Tuchel geht zum Saisonende So viele Punkte holten die „Lame Duck“-Trainer der Bundesliga

Düsseldorf · Thomas Tuchel wird Bayern München am Ende der Saison verlassen. Er ist nicht der erste Trainer, dessen Abschied vor dem Saisonende verkündet wurde. Diesen Punkteschnitt holten einige seiner Vorgänger in dieser Situation.

Punktedurchschnitt der Bundesligatrainer: Vor Saisonende entlassen
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So viele Punkte holten die „Lame Duck“-Trainer

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Foto: dpa/Tom Weller

Dass Thomas Tuchel den FC Bayern zum Saisonende verlässt, hat Spekulationen darüber ausgelöst, wie sich seine Mannschaft nun sportlich präsentieren wird. Es gibt in der Bundesliga-Vergangenheit einige Übungsleiter, deren Abschied schon vor dem Saisonende feststand. Kann das funktionieren? Wir haben uns die Situationen von Tuchels Vorgängern angesehen. Wie viele Punkte sammelten sie noch, wie viele Siege und Niederlagen? Eine Auswahl:

Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim, Leipzig)

Tuchels Vorgänger als Cheftrainer des FC Bayern, der jetzige Bundestrainer Julian Nagelsmann, musste gleich zweimal damit umgehen, dass sein Abschied zum Saisonende bereits während des laufenden Spielbetriebs feststand. Für die Saison 2018/19 war sogar bereits vor dem ersten Spieltag klar: Nagelsmann wird im folgenden Sommer zum Ligakonkurrenten nach Leipzig wechseln.

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Seine Abschiedssaison in Hoffenheim lief dann allerdings nicht, wie es sich die Verantwortlichen wohl erhofft hatten. Hoffenheim, in dem Jahr Champions-League-Teilnehmer, beendete das Jahr auf dem neunten Tabellenplatz, verpasste damit das internationale Geschäft. 51 Punkte holte Nagelsmann in diesem Jahr mit 13 Siegen, zwölf Unentschieden und neun Niederlagen, im Schnitt also 1,50 Punkte pro Spiel in der Liga. In der vorherigen Saison waren es 1,62 Punkte und der dritte Platz in der Liga.

Auch bei seiner nächsten Station in Leipzig war sein Abschied zum Saisonende bereits früher beschlossene Sache. Ende April 2021 gab der Verein offiziell bekannt, dass Nagelsmann im Sommer zum FC Bayern wechseln würde. Drei Spieltage standen da noch aus, in denen Leipzig zweimal verlor und ein Unentschieden holte, macht einen Punkteschnitt von 0,33. Insgesamt holte Nagelsmann in seiner Zeit bei den Sachsen einen Punkteschnitt von 1,94. Wettbewerbsübergreifend waren es 2020/21 1,92. Die Leipziger wurden in der Saison Vizemeister, im Pokalfinale unterlag die Mannschaft dem BVB mit 1:4.

Fazit: Das lief insgesamt mittelmäßig bis enttäuschend.

Hansi Flick (Bayern München)

Hansi Flick war nicht nur Nagelsmanns Vorgänger als Bundestrainer, sondern auch als Trainer des deutschen Rekordmeisters. Flick gewann in nur 86 Spielen mit den Bayern unglaubliche sieben Titel, darunter das Triple 2020. In seiner letzten Saison als FCB-Coach wurde er Deutscher Meister und holte in den ersten 26 Spielen einen Punkteschnitt von 2,36 – mit 22 Siegen, fünf Unentschieden und drei Niederlagen. Nach dem 3:2-Sieg beim VfL Wolfsburg am 29. Spieltag gab Flick seinen Abschied bekannt. In den verbliebenen fünf Saisonspielen holten die Münchener zehn Punkte, damit immerhin noch zwei im Schnitt, bei drei Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage. Damit blieb Flick unter seinem Saison-Schnitt, auch unter dem seiner gesamten Bayern-Zeit (2,45).

Fazit: Der Punkteschnitt ging etwas runter, blieb aber auf einem hohen Niveau. Die Bayern standen ohnehin schon nach dem Sieg in Wolfsburg fast sicher als Deutscher Meister fest.

Jürgen Klopp (Borussia Dortmund)

Auf die Jahre mit Jürgen Klopp als Cheftrainer blicken BVB-Fans bis heute sehnsüchtig zurück. Klopp, der die Dortmunder vom grauen Mittelmaß mit Tendenz nach unten zum doppelten Meister, Double-Sieger und Final-Teilnehmer in der Champions League machte, sah im Jahr 2015 dennoch die Zeit gekommen, das Ruhrgebiet zu verlassen. Mitte April wurde das Ende der Ära Klopp offiziell bekannt gegeben, Klopp habe das Gefühl, nicht mehr der richtige Trainer zu sein. 13 Punkte holten die Dortmunder in den sechs Spielen nach der Bekanntgabe. Vier Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage bedeuteten einen Punkteschnitt von 2,16 für diesen Zeitraum. Dass der BVB am Ende trotzdem nur Siebter wurde, zeigt, wie enttäuschend die Spielzeit bis zu dem Zeitpunkt verlaufen war. 1,35 Punkte holte Klopp bis zum 29. Spieltag im Schnitt, der BVB verlor 2014/15 in der Bundesliga bei 13 Siegen und sieben Unentschieden 14 Mal.

Fazit: Nach Klopps Abschieds-Bekanntgabe holte der BVB durchschnittlich deutlich mehr Punkte als zuvor. Ein scheidender Trainer an der Seitenlinie hat der Mannschaft zumindest nicht geschadet. Klopps Nachfolger wurde übrigens Thomas Tuchel.

Marco Rose (Borussia Mönchengladbach)

Schon im Februar 2021, nach dem 21. Spieltag, war klar, dass Marco Rose Borussia Mönchengladbach im Sommer verlassen würde. Der jetzige Leipziger Coach hatte sich mit der Borussia aus Dortmund auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Zum Zeitpunkt der offiziellen Verlautbarung standen die Gladbacher auf dem siebten Platz, punktgleich mit dem BVB auf Rang sechs. Danach verloren die „Fohlen“ vier Spiele in Folge. Fünf Siege, ein Unentschieden und sieben Niederlagen  bedeuteten 1,23 Punkte im Schnitt. 1,57 waren es in den 21 Spielen zuvor. Der VfL wurde schließlich Achter. Enttäuschend für eine Mannschaft, die sich in derselben Saison – trotz einer Gruppe mit Real Madrid und Inter Mailand – ins Achtelfinale der Champions League gekämpft hatte.

Fazit: Das ging eher nach hinten los. Besonders die vier Niederlagen, die prompt auf die Ankündigung des Vereins folgten, hinterließen einen unglücklichen Eindruck.

Adi Hütter (Eintracht Frankfurt)

7,5 Millionen Euro soll Borussia Mönchengladbach für den Nachfolger von Marco Rose auf den Tisch gelegt haben. Am 13. April 2021 gab Eintracht Frankfurt bekannt, dass Trainer Hütter die Hessen verlassen würde. Am Spieltag nach der offiziellen Verkündung unterlag Hütter mit Frankfurt 0:4 bei seinem künftigen Arbeitgeber. Unangenehmer hätte es wohl nicht kommen können. Insgesamt waren die sieben Punkte aus den sechs verbliebenen Spielen zu wenig, um den vierten Platz zu halten, den das Team zuvor inne hatte. Eine Punkteschnitt von 1,16 (zwei Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen) waren für den Champions-League-Einzug zu wenig, die 1,89 der ersten 28 Spieltage hätten womöglich gereicht. Im Nachhinein wird die Eintracht damit gut leben können. Im ersten Jahr nach Hütter gewann sie die Europa League.

Fazit: Besonders unglücklich wurde die Wechselankündigung durch die Klatsche gegen Hütters künftigen Verein. Auch das Verpassen der Qualifikation zur Champions League war (zunächst) äußerst bitter.

Insgesamt zeigt sich, dass die frühzeitige Ankündigung eines Trainerabschieds nicht zwangsläufig in eine sportliche Katastrophe mündet. Wirklich besser wird es für die Vereine dadurch allerdings auch nicht. Die durchschnittlich erzielten Punkte werden in der Regel etwas weniger. Je nachdem wie knapp es in der Liga zugeht, konnte das in der Geschichte der Trainerwechsel allerdings auch schon den Unterschied zwischen Königsklasse und Europa League bedeuten.

Interimstrainer

Foto: AP/Matthias Schrader
 Julian Nagelsmann.

Julian Nagelsmann.

Foto: dpa/Marius Becker
 Marco Rose.

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 Jürgen Klopp.

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Foto: dpa/Frank Augstein
Hansi Flick.

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Adi Hütter.

Adi Hütter.

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In den meisten Fällen, in denen der Vereinsabschied der Trainer schon vor dem Saisonende feststand, waren die Coaches ohnehin nur als Zwischenlösung gedacht. Als sogenannte Interimstrainer (gerne auch als Feuerwehrmänner bezeichnet) ist ihre Aufgabe meistens das Abwenden der unmittelbaren Katastrophe, etwa des Abstiegs. Wir haben die Punkteschnitte von fast schon berüchtigten Interimstrainern wie Huub Stevens oder Friedhelm Funkel ausgerechnet und hier zusammengestellt.

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