Wer wird der neue deutsche Meister in der Bundesliga Saison 2019/2020?

Wer wird Meister? : Die Liga hofft auf Münchner Schwächen

Serienmeister Bayern ist erneut der Top-Favorit in der Bundesliga. Aber die Spitzenteams signalisieren gewachsenes Selbstvertrauen. Allen voran Borussia Dortmund.

Eigentlich ist es wie immer. Irgend jemand fragt vor der Saison mal bei den Bundesliga-Trainern herum, wen sie sich denn als deutschen Meister vorstellen können. Und alle, jedenfalls fast alle, sagen: Bayern München, das am Freitag die Meisterschaft in der Begegnung mit Hertha BSC eröffnet. So ist das auch diesmal. Nur Florian Kohfeldt, der Coach von Werder Bremen, legt sich auf Borussia Dortmund fest.

So richtig kühn ist das nicht, schließlich hat der BVB in der vergangenen Spielzeit lange mit einem komfortablen Vorsprung die Tabelle angeführt und den Abo-Meister Bayern tüchtig geärgert. Im Grunde genommen hat Dortmund den Titel verspielt. Und weil die Westfalen aus lauter Wut darüber einerseits mächtig Geld in sehr passende neue Spieler investiert haben und andererseits längst nicht mehr verschämt um Meisterschaftsambitionen herumdrucksen, gehören sie ganz sicher zu den Topfavoriten.

Aber die Liga scheint insgesamt etwas mutiger an ihr Geschäft heranzugehen. Julian Nagelsmann, dem noch niemand einen Mangel an Selbstbewusstsein unterstellen durfte, findet: „Es wird der Klasse der sieben, acht Mannschaften im oberen Drittel nicht gerecht, wenn nur zwei Mannschaften als Meisterkandidaten genannt werden.“ Ohne falsche Bescheidenheit rechnet der neue Trainer von RB Leipzig sein Team zu jenen, die zumindest auf Dauer mal am Thron der Bayern wackeln können. „In den nächsten vier Jahren sollte für Leipzig schon ein Titel drin sein“, erklärt Nagelsmann.

Wahrscheinlich hätte er nichts dagegen einzuwenden, wenn dieser schöne Vierjahresplan schon viel zeitiger vollendet würde. Noch ist er dabei, den Leipzigern seine Idee vom Fußball zu vermitteln. Er sieht sich auf einem guten Weg, das frühe Attackieren seines Vorgängers Ralf Rangnick um bedeutende Passagen des Ballbesitzfußballs zu erweitern. Dass Rangnick ihm das Erbe eines dritten Rangs und den Einzug ins Pokalfinale hinterließ, erschreckt ihn nicht. Es ist ihm eher Ansporn.

Auch die Leverkusener machen sich nicht kleiner, als sie sind. Deshalb sagte Simon Rolfes, der Leiter der Direktion Sport, beim Fußballgipfel der Rheinischen Post bestimmt nicht zufällig jenen Satz, den sein Geschäftsführer Rudi Völler zu eben diesem Anlass jahrelang geduldig wiederholte: „Wenn die Bayern schwächeln, dann müssen wir da sein.“ Das heißt ja nicht: Wir freuen uns, wenn uns die Bayern das Stadion vollmachen, und in freundlicher Anerkennung ihrer Verdienste geben wir die Punkte ab.

Aber werden die Bayern schwächeln? In den zurückliegenden sechs Jahren taten sie es genau zweimal. 2017, als Trainer Carlo Ancelotti offenkundig ein wenig zu viel entspannte Lebensart auf den Trainingsplatz brachte, und 2018, als Niko Kovac die Ansprüche des Führungsduos Karl-Heinz Rummenigge/Uli Hoeneß noch nicht vollends verinnerlicht hatte. Die erste Krise legten die Münchner bei, indem sie Jupp Heynckes von seinem Altenteil im niederrheinischen Dörfchen Fischeln holten. Die zweite erledigte Kovac mit dem ihm so eigenen Sinn für nüchterne Arbeit am Projekt.

2017 war weder Dortmund noch Leverkusen da, als die Bayern sich eine Blöße nach der anderen gaben, über 2018 sagen die Geschichtsbücher: Auch da kriegte München die Kurve. Aber diesmal war es bedeutend enger. Es sollte sich daher niemand wundern, wenn es 2019/20 richtig spannend wird.

Es sollte sich aber auch niemand wundern, wenn wieder die ewigen Bayern am Ende die Nase vorn haben.

(pet)
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