Champions League 19/20: Real Madrid erleidet "totalen Kollaps" bei Paris St. Germain

Die Königlichen in der Krise : Real erleidet in Paris einen „totalen Kollaps“

Real Madrid wurde in der Königsklasse von einem ersatzgeschwächten Paris St. Germain demontiert. In der spanischen Heimat sieht sich Trainer Zinedine Zidane bereits mit Spekulationen über mögliche Nachfolger konfrontiert.

Als auf dem Rasen des Prinzenparks die Königlichen wie Hofnarren vorgeführt wurden, sah man Neymar und Kylian Mbappe auf ihren VIP-Plätzen feixen. Auch ohne die beiden verhinderten Superstars fügte Paris St. Germain mit Trainer Thomas Tuchel beim 3:0 (2:0) zum Champions-League-Auftakt Real Madrid eine schmachvolle Niederlage zu. Das "Weiße Ballett" verkörperten diesmal die in Weiß gekleideten Pariser, während Real eigentlich in Mausgrau hätte spielen müssen.

Als "totalen Kollaps" beschrieb die spanische Zeitung AS den Auftritt von Toni Kroos und Co., und für das Blatt Marca ist endgültig die "Krise" ausgebrochen. Auf dem Titelblatt jubelt der PSG-Doppelpacker Angel di Maria (14. und 33.), einst bei Real vom Hof gejagt, dahinter stehen die scheinbar lustlosen Real-Stars Gareth Bale und James Rodriguez. "So kann man in Europa nicht umherlaufen", schrieb Marca: "Real versuchte nur zu überleben."

Und selbst das misslang. Madrid, das schon in den ersten vier Spielen der spanischen Liga deutliche Probleme offenbart hatte, spielte uninspiriert, fehlerhaft und ohne Tempo. Nationalspieler Kroos war in der Zentrale mit der Spielgestaltung überfordert. "Paris hat permanent gepresst, auch Toni Kroos hatte es deshalb sehr schwer", sagte Rio-Weltmeister Per Mertesacker. Der DAZN-Experte kritisierte Kroos: "Er hat das Spiel zu selten an sich gerissen und die Seitenverlagerungen gespielt."

Real-Trainer Zinedine Zidane verzichtete dagegen auf Einzelkritik, auch den glücklosen Torhüter Thibaut Courtois nahm er in Schutz. "Wir sitzen alle im selben Boot. Wenn wir verlieren, dann zusammen", sagte Zidane: "Wir alle sind schuld." PSG sei Real, so monierte der einstige Weltfußballer, "in allen Dingen überlegen" gewesen.

Das ist für das Selbstverständnis der Königlichen, für die nur eigene Dominanz und Titel zählen, inakzeptabel. Und deshalb wird es für Trainer Zidane langsam ungemütlich. Noch genießt der Rückkehrer bei seiner zweiten Amtszeit natürlich Kredit, die drei Champions-League-Siege 2016, 2017 und 2018 unter seiner Regie sind noch nicht vergessen.

Aber viele solcher Auftritte wie in Paris darf sich Real unter Zidane nicht mehr erlauben. Dass im Sommer der für alle erkennbar notwendige Umbruch nicht konsequent umgesetzt wurde, droht sich nun zu rächen. Der Name Jose Mourinho wird in den Medien immer häufiger gespielt.

Die hohe Niederlage bei PSG war vor allem deshalb so überraschend, weil das Tuchel-Team ohne den gesperrten Neymar sowie ohne die verletzten Mbappe und Edinson Cavani auskommen musste. Vielleicht habe der Ausfall der ersten Sturmreihe "dem Team geholfen", sagte Tuchel: "Vielleicht war der Druck einfach geringer, weil sich jeder gefragt hat, wie wir ohne diese drei Spieler gewinnen können." Auch die deutschen Nationalspieler Julian Draxler und Thilo Kehrer hatten verletzungsbedingt gefehlt.

Bei Real wurde der gesperrte Kapitän Sergio Ramos als Abräumer und Führungsspieler schmerzlich vermisst, aber vor allem offensiv enttäuschte Madrid auf ganzer Linie. Ein vermeintlicher Anschlusstreffer von Bale wurde wegen Handspiels nach Videobeweis aberkannt. "Es ist seltsam, dass wir trotz solch guter Spieler so wenig Tormöglichkeiten bekommen", haderte Zidane mit seinen Millionen-Stars.

(ako/sid)
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