Supercup 2019: Borussia Dortmund nutzt Fehler des FC Bayern München gnadenlos aus

Supercup 2019 : Dortmund nutzt Bayerns Fehler gnadenlos aus

Borussia Dortmund hat das erste Kräftemessen vor dem Bundesligastart mit 2:0 gegen den FC Bayern gewonnen. Ein gut eingestelltes BVB-Team profitiert von Fehlern des Rekordmeisters.

Der Mann, auf den alle so dringend ganz genau schauen wollten, war gar nicht da. Er stand jedenfalls nicht auf dem Platz. Mats Hummels verpasste sein erstes Pflichtspiel für Borussia Dortmund nach seiner Rückkehr aus München (ausgerechnet, na klar, das Wort muss sein) gegen den alten Arbeitgeber. Er hatte sich dem Vernehmen nach am Morgen beim Training leicht verletzt. Es handle sich beim Verzicht auf den Verteidiger um eine reine Vorsichtsmaßnahme, beteuerten die Dortmunder. Auch ohne ihren prominentesten Neuen sicherten sie sich den ersten Titel der Saison, denn das ist der Supercup ja. In einer phasenweise sehr unterhaltsamen Begegnung setzte sich der Vizemeister der vergangenen Saison gegen den Meister mit 2:0 durch. Die Mehrzahl der 81.000 Zuschauer im ehemaligen Dortmunder Westfalenstadion war begeistert. Der BVB hat dem großen Rivalen die Zähne gezeigt.

Und er erfüllte einen dringenden Wunsch seines Trainers. „Wir haben zu viele Gegentore bekommen“, sagte Lucien Favre in seiner Saisonanalyse. Auch deswegen wurde Hummels geholt. Aber selbst ohne ihn blieb die Weste der Dortmunder im ersten Pflichtspiel sauber. Das war allerdings nicht nur das Verdienst einer verbesserten Abwehrleistung, sondern auch Ergebnis von Münchner Abschluss-Schwächen. Ein paar Chancen der besseren Kategorie ließ der Meister liegen. Und das führte die Bayern-Delegation zum altbekannten kollektiven Stoßseufzer: „Dann kannst du nicht gewinnen.“

Die Bayern konnten auch deswegen nicht gewinnen, weil Dortmund in den entscheidenden Momenten deutlich mehr Biss bewies, und weil sich die Münchner in der sogenannten Vorwärtsbewegung von gut attackierenden Dortmundern zu fatalen Ballverlusten provozieren ließen. Es war wie eine Blaupause fürs gesamte Spiel, als Niklas Süle gleich bei seiner ersten Ballberührung das Spielgerät an der Mittellinie verschluderte. Raphael Guerreiro, mit dessen Stellungswechseln die Bayern anfangs gar nichts anfangen konnten, zog davon und legte von der Grundlinie für seinen Kapitän Marco Reus auf. Dessen Schuss parierte der Münchner Nationaltorwart allerdings derart fantastisch, dass sich niemand mehr die Frage stellen musste, ob er die Nummer eins in Deutschland ist.

Auf derartige Ballverluste hatte Favre sein Team eingestellt. Deshalb ließ er Reus, den Fußballer des Jahres, eine Art Sonderbewacher für Thiago Alcántara spielen. Der Spanier war aus der zentralen Mittelfeldposition um den Aufbau, um den Rhythmus seines Teams bemüht, aber Reus stand ihm immer wieder im richtigen Moment, im Augenblick des Abspiels auf den Füßen. Thiagos Ballverlust führte so zum Dortmunder 1:0. Jadon Sancho kam in der Konterbewegung an den Ball, behielt die Ruhe und legte für den Kollegen Paco Alcácer auf, der Neuer mit einem Flachschuss kurz nach der Pause überwand. Und Sancho entschied schließlich die Begegnung, nachdem Thiago im Angriffsdrittel einen viel zu sorglosen Doppelpass spielen wollte, der abgefangen und in einen Konter umgebaut wurde. Guerreiro bediente Sancho mit einem schön anzusehenden Außenrist-Steilpass. Und der Flügelstürmer lief der aufgerückten Bayern-Abwehr unaufhaltsam davon. Auch Neuer war kein Hindernis, den Ball schob er ihm durch die Beine.

Da war auch für Bayerns Trainer das Spiel vorbei. Er holte die Stammspieler Thiago und David Alaba vom Feld. Das war so etwas wie das Signal zur Aufgabe. Von den zwischenzeitlich nach vorn ordentlich auftretenden Münchnern kam nichts mehr.

Dortmund fuhr es nach Hause, weil auch die Abteilung Offensive sehr kräftig nach hinten arbeitete. „Anders geht das gegen die Bayern nicht“, sagte Reus. Und er findet es sehr gut, dass in dieser Saison in allen Mannschaftsteilen tüchtig nachgelegt worden ist. Neben Hummels fehlten die angeschlagenen Neuen Thorgan Hazard und Julian Brandt. „Wir wollten den Konkurrenzkampf“, erklärte Reus, „wir wollen in allen Wettbewerben lange dabei sein.“

Das ist kein bescheidenes Ziel, aber zu bescheiden müssen die Dortmunder nicht sein. Das zeigte das erste Pflichtspiel der Saison, in dem sie ihre Qualitäten zumindest phasenweise auf den Rasen brachten. Mit Hummels, der in der Innenverteidigung ein anderes Kaliber als sein bemühter, aber in den Möglichkeiten eben beschränkter Vertreter Ömer Tobrak ist, wird sich das Spiel in der Abwehr stabilisieren und in der sogenannten Eröffnung deutlich verbessern. Da haben auch die Bayern noch viel Luft nach oben. So kann man zu dem bemerkenswerten Schluss kommen: Einer wie Hummels fehlte den Bayern, bei denen Jerome Boateng die spielerische Last tragen musste, während Süle eher hölzern wirkte. Und einer wie Hummels fehlte Dortmund ebenfalls. Der BVB wurde am Samstag besser damit fertig. Das fand auch sein Coach. „Das war okay“, versicherte Favre. Er hatte nur einen Wunsch: „Wir müssen mehr Ballbesitz haben.“ Das wird schon, es geht ja auch nicht jede Woche gegen die Bayern.

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