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Bayer Leverkusen: Werkself im Umbruch

Bayer Leverkusen : Werkself im Umbruch

Mit dem Start ins Trainingslager in St. Gallen beginnt für Bayer 04 der zweite Teil der Saisonvorbereitung. Teil eins lässt erste Eckpunkte im Wirken des Trainerduos erkennen: Es gibt eine neue taktische Grundordnung, es wird mehr Flexibilität gefordert, und die Kapitänsfrage steht hintan.

Junior Fernandes kam erst am Donnerstag in Leverkusen an, aber Rudi Völler war sich bereits am Mittwochabend nach dem 3:0 der Werkself in Offenbach sicher, dass der chilenische Neuzugang in Bayers Offensive "auch gerne dabei gewesen wäre", wenn er gesehen hätte, wie die Mannschaft auftritt.

Doch wird das erste, was Fernandes als Leverkusener Angestellter ausgiebig kennenlernen wird, nicht das Team, sondern die Werkstatt im Obergeschoss der BayArena sein, in der der 23-Jährige morgen gemeinsam mit den Nationalspielern André Schürrle und Lars Bender die leistungsdiagnostischen Tests absolviert. Tags drauf bricht dann der somit komplette Tross von Bayer 04 ins Trainingslager nach St. Gallen auf, wo Teil zwei der Sommervorbereitung beginnt.

Das Spiel bei den Kickers ließ dabei beim Beobachter manche Erkenntnis über die Arbeit in den ersten drei Wochen seit dem Trainingsauftakt am 25. Juni reifen. Zum Beispiel die, dass Stefan Kießling gleichermaßen topfit und torhungrig ist. "Es ist die Einstellung, die ihn so stark macht", sagt Völler und war wie alle anderen froh, dass "Kieß" nach einem Check in die Werbebande und kurzer Behandlungspause weiterspielen konnte.

Denn ihn zu ersetzen, käme wohl der größtmöglichen Aufgabe für Team und Trainer gleich. Auch wenn Trainer Sascha Lewandowski betont: "Fernandes kann auch eine Nummer neun spielen." Wenig später schiebt er aber nach: "Auch ohne echten Neuner in der Startelf könnten wir ein schlagkräftiges Offensivspiel auf die Beine stellen."

"Spielidee entwickeln"

Der Schlüssel zu letzterem heißt taktische Flexibilität. Und die fordern Lewandowski und Teamchef Sami Hyypiä ein. "Wir müssen uns auch einen Plan B oder C erarbeiten", sagt Lewandowski. Der Plan A sieht eine neue Grundausrichtung im 4-3-2-1-System vor mit drei zentralen Mittelfeldspielern vor der Viererkette und zwei offensiven Außen hinter der zentralen Spitze Kießling. "Wir wollen eine Spielidee entwickeln, in der wir so oft wie möglich in der aktiven Rolle sind", sagt Lewandowski. Beide Ideen — taktische Flexibilität und spielerische Dominanz — hatte auch Vorgänger Robin Dutt zu entwickeln versucht. Mit nachweislich eher mäßigem Erfolg.

Lewandowski und Hyypiä haben nun den Vorteil der extrem langen Sommerpause auf ihrer Seite. Und den, dass sich nach den Abgängen erfahrener Spieler wie Michael Ballack, Tranquillo Barnetta oder René Adler automatisch eine veränderte Hierarchie herausbilden muss, die idealerweise parallel zum gewünschten und zu vollziehenden Umbruch abläuft. Mit der Frage, ob Simon Rolfes Kapitän bleibt, wollen sich die Verantwortlichen erst in der Woche vor dem DFB-Pokalspiel auseinandersetzen. Dass man dieses Thema so in der Öffentlichkeit am Köcheln hält, wird einkalkuliert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundesliga 12/13: Trainings-Auftakt bei Bayer

(RP/seeg)