1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Schalker ist Kultstar im Netz: Zuerst erschuf Hans Sarpei Gott

Schalker ist Kultstar im Netz : Zuerst erschuf Hans Sarpei Gott

Der Schalker Bundesliga-Profi Hans Sarpei ist im Internet zum Kultstar geworden. Auf Facebook gibt es mehr als 700 Seiten über den gebürtigen Ghanaer. Woher der Personenkult kommt, weiß Sarpei selbst nicht. Der Ursprung des Hypes liegt in einem von Schalke-Fans betriebenen Blog.

Hans Sarpei ist ein durchschnittlicher Bundesliga-Profi und mittlerweile ein bisschen in die Jahre gekommen. 181 Spiele machte der Ghanaer für den VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen. Oft durchwachsen, manchmal stark verteidigte er für seine Arbeitgeber hinten rechts in der Viererkette. Im vergangenen Sommer wechselte Sarpei noch einmal den Verein. Felix Magath lotste den Oldstar zu Schalke 04. Den Transfer hat niemand so ganz verstanden. "Was will der denn mit dem alten Mann?", fragten sich die Schalke-Fans damals. Bis heute stand Sarpei in der Bundesliga für Schalke neunmal auf dem Platz, immerhin fünfmal spielte er in der vergangenen Saison in der Champions League und hatte Anteil an dem Halbfinal-Einzug der Gelsenkirchener.

"Hans Sarpei geht schneller, als Usain Bolt rennt"

Derzeit ist Sarpei sportlich eigentlich von der Bildfläche verschwunden — und dennoch in aller Munde. Denn im Internet ist ein regelrechter Kult um den Abwehrspieler entstanden. Auf Facebook gibt es mehr als 700 Fanseiten, die sich um Sarpei drehen. Die beliebteste heißt "Hans Sarpei gefällt das". Mehr als 33.000 Facebook-User gefällt die Seite, auf der eigentlich nichts steht. So wie auf allen anderen Seiten, die in den vergangenen Wochen von den "Sarpei-Jüngern" gegründet wurden. Einige Auszüge: "Hans Sarpei geht schneller, als Usain Bolt rennt"; "Hans Sarpei kann seine eigenen Elfmeter halten"; "Zuerst erschuf Hans Sarpei Gott."

Sarpei weißt nicht, woher der Hype um seine Person kommt. "Ich hab auch keine Ahnung, warum das so ist", sagt der Schalker im Interview mit dem WDR über seinen Ruhm im Netz. Und weiter fragt er: "Was soll das eigentlich?". Genau, was soll das? Ein Personenkult um einen Spieler, der nur auf der Bank sitzt und dessen Karriere keine Besonderheiten aufweist? Woher kommt dieser Kult?

Jan-Nicolai Kolorz hätte nie damit gerechnet, dass er eine solche Lawine lostreten würde. Der 27-Jährige teilt mit einigen Freunden unter www.web.04.de seine Liebe für Schalke 04. Und Kolorz ist dafür verantwortlich, dass die Internet-Gemeinde nun einem mittelmäßigen Abwehrspieler aus Ghana huldigt. "Ich habe Anfang März mit meinen Mit-Bloggern überlegt, einfach mal eine Hans-Sarpei-Woche zu machen. Denn es war eine komische Stimmung auf Schalke, es war keine Struktur drin. Dann kamen auf einmal ein paar neue Spieler, von denen man nicht wusste, was man damit anfangen konnte. Und da war dann dieser Sarpei dabei", sagt Kolorz im Gespräch mit RP Plus. Die Person Hans Sarpei habe ihn von Beginn an gefesselt. "Der hat irgendwie ganz komisch in die Mannschaft gepasst und irgendwie auch wieder nicht. Er war mit seinem deutschen Vornamen, dem afrikanischen Aussehen und seinem Chorweiler Akzent eine dubiose Figur für uns", schildert Kolorz.

  • Fotos : Bundesliga 11/12: Profis am Scheideweg
  • Bilder : Die Skandale der Sport-Profis
  • Fotos : Die schlechtesten Bundesliga-Profis 08/09

Ein Gedicht für Hans

In der Hans-Sarpei-Woche schrieb Kolorz ein Gedicht, einer seiner Freunde wühlte ein bisschen in der Biografie des Verteidigers. "Das hat dann so die Runde gemacht und ist irgendwann im Mai zu Facebook rübergeschlichen", sagt Kolorz, der das Phänomen selber nicht nachvollziehen kann und sich über die Ausmaße wundert: "Mittlerweile hat das eine Eigendynamik angenommen, die nicht mehr überschaubar ist."

Kürzlich hat Kolorz Sarpei sogar getroffen. Er gehe mit der Sache sehr ironisch um und zeige viel Humor, sagt der Blogger. "Er hat das unter Kontrolle und kann das kanalisieren", sagt Kolorz, der der ganzen Geschichte um Hans Sarpei in seinem Blog nun auch eine eigene Domain gewidmet hat. Unter alles-hans.de sind die Geschichten über Sarpei, Pressebeiträge, Fotos und Videos für den Internetnutzer aufbereitet.

Das Sarpei-Phänomen erinnert mit Blick auf die Namen der Fanseiten bei Facebook an den Chuck-Norris-Kult. Um den Schauspieler sind in den vergangenen Jahren im Internet die wildesten Theorien in den Raum geworfen worden. Der US-Schauspieler, dessen Karriere zum größten Teil aus Low-Budget-Kampfsportfilmen besteht, wird von den Fans mit Gott gleichgestellt. Viele Chuck-Norris-Witze dienen dem Sarpei-Hype als Vorlage.

Geht es nach den Sarpei-Fans, hat Norris nun aber ausgedient. "Chuck Norris guckt nachts unter sein Bett, ob Hans Sarpei drunterliegt", heißt eine Seite, eine andere "Chuck Norris kann alles. Hans Sarpei kann mehr". Auch wenn viele den Hype um Sarpei belächeln, er dient nicht dazu, den Spieler in irgendeiner Form zu diffamieren. "Bei vielen Facebook-Gruppen wurde eine gewisse Ethik bewahrt. Viele Gruppen wurden von Schülern oder jungen Studenten gegründet. Die sind inhaltlich aber politisch zu 100 Prozent korrekt. Das freut uns natürlich sehr", sagt Kolorz. Der Blogger selbst hat die Seite "Hans Sarpei fährt mit dem NRW-Ticket bis nach Bremen" ins Leben gerufen. Seine Lieblingssprüche: "Ich finde 'Alles-Hans-Arena' ziemlich gut. Vor einigen Tagen habe ich 'Hans Sarpei ist jetzt offline' gefunden, das ist auch sehr lustig."

Der Kult um den Schalker ist sogar so weit vorangeschritten, dass Sarpei bei Heimspielen mehr Applaus bekommt als die anderen Spieler, auch wenn Kolorz befürchtet, dass die Sarpei-Blase bald platzt. "Man muss davon ausgehen, dass diese ganze Sache um Hans herum nicht länger als ein, zwei Wochen dauern wird. Gerade der Internet-Hype ist ja so vergänglich. Jens Jeremies hat dem Hans schon ein bisschen den Rang abgelaufen", sagt er.

Sarpeis Vertrag läuft am Saisonende aus, die Schalker Fans würden sich sicher wünschen, dass der Publikumsliebling Schalke treu bleibt. Kolorz hat bereits einen Plan, um Sarpei langfristig an den Verein zu binden. "Ich denke, dass wir mit unserer Petition für die Vertragsverlängerung bis 2030 Erfolg haben werden", sagt er und lacht dabei. Genau so wie Sarpei über seinen aktuellen Kultstatus, der aus dem Nichts kam, lacht. "Das tut ja keinem weh. Ich kann darüber lachen", sagt der Profi. Hans Sarpei gefällt das eben.

(sgo)