Hannovers Absturz: Wechsel zu Slomka verpufft

Hannovers Absturz: Wechsel zu Slomka verpufft

Hannover (RPO). Als Hoffnungsträger und Identifikationsfigur gekommen, sechs Spiele später steht auf dem Punktekonto von Hannover 96 immer noch die Null. Mit der sechsten Pleite trug sich Trainer Mirko Slomka in eine traurige Rekordliste der bislang fünf Coaches ein, die die ersten sechs Partien ihrer Amtszeit verloren haben.

Bei der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg ist wenigstens der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans gelungen: Während die Spieler die Köpfe hängen ließen, feierten die Fans in der Nordkurve ihr Team mit lauten Sprechchören. Wie sich die Spieler gegenseitig auf dem Platz geholfen hatten, standen auch die Anhänger geschlossen hinter ihrem Team. Erstmals in dieser Form und das nach der neunten Niederlage hintereinander.

96-Präsident erklärte dennoch unmissverständlich, dass Slomka auch bei der Partie am Samstag beim SC Freiburg auf der Bank sitzen wird. Dieses Spiel gegen den ebenfalls abstiegsgefährdeten Aufsteiger hat für Hannover Finalcharakter. "Das wird entscheidend", erklärte Verteidiger Karim Haggui.

"Habe das selbst nicht in der Hand"

Der Trainer weist alle Spekulationen um seinen Posten von sich: "Ich habe das selbst nicht in der Hand und ich glaube, dass ich in Hannover etwas bewegt habe." So hat er vor dem Niedersachsen-Duell in die altbekannte Trainer-Trickkiste gegriffen, in Manuel Schmiedenbach einen "heißen" Youngster aufgeboten und in Jan Schlaudraff und Konstantin Rausch kurzfristig zwei Etablierte aus dem Kader geworfen. "Beiden hat im Training zuletzt die Begeisterung gefehlt", sagte Slomka, "das muss aber keine Maßnahme von Dauer sein."

  • Porträt : Das ist Mirko Slomka

Die Frage ist ja, wie bekommt Slomka es nun hin, die Begeisterung über das gute Spiel in den Breisgau mitzunehmen, und die Enttäuschung über die Niederlage zu Hause zu lassen. "Wenn wir so weitermachen wie gegen Wolfsburg, werden wir die verdienten Punkte holen", kündigte der diesmal fast fehlerlose Torwart Florian Fromlowitz an, "auf dieses Spiel können wir aufbauen."

Ergebnisse fehlen

Allerdings wird 96 dann auf ein ebenfalls voll motiviertes Team im Abstiegskampf treffen und nicht auf einen perspektivlosen deutschen Meister im Niemandsland der Bundesliga-Tabelle, der zudem drei Tage vorher noch in der Europa League antreten musste. "Wir mussten in der ersten Halbzeit die Beine ins Laufen bringen", sagte Trainer Lorenz-Günther Köstner, "wir haben mit einem Quäntchen Glück das 1:0 zum richtigen Zeitpunkt gemacht." Zvjezdan Misimovic (78.) konnte eine der wenigen Unaufmerksamkeiten in der 96-Abwehr zur Entscheidung nutzen.

Slomka ist das nicht vorzuwerfen, erstmals hatte er so etwas wie Wirkung auf sein Team. Und trotzdem konnte er wieder kein Ergebnis liefern. Erstmals in dieser Spielzeit stürzten die Niedersachsen auf den direkten Abstiegsplatz 17 ab. "Die Mannschaft hat gemerkt, dass sie in der Bundesliga mithalten kann", sagte Slomka. Samstag aber muss sie punkten, sonst könnte es tatsächlich auch dem dritten 96-Trainer in dieser Saison an den Kragen gehen.

(SID/can)