Champions-League-Finale: Torjäger Harry Kane meldet sich fit

Fit fürs Champions-League-Finale : Kane kann alles

Seit April hat Tottenhams Torjäger Harry Kane nicht mehr gespielt. Vor dem Champions-League-Finale gegen Liverpool meldet er sich allerdings fit. Der Angreifer ist die wichtigste Figur im Spiel der Spurs.

So richtig krank sah er schon Anfang des Monats nicht mehr aus. Mit einem kraftvollen Spurt jagte Harry Kane (25) über den Rasen der Johan-Cruyff-Arena in den Jubelpulk seiner Kollegen von Tottenham Hotspur, obwohl er wegen einer schon fast üblichen Knöchelverletzung, der fünften in drei Jahren, pausieren musste. Der Star der Londoner Mannschaft wollte aber mittendrin sein bei den Feierlichkeiten. Mit 3:2 hatte sein Team das Halbfinale bei Ajax Amsterdam in letzter Minute für sich entschieden. Da vergisst man schon mal schmerzende Knöchel. Am Samstag steht Tottenham in Madrid im Endspiel der Champions League gegen den englischen Ligarivalen FC Liverpool. Und da möchte Kane schon vor dem Abpfiff spurten. „Ich fühle mich gut und bin bereit“, sagt er.

Für Liverpool muss das keine gute Nachricht sein, für die Spurs schon. Kane ist die wichtigste Figur im Spiel seiner Mannschaft, eine Führungsfigur im besten Sinn und ein Torjäger mit fast perfekten Anlagen. Beleg dafür: In 39 Pflichtspielen der Saison erzielte er 24 Tore, elfmal mit dem rechten Fuß aus dem Spiel, viermal mit dem Kopf, viermal mit dem linken Fuß, fünfmal vom Elfmeterpunkt. Kane ist schnell, stark im Strafraum, im Zweikampf und beim Kombinationsspiel, er sieht seine Nebenleute, und er gibt nicht auf. Kane kann eigentlich alles. „Er ist Weltklasse“, urteilt sein Trainer Mauricio Poccettino. Da wird vermutlich niemand widersprechen.

Auch seine Vorgänger in dieser Rolle bei den Spurs nicht. Kane steht in einer Reihe bedeutender Torjäger. Einer der größten war Gary Lineker, der nicht nur als Stürmer Eindruck machte, sondern auch durch seine Fairness. In 540 Spielen als Profi kassierte er keine einzige Gelbe Karte. Und als er den Platz auf dem Rasen mit dem des Kommentators auf der Tribüne und im Studio tauschte, machte er den berühmten englischen Witz überall auf der Welt bekannt. Einer seiner Sätze ist zum Sprichwort geworden: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang dem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Er hat das in einigen bitteren Länderspielniederlagen selbst erlebt – zum Beispiel im Elfmeterschießen beim WM-Halbfinale 1990.

Auf der anderen Seite stand damals Jürgen Klinsmann, der vier Jahre später nach Tottenham kam. Zunächst wurde er sehr skeptisch beobachtet, ihm hing das Image des Schwalbenkönigs an, eines Stürmers, der bei verdächtig wenig Körperkontakt dankbar zu Boden sinkt. „Diver“ nennen die Menschen auf der Insel solche Spieler. Klinsmann bewies Humor, als er seinen ersten Treffer mit einem Bauchrutscher (ebenfalls Diver) feierte. So viel Witz hatten die Fans ihm nicht zugetraut. Klinsmann wurde ein Publikumsliebling.

Das ist Kane längst. Aber weil er auch Gefühl für die Klubgeschichte hat, die ihm in Filmchen aus der Zeit vorgeführt wurde, die er selbst in Kinderwagen verbrachte, kopierte er Klinsmanns Torjubel nach dem ersten Premier-League-Tor.

Inzwischen ist Kane aus dem Schatten solcher Vorbilder getreten. In Fragen der Ballkontrolle und der Eleganz hat er Klinsmann sicher hinter sich gelassen. Und in Fragen der Sesshaftigkeit ebenfalls. Der spätere Erfinder des deutschen Sommermärchens tanzte in Nord-London nur 56 Partien, er spielte in seiner Karriere für elf Klubs. Kane ist seit 2011 bei Tottenham, er wurde zwischenzeitlich mal ausgeliehen, aber er versichert: „Es ist mein Ziel, meine gesamte Karriere für Tottenham zu spielen.“ Die Fans der Spurs hätten nichts dagegen.

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