Überangebot im Bayern-Mittelfeld Thiago Alcantara verschärft den Konkurrenzkampf

München · Pep Guardiola hat seinen Wunschspieler bekommen: Doch mit dem Wechsel von Thiago Alcantara zum FC Bayern verschärft sich zugleich noch einmal der Konkurrenzkampf bei den Münchnern.

Thomas Müller hatte eine Vorahnung. "So hart wie nie", schwante dem Nationalspieler, werde in der kommenden Saison der Konkurrenzkampf beim FC Bayern werden. Von einem Spieler namens Thiago Alcantara war da noch lange nicht die Rede. Spätestens seit Sonntag aber darf Müller als Prophet gelten. Da bestätigte der Triple-Gewinner, dass der neue Trainer Pep Guardiola seinen erklärten Wunschspieler bekommt, Ablöse insgesamt: 25 Millionen Euro.

So voll wie in der U-Bahn von Tokio

Beim FC Bayern wird es ab sofort beim Kampf um die Plätze vor allem im Mittelfeld zugehen wie in der U-Bahn von Tokio. Da scheint Ärger programmiert, auch wenn Toni Kroos dem ein wenig widerspricht. "Theater? In so einer Mannschaft mit so viel Qualität mussten schon in der letzten Saison sehr, sehr gute Spieler auf der Bank sitzen", sagte er nach dem 4:0 (2:0) bei Hansa Rostock. Diesen Umstand hatte Jupp Heynckes in der Vorsaison allerdings überragend moderiert.

Gegen Thiago Alcantara hat Kroos naturgemäß erst mal nichts einzuwenden. "Unterbringen muss ihn ja der Trainer. Ich glaube, er ist ein sehr guter Fußballer, und gute Fußballer sind immer willkommen", betonte der Nationalspieler. Und Guardiola hatte bereits in der vergangenen Woche im Trainingslager versichert, es werde keine Probleme mit dem Kader geben. "Wir haben sechs Wettbewerbe zu spielen, wir brauchen die ganze Mannschaft", sagte er.

Wunderknabe Thiago Alcantara, der nach Einschätzung von Guardiola vielseitig verwendbar ist und "auf der Sechs, der Acht, der Zehn, der Elf und der Sieben" spielen kann, scheint gesetzt — warum sonst sollte ihn der Trainer sonst so dringend haben wollen und betonen: "Ich brauche die Qualitäten von Thiago im Mittelfeld." Das wird all diejenigen beim FC Bayern verblüffen, die bislang der Meinung waren, der Triple-Gewinner sei erstklassig besetzt.

"Wenn alle Spieler gesund sind, haben wir ein paar schwierige Entscheidungen zu treffen", sagte Sportvorstand Matthias Sammer zu dem Überangebot an Personal — und es ist zunächst unklar, ob damit womöglich auch der Verkauf von Spielern meinte. Einstweilen werden sich neben Thiago Alcantara noch Neuzugang Mario Götze sowie Franck Ribery, Arjen Robben, Xherdan Shaqiri, Kroos und Müller um die vier Plätze in der offensiven Mittelfeldreihe bewerben.

Wird Martinez zum Verteidiger?

Müller und Götze könnten auch eine "falsche Neun" spielen und in Konkurrenz zu Mario Mandzukic und Claudio Pizarro treten — spannend aber bleibt auch die Frage: Was passiert mit Bastian Schweinsteiger? Guardiola scheint nur Platz für einen Sechser zu haben, bislang ließ er ein 4-1-4-1-System spielen. Wie von Guardiola bereits angedeutet, kann Javi Martinez einen "super" Innenverteidiger spielen. Die beste Doppel-Sechs der Welt aber hat wohl ausgedient.

Sollte Martinez nach hinten rücken, wird es auch dort ziemlich eng werden — es bliebe nur ein Platz für vier Anwärter: Daniel van Buyten, Dante, Jerome Boateng und Neuzugang Jan Kirchhoff. Und was wird aus Luiz Gustavo, immerhin Stammspieler in der brasilianischen Nationalmannschaft? "Es ist nur gut, wenn wir so viele gute Spieler haben", betonte Robben — wie gut er es findet, wenn er womöglich oft draußen sitzt, sagte er nicht.

Ribery hat schon mal vorauseilend gefordert, die Spieler des FC Bayern müssten erneut ihr persönliches Wohl dem Wohl der Mannschaft unterordnen. "Die, die draußen sind, müssen weiter positiv bleiben", sagte der Franzose und fügte hinzu: "Wir müssen wie im letzten Jahr einen guten Teamgeist entwickeln." Dieses letzte Jahr allerdings ist nur drei Wochen nach der Vorstellung von Guardiola ganz weit weg — der neue Trainer baut den FC Bayern um. Nach seinen Ideen.

(sid)
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