Zwei Länder erhöhen im Streit um Polizeikosten den Druck auf die DFL

Gebührenbescheide : Zwei Länder erhöhen im Streit um Polizeikosten den Druck auf die DFL

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) muss sich auf eine weitere Polizeikosten-Rechnung in Millionenhöhe aus Bremen einstellen. Gemeinsam mit Rheinland-Pfalz erhöhen die Hanseaten den Druck.

Rechnung schicken, Einigung erwirken: Mit einer zweigleisigen Strategie haben Bremen und Rheinland-Pfalz den Druck auf die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Streit um die Übernahme von Polizeikosten erhöht. Die DFL muss sich auf weitere Gebührenbescheide in Millionenhöhe aus Bremen einstellen, zudem wollen beide Bundesländer bei der Innenministerkonferenz Anfang Dezember weitere Regierungen auf ihre Seite ziehen.

"Wie im wirklichen Leben muss auch hier die Treppe von oben gekehrt werden", sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz nach einem Treffen am Dienstag in Mainz mit Bremens Innensenator Ulrich Mäurer in Richtung des Profifußballs: "Es geht um die Frage der Gerechtigkeit und der vernünftigen Erwägung des Gemeinwohls."

Um diese Gerechtigkeit im Sinn der beiden SPD-Politiker herzustellen, wird die DFL drei weitere Rechnungen aus Bremen in Höhe von insgesamt 1,12 Millionen Euro erhalten. Wann der Verband die Bescheide erhalten wird, ist noch offen. Das hängt auch davon ab, wann die Rechnungen aus anderen Bundesländern für ihre polizeiliche Hilfe bei den fraglichen drei Partien in Bremen eintreffen.

Die DFL hatte im vergangenen Monat die Gebührenbescheide des Landes Bremen für vier Partien des Bundesligisten Werder in Höhe von 1,17 Millionen Euro mit großem Widerwillen beglichen. Die Hälfte der Gesamtsumme wurde Werder in Rechnung gestellt. Wer die anderen 584.000 Euro bezahlen soll, ist noch ungeklärt. Es gibt zwei Varianten: Die Kosten werden auf alle Profiklubs umgelegt oder Werder muss auch die andere Hälfte begleichen.

Im Gegensatz dazu plädierten Mäurer und Lewentz erneut für die Einrichtung eines Fonds durch den Profifußball. Das hat die DFL bislang strikt abgelehnt. Um den Druck auf den Verband zu erhöhen, wollen die beiden Innenminister bei der Konferenz mit ihren Kollegen vom 4. bis 6. Dezember in Lübeck eine "Muster-Gebührenordnung" vorlegen.

Zudem wird die Bildung eine "länderoffene Arbeitsgruppe" angestrebt. Sie soll Aufschluss darüber geben, welche Länder sich Bremen und Rheinland-Pfalz anschließen. Zuletzt hatten Hamburg und das Saarland angedeutet, dass sie ähnlich wie Bremen und Rheinland-Pfalz denken. Sollte kein Konsens gefunden werden, wird laut Lewentz auch Rheinland-Pfalz ab der kommenden Saison Rechnungen an die DFL schicken.

"In absehbarer Zeit werden uns andere Länder folgen. Wir werden die DFL weiter treiben", sagte Mäurer: "Dass die DFL gezahlt hat, zeigt doch, dass sich Dinge verändert haben." Die Bescheide seien die "Reaktion auf die totale Verweigerung der DFL" gewesen, so Mäurer: "Wir sind jederzeit bereit, alles zurückzunehmen - wenn auf der anderen Seite das freiwillige Modell des Fonds kommt."

Um doch noch eine Einigung zu erzielen, soll es laut Lewentz "schnellstmöglich zu einem Gespräch mit der DFL" kommen - wahrscheinlich aber nicht mehr vor der Konferenz Anfang Dezember.

Werder-Klubchef Hubertus Hess-Grunewald hatte zuletzt ein solidarisches Handeln des Profifußballs gefordert. "Es kann nicht im Sinne des Fair-Play-Gedanken unserer Gemeinschaft der Profiklubs sein, einem Verein in dieser Art einen Wettbewerbs-Nachteil aufzubürden", sagte der Präsident. Das sehen andere Klubs allerdings anders.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte Ende März festgestellt, dass die Beteiligung des Profi-Fußballs an Polizeikosten grundsätzlich rechtmäßig sei. Das Verfahren, bei dem es vor allem um die Zusatzkosten bei sogenannten Risikospielen geht, ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Die DFL behält sich nach wie vor den Gang vor das Bundesverfassungsgericht vor.

"Die Drohung mit dem Verfassungsgericht ist nur heiße Luft", sagte Mäurer: "Auch die andere Strategie, Werder als Opfer vorzuschieben, um so Druck auszuüben, wird scheitern."

(rent/sid)