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Wirtz und Co.: Warum die Vereine der Bundesliga auf junge Talente setzen

Aus der Jugend in die Welt : Warum die Vereine der Bundesliga auf junge Talente setzen

Ob Erling Haaland, Jamal Musiala, oder Florian Wirtz. In der Bundesliga finden sich viele große Talente. Jeder Verein bildet junge, vielversprechende Spieler aus, in der Hoffnung, in einigen Jahren gut ausgebildete Fußballer in den eigenen Reihen zu haben. Am Ende steht aber meistens ein Verkauf.

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr im Weltfußball: Die Bundesliga ist ein perfektes Sprungbrett für junge Talente zu den ganz großen Klubs. Beispiele gab es in der Vergangenheit genug. Sei es der Transfer von Jadon Sancho von Borussia Dortmund zu Manchester United, oder der von Timo Werner von RB Leipzig sowie Kai Havertz von Bayer 04 Leverkusen zum FC Chelsea. Und auch in Zukunft werden sicher aktuelle Bundesliga-Stars den Weg in die Premier League finden. Heiße Kandidaten sind schon jetzt BVB-Stürmer Erling Haaland oder Mittelfeld-Talent Jude Bellingham.

Dass sich Talente in Deutschland so gut entwickeln können, liegt vor allem daran, dass sie in der Bundesliga auch die Spielzeit bekommen. Zum Beispiel bei RB Leipzig. 2017, 2018 und 2019 hatten die Sachsen den durchschnittlich jüngsten Kader der Bundesliga und waren auch in den beiden darauffolgenden Jahren unter den drei jüngsten Mannschaften zu finden war. Für den niedrigen Altersschnitt sorgen allerdings nicht nur die jungen Talente. Selbst die Führungsspieler, wie Willi Orban, Konrad Laimer, oder Emil Forsberg sind allesamt noch unter 30 Jahre alt.

Betrachtet man die Mannschaften mit dem höchsten Altersdurchschnitt, fällt auf, dass diese oft in der unteren Hälfte der Tabelle stehen, beispielsweise der VfL, Bochum, oder Arminia Bielefeld. Die meisten Trainer setzen im Abstiegskampf vor allem auf Erfahrung. Bevor sie das Risiko eingehen für einen Fehler eines jungen Spielers kritisiert zu werden, wählen die Coaches lieber die sicherere Variante eines älteren, routinierteren Spielers, der vermeintlich weniger Fehler macht.

Dabei sind es vor allem die jungen Spieler, die am Ende eine Investition in die Zukunft sind. Zum einen im sportlichen Sinn, zum andere im finanziellen. Denn starten junge Talente richtig durch, hilft es den Mannschaften nicht nur in der Tabelle – sondern auch auf dem Konto, wenn sie nach ein paar Jahren verkauft werden.

Vielleicht auch deshalb setzen Vereine wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen, der VfB Stuttgart und der 1. FSV Mainz 05 auf junge Spieler – um sich zum einen sportlich gut aufzustellen und zum anderen wirtschaftlich zu konsolidieren. Auffällig dabei ist, dass vor allem die offensiven Spieler jünger sind. Beim VfB Stuttgart ist beispielsweise keine Offensivkraft älter als 24 Jahre, mit Ausnahme von Hamadi Al Ghaddioui.

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Welche Vereine besonders auf die Jugend setzen, erkennt man an den jüngsten Startaufstellungen in dieser Saison. Es sind zwar erst sieben Spieltage gespielt und trotzdem wird eine klare Verteilung deutlich. Das jüngste Team schickte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo auf das Spielfeld, es folgt Bayer Leverkusen unter der Leitung von Gerardo Seoane. Beide Trainer stellten jeweils vier der jüngsten acht Formationen auf. Das zeigt, dass der Einsatz von Talenten in Stuttgart und Leverkusen nicht nur in einfachen Spielen ermöglicht wird, sondern Teil der Vereinsphilosophie ist. Rückschläge werden dabei einkalkuliert – wie aktuell bei beiden Vereinen zu sehen ist.

Mit den Spielern mit Vergangenheit in der Stuttgarter oder Leverkusener Jugend kann man beinahe eine deutsche Nationalelf aufstellen. Neben Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Werner, Antonio Rüdiger, Thilo Kehrer und Bernd Leno aus Stuttgart, wären es Havertz und Florian Wirtz aus Leverkusen. Außer Wirtz spielt allerdings keiner der Spieler mehr bei seinem Ausbildungsverein.

Anders sieht es zum Beispiel beim deutschen Branchen-Führer FC Bayern München aus. Neben Jamal Musiala kommt zum Beispiel auch Thomas Müller aus der Jugendabteilung des Vereins. In den kommenden Jahren sollen wieder mehr Spieler folgen, nachdem mit dem Bayern-Campus stark in die Nachwuchsarbeit investiert wurde. Dann sollen mehr Spieler wie Mats Hummels, David Alaba, Toni Kroos, Emre Can und Karim Adeyemi aus dem Nachwuchsleistungszentrum des Rekordmeisters zu den Profis stoßen – und sich dort auch etablieren und nicht in die Welt hinaus abwandern.

Dabei beginnt der Scoutingprozess inzwischen schon in den jüngsten Alterklassen. Viele Vereine beobachten die Spieler dabei aber nicht mehr nur auf den Fußball-Plätzen in der Umgebung, längst werden Talente in ganz Deutschland – oder sogar weltweit abgeworben, um sie in den vereinseigenen Fußball-Akademien für die Profis auszubilden.

Gemeinsam haben dabei alle Vereine, dass sie diese Spieler nicht nur für die Weiterentwicklung der eigenen Profimannschaft ins Boot holen wollen, sondern gewinnbringend verkaufen wollen. Längst ist die Bundesliga zu einer „Durchgangsliga“ geworden, in der junge Talente den Schritt zur Weltklasse gehen sollen, bevor sie den nächsten Schritt beim FC Chelsea, Real Madrid oder Co. gehen wollen. Der Begriff „Ausbildungsliga“ wird im Zusammenhang mit der Bundesliga immer wieder genannt.

Der VfB liegt mit fünf Eigengewächsen auf dem Platz zwölf, Leipzig mit vier auf Platz 14 und Leverkusen mit drei auf Platz 15. Der 1. FC Köln führt die Tabelle mit zehn Eigengewächsen an, darauf folgen Borussia Dortmund, SC Freiburg und 1. FSV Mainz 05 mit jeweils neun. Neben den Routiniers Horn, Reus und Bell sind auch einige junge Spieler, wie Katterbach, Moukoko und Burkardt dabei, die ihre Fußballerkarrieren gerade erst starten.

Besonders der BVB ist inzwischen für gute Jugendmannschaften bekannt. In den letzten vier Jahren gewannen die Dortmunder dreimal die U19-Bundesliga. Zudem stand die Borussia in den letzten fünf Jahren viermal im Finale der U17-Bundesliga und gewannen dieses 2018.

Borussia Dortmund kombiniert das Ausbilden von eigenen und gekauften Talenten, sozusagen eine Mischung aus VfB Stuttgart und RB Leipzig. Auch dieser Weg hat sich in der Vergangenheit bezahlt gemacht. Durch die fünf teuersten Abgänge Dembélé, Sancho, Pulisic, Aubameyang und Mkhitaryan hat der BVB in den vergangenen Jahren fast 390 Millionen Euro eingenommen.

An diesen Verkäufen leiden aber sowohl die Fans als auch die Verantwortlichen in den Vereinen. Außerdem ist dieser Weg nicht risikofrei. Immer wieder müssen die Vereine nach neuen Spielern suchen und die Trainer ein neues Team formen. Dass die gescouteten Spieler dann sofort einschlagen, hat auch viel mit Glück zu tun.

Nicht immer schaffen es die Talente nämlich wirklich im Profibereich. Auch dafür gibt es einige Beispiele, wie etwa Sinan Kurz oder Donis Avdijaj. Doch den Weg, den die Bundesliga-Vereine eingeschlagen haben, werde sie so schnell nicht mehr verlassen: Talente und deren Ausbildung sind die Überlebensgrundlage der deutschen Vereine.

(jg)