftritt – und könnte Sky zu Innovationen treiben. Ein Kommentar.

Am Dienstagabend konnte man intensiver als sonst an der Freizeitgestaltung unzähliger Menschen in den sozialen Medien teilnehmen. Da wurden Abendessen fotografiert und Szenen aus Biergärten gezeigt, wie Menschen einander zuprosten. Darunter standen oft Bemerkungen in der Art: Wir haben heute Besseres vor, wir gucken keine Champions League! Das wirkte mitunter so, als hätte es zum deutschen Kulturgut gehört, die Königsklasse des Fußballs mit allen auf dem Sofa gemeinsam zu sehen. Zur Erinnerung: In der vergangenen Saison hatte das ZDF ein Spiel in der Woche gezeigt, der Rest war schon da hinter der Bezahlschranke von Sky verschwunden.

Nun gibt es also gar keine Partie mehr im Zweiten und weniger bei Sky. Dafür ist ein neuer Sender in der Stadt. Und DAZN, das sich ein umfangreiches Rechtepaket sichern konnte, hat die Premiere ordentlich gemeistert. Es gab vereinzelt Klagen, der Stream sei dem Ansturm der Massen nicht gewachsen. Dabei handelte es sich offenbar um eher individuelle Probleme. Flächendeckende Abstürze, wie es sie beim Start des Eurosport-Players gegeben hatte, sind ausgeblieben.

Inhaltlich war das ein grundsolider Auftritt von DAZN. Der Sender macht aus einem vermeintlichen Nachteil einen Nutzen für sich. Viele der Kommentatoren sind einem breiteren Publikum bisher unbekannt. Es sind unverbrauchte Stimmen, die sich weitgehend auf den Sport konzentrieren und nicht auch noch die letzte Geschichte aus der Gerüchteküche über einen Spieler erzählen. Was allerdings das größte Plus ist: Bei DAZN werden Spiele zu zweit kommentiert. Man nimmt da auch gerne in Kauf, dass die Reporter bisweilen doppelt Quatsch erzählen. Meistens tun sie das aber nicht. Im Gegenteil. Sie gehen viel mehr in die Tiefe, konzentrieren sich auf einzelne Spielsituationen und erklären, was ist. Auch DAZN wird sicher noch darüber nachdenken, mit der Zeit die Verpackung etwas aufzuhübschen. Vielleicht noch etwas mehr Drumherum bieten. Bisher ist das Gesicht des Senders als Experte Per Mertesacker. Eine clevere Wahl zum Start.

Und Sky? Vieles war so wie immer. Sky hat die populärsten Kommentatoren unter Vertrag, darunter Frank Buschmann. Der Sender leidet ein wenig darunter, von allem etwas bieten zu wollen. Dabei kommt ein seltsamer Mischmasch heraus. Mitunter hat man den Eindruck, es geht vor allem darum, wer am lautesten schreien kann, und nicht darum, was er inhaltlich beizutragen hat. Man würde Sky etwas mehr Mut wünschen, sich nicht nur auf Bekanntheit zu verlassen, sondern auch auf Innovationen zu setzen. Dazu zählt nicht, einfach Formate der Konkurrenz nachzuspielen. Wie die „Champions Corner“, die im Free-TV übertragen wird. Ein paar Gäste samt Moderator sitzen im Studio zusammen und reden über die laufenden Partien, ohne Livebilder zu zeigen. Ein Format, das es so oder ähnlich in Italien schon lange gibt und das hierzulande Sport1 etabliert hat. Das ist aber eben vor allem für Sender sinnvoll, wie eben Sport1, die keine Rechte an der Champions League haben.

Vielleicht bereitet man sich bei Sky aber auch nur auf die Zukunft vor.

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