Vom Stammspieler zum Bankdrücker: Trochowskis WM-Traum droht zu platzen

Vom Stammspieler zum Bankdrücker: Trochowskis WM-Traum droht zu platzen

Hamburg (RPO). Piotr Trochowski schießt beidfüßig mit erstklassiger Technik, ist dribbelstark, meckert nicht und ist fast nie verletzt. Er steht bei Joachim Löw seit zwei Jahren immer im Kader der Nationalmannschaft - und hat wieder einmal seinen Stammplatz beim Hamburger SV verloren. So muss er auch damit rechnen, am Donnerstag im Europa League Achtelfinale gegen den RSC Anderlecht vorerst wieder auf der Bank Platz zu nehmen.

Die Lobeshymnen auf den kleinen Mittelfeldspieler klingen bei allen Trainern immer gleich. "Wir wissen alle, welch hohe Qualität er hat", sagt HSV-Coach Bruno Labbadia. Dennoch hat er in den letzten Wochen den 19 Jahre alten Nachwuchsspieler Tunay Torun dem erfahrenen "Troche" vorgezogen. Denn es wissen auch alle Trainer, welche Qualitäten Trochowski nicht hat.

Probleme in der Rückwärtsbewegung hatten schon Labbadias Vorgänger Thomas Doll, Huub Stevens und Martin Jol kritisiert. Trochowski selbst sieht das allerdings nicht so: "Ich arbeite nicht schlecht nach hinten." Tatsache aber ist, dass der in Hamburg aufgewachsene Deutsch-Pole unter jedem neuen Coach zunächst unglaublich durchstartete, seinen Stammplatz im Laufe der Saison aber wieder verlor. "Es ist natürlich nicht optimal, dass ich nicht immer spiele", sagt der 25-Jährige, "aber im Vordergrund steht der Erfolg der Mannschaft, da kann ich nicht immer nur auf mich selbst schauen."

Diese Haltung ehrt ihn. Trochowski hat noch nie große Töne gespuckt und seinen Einsatz lautstark gefordert. Dass aber die Situation an ihm nagt, scheint offensichtlich. "Ich denke über die Situation nach", behauptet Trochowski jedoch im Hamburger Abendblatt, "aber sie belastet mich nicht." Auf dem Platz sah das zuletzt allerdings anders aus. Als er gegen Hertha BSC in der 70. Minute eingewechselt wurde, wirkte er völlig verunsichert und verkrampft.

Schon in den letzten Spielen vor der Winterpause war er in ein Formloch gefallen, das Trainingslager wollte er als Neubeginn nutzen, geklappt hat das nicht wirklich. Bei den HSV-Fans ist er deshalb auch umstritten. Im Fanforum wird schon darüber diskutiert, ihn im Sommer zu verkaufen. Denn Trochowskis Vertrag endet 2011, zu Geld zu machen ist er also nur noch in diesem Jahr.

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Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit den HSV-Bossen aber gab es noch nicht. Noch ist niemand auf den kleinen Techniker zugekommen. "Ich habe mir darüber auch noch keine Gedanken gemacht", sagt er, "es sind noch einige Spiele, dann kommt die WM. Das Wichtigste ist, dass ich im Sommer in Südafrika dabei bin."

Und eben das scheint nach der Entwicklung der letzten Wochen gar nicht mehr so sicher zu sein. Trochowskis großer Traum droht zu platzen, wenn er es nicht bald wieder schafft, in Topform zu kommen. Beim HSV hat ihm Marcell Jansen den Platz im linken offensiven Mittelfeld längst abgelaufen und könnte dies auch im Nationalteam tun. Zentral spielt Ze Roberto und rechts Eljero Elia oder eben Torun. In der Nationalmannschaft gibt es zudem mit Thomas Müller und Toni Kroos neue Kontrahenten.

"Trochowski behandelt den Ball mit einer herausragenden Leichtigkeit. Er versteht es, in den richtigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und das Richtige zu tun. Er ist beidfüßig und abschlussstark", lobt der Bundestrainer, "er müsste diese Qualität eigentlich noch viel häufiger zum Tragen bringen." Darauf hoffen auch in Hamburg alle.

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(SID/can)