Warum die Fan-Proteste auch nach Abschaffung der Montagsspiele richtig sind

Kommentar zum Aus für Montagsspiele: Beim Fanprotest geht es um mehr als eine Anstoßzeit

Am Wochenende wird es still in den Bundesliga-Stadien - aus Protest gegen Montagsspiele. Die DFL hat die unbeliebte Anstoßzeit nun wieder abgeschafft. Dennoch werden viele Fans protestieren - denn es geht um viel mehr. Ein Kommentar.

Was dem geneigten Zuschauer die wohlige Gewissheit einer niemals abreißenden Versorgungskette verschafft, beschleunigt in Augen anderer die Entfremdung zwischen Fußball und Fan. Vor allem Spiele an Wochentagen im regulären Ligabetrieb empfanden viele als rote Linie. Die DFL und die Bundesliga-Klubs haben diese zwar erst überschritten, nun aber wieder kehrtgemacht und Montagsspiele in der deutschen Eliteliga für künftig wieder abgeschafft erklärt. Die Konfliktlinien zwischen denen, die Fußball produzieren, und jenen, die ihn konsumieren, verlaufen aber unverändert.

Für Fans, zumal jene, die sich einer „aktiven“ Szene zurechnen, speist sich der Protest gegen die Ausfransung des Spieltags allein aus ganz praktischen Erwägungen: Auswärtsspiele an Freitagabenden oder Sonntagnachmittagen lassen sich zumeist nur überaus umständlich mit festen Arbeitsverhältnissen unter einen Hut bringen. Wer sich der Aufgabe verschrieben hat, seinen Verein auf möglichst allen Wegen zu begleiten, muss in beinahe 14-tägiger Regelmäßigkeit einen Gewissenskonflikt ausfechten. Doch selbst den größten Fürsprechern der Proteste ist klammheimlich bewusst, dass ihre Interessen selten maßgeblich sind. Der Preis für die Abschaffung der Montagsspiele werden weitere Anstoßzeiten am Sonntag sein. Auch kein großer Sieg, wenn man aus Bremen kommt und sonntags in München spielen muss. Der Konflikt bleibt bestehen.

Ein Zurück zur vermeintlich guten alten 15.30-Uhr-Zeit ist ohnehin undenkbar. Die Ära, in der ein Bundesliga-Spieltag nach 90 Minuten einfach vorbei war, wurde spätestens beendet, als erstmals alle Bundesligaspiele im Bezahlfernsehen zu sehen waren. Hinter diese Entwicklung führt kein Weg zurück. Für Millionen Zuschauer, die am Spieltag vor dem Fernseher sitzen oder das Gemeinschaftserlebnis in der Kneipe genießen, ist das auch keine schlechte Sache. Mit einer Aufsplittung auf drei Tage lässt sich aus einem Spieltag eben mehr herausholen. Vor allem mehr Geld - aber auch mehr Fußball für den Zuschauer. Oder wie viele Partien haben Sie sich anschließend noch mal genussvoll angeschaut, nachdem am 33. oder 34. Spieltag gegen 17.20 Uhr plötzlich schon der ganze Spieltag rum war? Eben.

Die konkurrierenden Interessen von Gelegenheitsguckern, Dauerkarteninhabern, Allesfahrern, Fernsehsendern, Verbänden, Amateurfußballern und Profiklubs zu vereinbaren, ist unmöglich geworden. Im Zweifelsfall entscheidet dann zumeist die Münze - das große Geld. Sollte es irgendwann nur lukrativ genug erscheinen, Spiele dienstagnachts auf der dunklen Seite des Mars auszutragen, wird man nicht lange nach Menschen suchen müssen, die dem entsprechen möchten.

Um Gewinnmaximierung ging es bei den Montagsspielen nicht vorrangig. Daher fiel es DFL und Vereinen auch vergleichsweise leicht, klein beizugeben. Dass dies durch zusätzliche Sonntagsspiele und damit zu Lasten der ohnehin geplagten Amateurvereine geschehen wird, ist nur eine Fußnote in der komplizierten Gemengelage. In Zeiten, in denen es selbst für den Chef des Weltfußballs allein eine Frage des Preises ist, den Fußball samt und sonders zu verschleudern, ist es dennoch irgendwie tröstlich, dass ausnahmsweise mal die Interessen derjenigen maßgeblich sind, die diese Sportart durch ihr bloßes Interesse erst so vermarktbar gemacht haben. Bei den Montagsspielen wurde aber nur ein Symptom verhandelt, das eigentliche Problem ist die weitgehend rücksichtslose Kommerzialisierung der Sportart Fußball. Die wird weiter voranschreiten. Daher ist es nur konsequent, dass viele Fans in den Stadien am Wochenende trotzdem schweigen - sogar um 15.30 Uhr.

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